https://www.faz.net/-gqz-761ja

Filmzensur in China : W wie Willkür

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Die chinesische Zensur streicht im neuen „James Bond“ die Szene, in der ein chinesischer Wachmann erschossen wird. Politisch viel brisantere Filme gehen dagegen ungeschnitten durch.

          1 Min.

          Der neue James Bond, in dem die Skyline von Schanghai und das Kasinoflair von Macao gut wegkommen, ist diese Woche mit ansehnlichem Erfolg und einem eigenartigen Zensurschnitt in China angelaufen. Das Amt für Radio, Film und Fernsehen findet es offensichtlich nicht akzeptabel, dass in einem in chinesischen Kinos gezeigten Film ein chinesischer Wachmann in einem Schanghaier Wolkenkratzer von einem französischen Killer erschossen wird.

          An der Gewalt kann es nicht liegen, dass die Szene herausgenommen wurde; weit brutalere Bilder bleiben in anderen Filmen unbeanstandet. Vielmehr scheinen die Sicherheitsbedenken auf die Nationalität und die öffentliche Funktion des Getöteten zurückzugehen. Weitere Eingriffe tilgten aus den chinesischen Untertiteln Hinweise auf die Existenz von Prostitution und folternden Geheimdienstleuten in China. Dabei zeichnet sich der neue James Bond ja gerade dadurch aus, dass vertraute nationale und ideologische Gegensätze bis an die Grenze der Markenverträglichkeit aufgebrochen werden.

          Ist China von den Tücken der Welt ausgenommen?

          Die Skrupulosität der Zensoren ist nur schwer damit zusammenzubringen, dass sie im Dezember zur besten Sendezeit und zur Verblüffung des Publikums im Staatsfernsehen einen Film zuließen, in dem es recht detailliert um den Sturz eines diktatorischen Regimes geht: „V for Vendetta“ - geschrieben übrigens von den Geschwistern Wachowski, deren jüngster mit Tom Tykwer gedrehter Film „Cloud Atlas“ ebenfalls demnächst in China anlaufen wird, in einer um 39 Minuten, offenbar vor allem Sexszenen betreffenden gekürzten Version.

          Entweder sind die Kriterien der Zensoren völlig willkürlich, oder es geht ihnen um die Präsentation einer im übrigen recht rauhen Welt, von deren Tücken allein China ausgenommen ist - als lokal begrenzter Fall eines Endes der Geschichte gewissermaßen.

          Mark Siemons
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Weitere Themen

          Die Brüste der Madonna

          Dantes Verse : Die Brüste der Madonna

          Aus einem christlichen Motiv macht Dante in der Commedia ein Selbstporträt: als Kind an der Brust Marias. Damit zeigt er sich selbstbewusst und demütig zugleich.

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Kein Tunnel unter Stonehenge?

          Richter nennt Plan illegitim : Kein Tunnel unter Stonehenge?

          Seit Jahren tobt der Streit darum, ob Stonehenge untertunnelt werden darf. Die Regierung ist dafür. Ein Gericht hat den Plan, unter dem steinzeitlichen Monument eine Straße zu bauen, nun als ungesetzlich bezeichnet.

          Topmeldungen

          Turn-Verzicht bei Olympia : Simone Biles’ Mündigkeit

          Die weltbeste Kunstturnerin verzichtet auch auf die Teilnahme an den ersten Finalentscheidungen bei den Sommerspielen in Tokio. Das ist die einzig richtige Entscheidung.
          Lächel doch mal! – Menschen, die am Asperger-Syndrom leiden, hören diesen Satz mitunter häufiger von ihren Mitmenschen.

          Asperger-Syndrom : Mein Sohn, das Syndrom und ich

          Asperger-Autisten haben es oft nicht leicht, sich in unserer Welt zurechtzufinden. Wie erkennt man das Syndrom – bei seinen Kindern oder auch bei sich selbst? Ein Vater berichtet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.