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An der Seite James Bonds : Generation Girl

Bondgirl und Bond: Monica Bellucci und Daniel Craig Bild: AFP

Das Alter ist nur eine Zahl, sagt man. Und Mädchen nur ein Wort. Was sagt uns, dass Monica Bellucci, das nächste Bondgirl, älter ist als alle ihre Vorgängerinnen im Amt? Älter selbst als 007-Darsteller Daniel Craig?

          Wenn einer in sein dreißigstes Jahr geht, wird man nicht aufhören, ihn jung zu nennen. Er selber aber, obgleich er keine Veränderungen an sich entdecken kann, wird unsicher; ihm ist, als stünde es ihm nicht mehr zu, sich für jung auszugeben.“ Soweit Ingeborg Bachmann im Jahr des Herrn 1961, als sie selbst schon Mitte dreißig war und dergestalt melancholisch auf ihre verflossene Jugend blickte. Geht einer durch sein siebenundvierzigstes Jahr, kann man deswegen erst recht damit aufhören, ihn jung zu nennen.

          Zumal wenn er ein Spion in den besten Jahren ist, ein James Bond mit Sixpack, so wie ihn Daniel Craig - derzeit mit Dreharbeiten in Rom beschäftigt - verkörpert. Als Gespielin hat man ihm diesmal ein Bond-Girl zur Seite gestellt, das ihn altersmäßig überragt, denn auch im Fall einer italienischen Signorina wird man ohne vollständige Preisgabe von Galanterie sagen dürfen, dass sie nicht mehr jung ist - wenn sie wie Monica Bellucci ihren fünfzigsten Geburtstag schon gefeiert hat. Das verschiebt nun freilich die Definition des Begriffs „girl“ langsam ins Aschgraue.

          Ein Mädchen ist man bislang im landläufigen Sinn bis zu jenem Punkt der Entwicklung, an dem frau zur Frau heranreift. Im chauvinistischen Umfeld war der Begriff stets dehnbarer, aber in diese Regionen sollte sich ein Gentleman - und um einen solchen handelt sich bei James Bond - nicht begeben. Undenkbar, Bond könnte das Bond-Girl mit „Altes Mädchen“ ansprechen. Auch Miss Moneypenny würde ihm etwas husten. Eine psychoanalytisch geschulte Kollegin weist am Rande der redaktionsinternen Fallanalyse in der Kaffeeküche darauf hin, dass die Belluccci dem Bond nur zu gönnen sei - nach dem Filmtod der Agentenführerin M (wie Mutterfigur) brauche er etwas Gestandenes zum Anlehnen, kein Häschen also, sondern eine Häsin.

          Das führt allerdings zügig in ödipales Gelände, und also zu weit. Dennoch beißt die Maus keinen Faden ab, Bellucci ist mit weitem Abstand das älteste jemals eingesetzte Bond-Girl. Die Spanierin Penélope Cruz, die vor drei Jahren für „Skyfall“ in dieser Rolle im Gespräch war, wäre mit achtunddreißig Jahren auch schon unter das Verdikt der Bachmann gefallen. Ausgebootet wurde sie von der bis dahin eher unbekannten Französin Bérénice Marlohe. Sie war beim Kinostart 2012 dreiunddreißig. Immerhin, ihre englische Vorfahrin Honor Blackman, die beherzte „Goldfinger“-Pilotin Pussy Galore, war auch schon eine Enddreißigerin. Und was lernen wir daraus? Erstens, dass der demographische Wandel auch in der Filmbranche endlich voll durchschlägt, und dass es zweitens höchste Zeit wird für ein deutsches Bond-Girl. Es stünden bereit: Katja Riemann, Veronica Ferres, Christine Neubauer, Janina Hartwig oder Maria Furtwängler, um nur die Nächstliegenden zu nennen. Drittens: Das Wort „filmreif“ hat ab sofort den Beigeschmack von Wahrheit.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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