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Filmkarrieren : Meine Woche mit Emma Watson

Wer ist die Coolste in dieser Gang? Emma Watson. Nicht nur, wenn sie in der Mitte läuft, werden die Freunde zum Rahmenschmuck. Bild: Tobis Film

Sie ist 22. Mit den Harry-Potter-Filmen ist sie berühmt geworden. Aber jetzt wird sie ein Star.

          4 Min.

          Es dauert nicht mal eine Minute. Das ist praktisch, so kann man sich den Trailer zu Sofia Coppolas neuem Film „The Bling Ring“ nämlich tausendvierhundertvierzig Mal pro Tag anschauen, das macht in der Woche zehntausendundachtzig Mal, und damit haben Sie eine ungefähre Vorstellung, was ich seit letztem Sonntag gemacht habe. Der Trailer beginnt im Dunkeln, ein paar Gestalten laufen auf ein Haus zu, eine davon, eine junge Frau, dreht sich um und flüstert: „Let’s go shopping!“ - und dann kracht ein unfassbar lautes, übersteuertes Cheerleader-Monstrum von Song los, „Crown on the Ground“ von Sleigh Bells, und beschleunigt diesen Trailer auf Höchstgeschwindigkeit, obwohl man die Einbrecher, vier junge Mädchen und ein junger Mann, die Schmuck und Schuhe und Handtaschen und Dessous mitgehen lassen, zwischendurch sogar in Zeitlupe tanzen sieht.

          Rupert Grint als Ron Weasley, Daniel Radcliffe als Harry Potter und Emma Watson als Hermine Granger (von links) in der Verfilmung.
          Rupert Grint als Ron Weasley, Daniel Radcliffe als Harry Potter und Emma Watson als Hermine Granger (von links) in der Verfilmung. : Bild: dpa
          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Man sieht auch, wie sie sich schminken und vor der Kamera eines Computers posieren, wie die fünf mit riesigen Sonnenbrillen einen Boulevard entlang stolzieren, wie sie Wunderkerzenpartys feiern und Porsche fahren, dann kippt die Stimmung ins Hysterische, die Bullen ermitteln, Gerichtstermin; zum Schluss, bevor der Song kollabiert, sieht man die Gang noch in der Nacht vor der Lichterskyline entlanglaufen - und mittendrin leuchtet eine Wunderkerze am allerhellsten, das ist Emma Watson.

          Kann sein, dass „The Bling Ring“, der auf einer wahren Geschichte beruht und Mitte Juni in die Kinos kommt, auch der totale Mist ist - was allerdings eher unwahrscheinlich ist, weil ja Sofia Coppola Regie führt, die seit Jahren radikale Teenagermelancholie und totale Lebenserwartungsratlosigkeit in schlafwandlerisch schöne Filme verwandelt. Und sie hat für diese Filme immer schon die coolsten Kids von Hollywood engagiert - Kirsten Dunst in „The Virgin Suicides“, Scarlett Johansson in „Lost in Translation“ und jetzt also Emma Watson, der man in acht Filmen seit 2001 beim Erwachsenwerden zuschauen konnte, ein klarer Fall von growing up in public eines Kinderstars, in ihrem Fall nur handelte es sich ums Aufwachsen in der erfolgreichsten Kinoserie aller Zeiten: Harry Potter.

          Aber selbst wenn man sich für Harry Potter nie interessiert hat, es gibt zwar Abermillionen Fans auf der Welt, aber sicher noch ein paar Millionen mehr Feinde: Mit Hermine Granger, seiner besten Freundin, einer Weltklassestreberin mit einem ausgewachsenen Identitätsproblem, halb Normalo, halb Freak, konnte man sich eigentlich schon identifizieren. Und selbst wenn die Potter-Filme langweilig waren, machte es immer Spaß zu verfolgen, wie Emma Watson diese Hermine besser und besser zu spielen lernte. Die desolaten Momente in den späten Potter-Folgen, wenn die drei Zauberschüler Harry, Ron und Hermine sich ganz allein auf der Welt fühlen: Sie bleiben in Erinnerung, weil Emma Watson das so wunderbar verkörpern konnte, weil sie oft nur mit der Art, wie sie ihre Augenbrauen zusammenzog, eine ganze Szene umwölkte und die anderen beiden, Daniel Radcliffe als Harry und Rupert Grint als Ron, dabei mitriss. Man sah ihr den Ehrgeiz an, aus dem Talent, das sie hatte, mehr zu machen, insofern war sie als Weltklassestreberin Hermine ideal besetzt. Aber es hat eben auch funktioniert.

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