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Film : Nachtsichtgeräte gegen Raubkopierer

  • Aktualisiert am

Raubkopierer, aufgepaßt! Bild: AP

Zwei Drittel aller neuen Kinofilme landen einer Studie zufolge illegal im Internet. In ihrem Kampf gegen Raubkopierer will die Filmbranche nun noch härter vorgehen - mit digitalen Wasserzeichen und Nachtsichtgeräten im Kino.

          2 Min.

          Raubkopierer machen der deutschen Filmbranche weiter das Leben schwer. Nach einer jüngsten Studie wurden zwischen Oktober 2004 und März 2005 rund zwei Drittel aller 165 neuen Filme illegal ins Internet gestellt.

          Neben den amerikanischen Produktionen waren auch deutsche Streifen bei den Filmpiraten sehr beliebt. Um mitschneidende Filmpiraten im dunklen Kinosaal zu erwischen, will die Branche künftig sogar Nachtsichtgeräte einsetzen.

          Kurz vor oder nach dem Filmstart im Netz

          Neue Zahlen und Fakten über die Online-Filmpiraterie hat eine Studie von Partners for Management (P4M) und der RWTH Aachen zusammengetragen. „Es ist ein absoluter Mythos, daß nur aufwendige Hollywood-Produktionen oder wenige Verleihe betroffen sind“, berichtete Nikolai Dördrechter, Mitautor der Studie, am Dienstag in Berlin. Von den 165 Filmen, die untersucht wurden, standen 15 deutsche und 58 amerikanische Produktionen kurz vor oder nach ihrem offiziellen Filmstart bereits im Netz.

          Der „Available-for-Download (AfD)“-Studie zufolge sind alle Herkunftsländer von Raubkopien betroffen. Dabei waren amerikanische Filme zu 94 Prozent und deutsche Filme zu 40 Prozent online verfügbar. Filme mit mehr als 500.000 Zuschauern am Eröffnungswochenende stehen durch hohe Sicherheitsvorkehrungen der Verleiher meist erst nach Kinostart online zur Verfügung. Filme mit weniger als 100.000 Besuchern am ersten Wochenende können dagegen meist deutlich vor Kinostart bereits im Internet heruntergeladen werden.

          Material von Pressevorführungen

          Wie aus der AfD-Studie weiter hervorgeht, sind Filme mit mehr als 100 Startkopien fast immer im Internet zu finden. Kleine Produktionen mit weniger als 30 Startkopien sind knapp zur Hälfte betroffen. Die Qualität der Downloads wird als „gut“ eingestuft. Das Bildmaterial stammt zu 41 Prozent aus Pressevorführungen oder Jury-Versionen.

          Die illegalen Börsen schmälern nicht nur den Umsatz der Filmverleihe, sondern auch die Einnahmen der Videotheken. Die Internet-Filme wurden häufig von DVDs kopiert, die in anderen Ländern bereits zu haben waren, heißt es in der Studie. Den deutschen Ton schnitten die „Piraten“ dann häufig bei Previews oder Pressevoraufführungen im Kino mit. Im Umlauf waren auch Internet-Versionen, die im leeren Kino mit einer Digitalkamera abgefilmt wurden. Auch Material, das für Filmjurys bestimmt war, kursierte im Netz.

          Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen

          An den „undichten Stellen“ sind Filmverleihe durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen aber auch mitschuldig, heißt es weiter. Die Branche will sich in Zukunft noch stärker gegen Raubkopierer wehren. Das Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme forsche im Auftrag der Filmwirtschaft an einem Verfahren zur Rückverfolgung der Quelle bei gefundenen Raubkopien. Dabei soll ein sogenanntes digitales Wasserzeichen auf die Filme gelegt werden. Der VdF hofft, daß das Verfahren schon bald breit eingesetzt werden könne und die Aufklärungsquote für Raubkopien damit weiter steige. Filmverleihe hoffen auch auf die Entwicklung einer Suchmaschine, die Internet-Kopien aufspürt.

          Auch in den Kinos hat sich einiges geändert. Es gibt bereits Prämien für Mitarbeiter, die Mitschneider entdecken - und Nachtsichtgeräte sind im Gespräch. Auch juristisch geht die Filmwirtschaft vermehrt gegen Filmpiraten vor. Allein von Januar bis März 2005 ließ die die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen 703 Verfahren gegen Raubkopierer einleiten. Dabei drohen je nach dem Ausmaß der illegalen Verwertung Geldbußen oder bis zu fünf Jahren Gefängnis.

          Laut der Dritten Brennerstudie der Filmförderungsanstalt wurden im ersten Halbjahr 2004 10,3 Millionen Filme downgeloaded. Jeder dritte Deutsche ab zehn Jahren brannte sich in diesem Zeitraum Inhalte auf CD oder DVD.

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