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Film : „Mexican“: Wo geht's denn hier zum Traumpaar?

  • -Aktualisiert am

Brad Pitt und Julia Roberts in „Mexican” Bild: Helkon

Da hilft auch kein Lächeln. Julia Roberts und Brad Pitt geben im neuen Film „Mexican“ nicht das Traumpaar, auf das alle warteten.

          In seiner zweiten Regiearbeit vereint Gore Verbinski zwei Superstars des amerikanischen Kinos vor der Kamera. Julia Roberts und Brad Pitt werden als Traumpaar zunächst zusammengebracht, um dann fast den gesamten Film über getrennte Wege zu gehen.

          Sind sie zusammen, läuft alles schief. Jerry und Samantha sind noch nicht verheiratet, da besuchen sie schon den Ehetherapeuten. Leider hat die Behandlung nicht angeschlagen, denn wie könnte der liebende Knabe sich sonst auf so einen Deal einlassen: Statt die gemeinsame Reise nach Las Vegas anzutreten, fährt Mafia-Bote Jerry alleine nach Mexiko. Sein Boss, ein stellvertretender Obergangster, hat ihn vor die Wahl gestellt. Entweder er führt diesen Auftrag aus, oder er bekommt ein Routinebegräbnis für Gangsternieten.

          Investment, nicht richtig durchdacht

          Jerry, der als Ganove ebenso eine Null ist wie als Lebenspartner, macht sich auf den Weg. Wutschnaubend tritt Samantha ihre Reise nach Vegas alleine an. Schon hier zeigt sich, dass die Filmemacher ihr 20-Millionen-Dollar-Investment in die Top-Gesichter Hollywoods (20 Millionen Dollar Gage bekommt jeder der beiden Stars pro Film) nicht richtig durchdacht haben. Sie stellen die Stars nebeneinander, statt sie miteinander spielen zu lassen. Sie versuchen ihren Appeal zu addieren, wo sie die Talente hätten miteinander multiplizieren müssen. Die beiden Megastars kommen nur selten gemeinsam ins Bild.

          Jerry apportiert aus Mexiko die Titelfigur, eine sagenumwobene Pistole, deren verschiedene Geschichten im Laufe des Films nach Art der Westernpersiflage erzählt werden. Jerry begegnet auf seinem Trip allerlei ausländischen Witzfiguren, und Brad Pitt versucht diese an humoriger Tölpelhaftigkeit zu übertreffen. Dabei wirkt er tatsächlich sehr unbeholfen. Jerrys Dummheit nimmt man Brad Pitt ohne Zweifel ab.

          Aber "Mexican" will eine Komödie sein. Deshalb hat das Drehbuch überall Schmunzelware ausgelegt. Zur gängigen Comedy-Konfektion gehören neben den komischen dunklen Männern auch ein störrischer Esel, ein Zähne fletschendes Kuscheltier und eine Verkehrsampel mitten in der Einsamkeit der Wüste. Lache wer kann.

          Julia Roberts spricht zur gleichen Zeit in einem anderen Teil der amerikanischen Welt Sätze wie "Leroy, Sie sind sehr sensibel für einen kaltblütigen Killer". Leroy (James Gandolfini) hat Samantha im Auftrag von Jerrys Arbeitgeber entführt. Leroy ist schwul und wird bald Samanthas bester Freund und Liebesberater. Diese wiederaufbereitete Erfolgsidee aus einem anderen Roberts-Film ("Die besten Freunde") soll auf der Seite des weiblichen Stars die Lacher besorgen und sogar ein wenig Romanze in die Szene bringen. Trotzdem wird die Räuberpistole nicht zur romantischen Komödie und diese nie zur witzigen Gangsterfilmpersiflage.

          Der 20 Millionen-Dollar-Mund lächelt

          Das Drehbuch zu "Mexican" entdeckt ein neues Niemandsland zwischen den Genres, vergisst aber, es urbar zu machen. Regisseur Gore Verbinski lässt das witzneutrale Material artig und ohne erkennbaren Sinn für den Rhythmus einer Komödie exekutieren. Wäre da nicht Julia Roberts 20 Millionen-Dollar-Mund, mit dem sie jeden an die Wand lächelt, manchmal sogar die Drehbuchschwächen, wer würde die vorhersehbare Auflösung des uninteressanten Konflikts abwarten wollen?

          Um aus Julia Roberts und Brad Pitt ein Hollywood-Traumpaar zu machen, brauchte man nicht nur ein gutes Drehbuch, sondern auch einen intelligenten, sensiblen Regisseur. Wir hoffen auf Steven Soderberghs "Ocean's Eleven", in dem die beiden Stars bald wieder zusammen zu sehen sein werden.

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