https://www.faz.net/-gqz-36ps

Film : Konkurrenz für Hollywood: "Stadt des Films" bei Rom geplant

  • -Aktualisiert am

Roberto Benigni in Fellinis „Die Stimme des Mondes” Bild: dpa

Auf Initiative italienischer Industrieller soll bei Rom das größte europäische Filmproduktions-Gelände entstehen.

          3 Min.

          Ein enormes Gelände mit hochmodernen Hallen, auf dem Filme produziert werden; aber auch ein Themenpark rund um Film und Kino, der Gelegenheit bietet, bei Aufnahmen zuzusehen, ein Museum, Restaurants und natürlich viele Kinos - das Alles soll in Kürze in Rom entstehen. Eine Gruppe Industrieller hat sich zusammen geschlossen, um in der italienischen Hauptstadt ein Angebot zu schaffen, das Hollywood Konkurrenz machen können soll.

          Der Name steht schon fest: Es wird die „Stadt des Films“ werden und sie wird im Norden der italienischen Hauptstadt entstehen, dort wo jetzt einige halb verfallene Hallen stehen, die einst dem italienischen Produzenten Dino De Laurentiis gehörten und in denen bis vor zehn Jahren selbst Federico Fellini Filme wie „Die Stimme des Mondes“ drehte.

          Gemeinschaftsinitiative

          Das Projekt wurde von verschiedenen Industriellen ausgearbeitet, die das Gelände aufgekauft haben und die Firma „Roma Studios“ gründeten. Unter ihnen einige Unternehmer, die bereits im Film- oder Fernsehsektor tätig sind, auch der Textilmagnat Luciano Benetton. In langwierigen Verhandlungen sicherten sie sich auch die Unterstützung der Stadt Rom und der Region Lazium, die die Bebauungspläne für die Gegend ändern werden und sich verpflichtet haben, die Infrastruktur zu verbessern: Mit dem Ausbau der Zufahrtsstraßen wird schon in zehn Tagen begonnen.

          Als letzter Partner kam die „Cinecittà Spa“ hinzu, die Aktiengesellschaft, der die glorreichen Studios gehören, in denen erst im Faschismus und dann bis in die siebziger Jahre, bis zur großen Krise des italienischen Films, unvergessene Werke entstanden und die jetzt aus allen Nähten platzen. Verhandlungen werden auch mit dem arabischen Industriemagnaten Al Waleed geführt, der großes Interesse an dem Projekt gezeigt hat. Als Anfangsinvestition hat die Gruppe 200 Millionen Euro vorgesehen.

          Zentrum europäischer Filmproduktion

          Das Ziel, das man sich gesteckt hat, ist ganz oben angesiedelt: Rom soll für die gesamte europäische Filmproduktion zu einem attraktiven Pol werden, wo Filme geschaffen werden, die für das europäische Publikum interessant sind, um so endlich der amerikanischen Konkurrenz Paroli zu bieten und um sich gleichzeitig gegen die Übermacht der Fernsehproduktionen behaupten zu können.

          Aber das Projekt „Stadt des Filmes“ ist nicht nur kulturpolitischer Natur. Dahinter steht auch ein fundierter Unternehmensplan. Bis Ende April will man die alten Studios von De Laurentiis so weit renoviert und modernisiert haben, um die Produktion wieder aufnehmen zu können. Innerhalb der kommenden drei Jahre will man dann die nächsten Schritte realisieren.

          Besuchs- und Besichtigungsmöglichkeiten

          Da ist in erster Linie ein Themenpark rund um den Film, der auf einem Gelände von über 150 Hektar entstehen soll. Den Besuchern soll all das nahe gebracht werden, was Kino so faszinierend macht. Man soll zwischen den Kulissen bekannter Filme spazieren gehen können, aber auch den Regisseuren bei ihrer Arbeit diskret über die Schulter blicken. „Wir planen ein komplexes System von Aussichtsplattformen, Gängen und Galerien“, erklärt einer der Verantwortlichen, „auf denen die Besucher alles mitbekommen, ohne dabei bei den Dreharbeiten zu stören“.

          Gleichzeitig soll auch ein Filmmuseum entstehen, in dem zum Beispiel die Kostüme ausgestellt werden, die Sofia Loren und Marcello Mastroianni in „Gestern, Heute, Morgen“ oder Anita Ekberg in „Das süße Leben“ trugen und in dem man rund um die Uhr Filme sehen kann, die die Geschichte dieser Kunstform schrieben, aber auch Szenen aus berühmten Produktionen, die aus verschiedenen Gründen nie auf der großen Leinwand ausgestrahlt wurden. In den Lagerhallen und Kellern der „Cinecittà“ und verschiedener römischer Museen fristet all dieses Material ein düsteres Dasein und droht zu verrotten, wenn es nicht endlich wieder ans Tageslicht gebracht wird. Kinos mit den aktuellen Filmen, Restaurants und Läden sollen das Bild vervollständigen. Alles zusammen, so der Plan, soll etwa 1.000 Menschen Arbeit geben.

          Begeisterung für den Film

          Für die Stadt Rom handelt es in jeder Hinsicht um ein spannendes Projekt. In keiner anderen Stadt der Welt - das haben auch die großen Regisseure aus Amerika immer wieder bestätigt - gibt es so viele filmbegeisterte Menschen und so viele hoch qualifizierte Facharbeiter. „Wenn ich hier drehe“, so sagte einst Federico Fellini, „dann weiß ich, dass sich auch der letzte Kabelträger der Tatsache bewusst ist, dass er an einem Werk mitarbeitet, das ohne ihn so nie zustande kommen könnte“.

          Weitere Themen

          Tortenkunst mal anders Video-Seite öffnen

          „The Bakeking“ : Tortenkunst mal anders

          Eine Schimpansentorte in Lebensgröße - das ist die neue Kreation von Ben Cullen, der als „The Bakeking“ mit seinen Backkreationen begeistert. Auf der „Cake International“ trifft er die besten Tortenkünstler der Welt.

          Topmeldungen

          Eine Demonstrantin ruht sich auf dem Campus der Hong Kong Polytechnic Universität aus.

          Proteste gegen China : Eskalation an Universität in Hongkong

          Nach schweren Zusammenstößen an der Polytechnischen Universität stehen Hongkong neue Auseinandersetzungen bevor. Demonstranten wird Brandstiftung vorgeworfen. Anführer Joshua Wong verteidigt die Gewalt der Demonstranten.

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.