https://www.faz.net/-gqz-2s5s

Film : „Die fabelhafte Welt der Amélie“ macht einfach glücklich

  • -Aktualisiert am

Gilt beim Filmpreis als Favorit: Amélie Bild: Prokino

„Amélie“, die in Frankreich bereits die Herzen im Sturm eroberte, versprüht ab Donnerstag ihren Zauber auch in deutschen Kinos.

          2 Min.

          Nachdem der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet einen Abstecher in den amerikanischen Science-Fiction unternommen hat („Alien - Die Wiedergeburt“), besinnt er sich mit seinem neuesten Film wieder auf eigene Fantasiewelten.

          Wer sich in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ begibt, muss damit rechnen, ihrem glückselig machenden Zauber zu verfallen.

          Rosa-rote Wolken im grauen Alltagshimmel

          Amélie arbeitet in einem kleinen Café am Montmartre in Paris. Dort versammeln sich die unglücklichen Herzen und gescheiterten Existenzen der Stadt: Der verschmähte Liebhaber, der seine ehemalige Geliebte mit krankhafter Eifersucht verfolgt und der an seinem Talent zweifelnde Schriftsteller, der bereits seine 30. Absage kassiert hat. Um ihrem eigenen Leben Sinn zu geben, beschließt Amélie, heimlich andere Menschen glücklich zu machen.

          Mit spitzbübischem Lächeln und engelhaftem Blick zaubert sie für ihre Mitmenschen rosa-rote Wolken in den grauen Alltagshimmel. Sie befreit die verborgenen Sehnsüchte und hilft, verschollene Leidenschaften wieder zu entdecken. So verkuppelt sie eine unbefriedigte Hypochonderin, lässt der trauernden Witwe Liebesbriefe ins Haus flattern und verhilft einem Gartenzwerg zu einer Weltreise.

          Regisseur Jeunet überrascht mit Heiterkeit

          Amélie, die von der bezaubernden Audrey Tautou gespielt wird, ist eine moderne Märchen-Fee. Doch bis sie den Weg zu ihrem eigenen Glück findet, muss sie erst den Mut entwickeln, die schützende Welt ihrer Fantasie zu verlassen und die Brücke in die Realität zu überqueren. Auch dabei hilft ihr letztlich ihr Einfallsreichtum.

          Die Fantasiewelten von Jean-Pierre Jeunet sind oft mit sympathisch-skurrilen Figuren bevölkert und stecken voller überraschender visueller Effekte. Doch während Filme wie „Delikatessen“ (1991) und „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (1995), beide in Zusammenarbeit mit Marc Caro, einen düsteren Grundton hatten, ist ihm nun ein heiter-poetisches Märchen gelungen.

          Die Bildsprache Jeunets ist wie gewohnt experimentell. Der Regisseur gibt Rückblenden in melancholischem Schwarz-Weiß. Dann wieder taucht er Paris in grell-bunte Farben, die an kitschige Postkarten erinnern.

          Jeunet liebt schnelle Tempowechsel und verwirrende Trickaufnahmen. Im Zeitraffer lässt er Bilder vorbei rauschen, um im nächsten Augenblick andere minutiös in Zeitlupe zu entfalten. Im Stil einer Collage verleiht er den Bildern eine chaotische Ordnung. Hingebungsvoll hat Jeunet an jeder einzelnen Szene gefeilt, um sein Ideal zu erreichen, nach dem „jede Einstellung eines Films wie ein Gemälde wirken“ solle.

          Mit 47 Jahren erfüllt sich Jeunet einen Wunsch

          Mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ hat sich der Franzose nicht zuletzt auch einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt. Wie er in einem Interview erklärte, wollte er im Alter von 47 Jahren endlich einmal einen „durch und durch optimistischen Film“ drehen. „An diesem Punkt meines Lebens, meiner Wegstrecke, hatte ich Lust, einen Film zu machen, der leicht und beschwingt ist, der zum Träumen verführt und einfach Vergnügen bereitet.“

          Nach dem Willen von Jeunet soll Amélie „die Menschen glücklich machen“. Wer Amélie kennenlernt, erfährt am eigenen Leibe, dass ihr diese Aufgabe mit Leichtigkeit gelingt.

          Weitere Themen

          Zwei Kriege, ein Land

          Begegnungen in Kiew : Zwei Kriege, ein Land

          Weder Kriege noch Pandemien enden. Doch es gibt immer wieder Menschen, die sich in solchen Situationen für andere einsetzen. Doch wer hilft ihnen? Aufzeichnungen einer ukrainischen Kriegskorrespondentin.

          Topmeldungen

          Auf Truppenbesuch: Wolodymyr Selenskyj

          Ukraine-Konflikt : Kiews West-Offensive

          Angesichts des russischen Truppenaufmarsches sucht der ukrainische Präsident Selenskyj die Nähe zu EU und Nato. Kann er so das Blatt im Osten seines Landes wenden?
          September 2020: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgt im Bayerischen Landtag eine Rede von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

          Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

          Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.
          Ein Hubschrauber im Einsatz über dem Tafelberg

          Brand am Tafelberg : Kapstadts Universität in Flammen

          In der südafrikanischen Küstenstadt ist am Sonntag ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Auch das Bibliotheksgebäude der Universität mit seiner historischen Sammlung steht in Flammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.