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Film der Woche : Moulin Rouge: Dem Mammon zu Willen

  • -Aktualisiert am

Video-Kritik: "Moulin Rouge" Bild: fox

Ein Film geht an seinen Einfällen zugrunde, selbst Nicole Kidman kann ihn nicht mehr retten: "Moulin Rouge" von Baz Luhrmann.

          "Moulin Rouge", ein teuer produziertes, klotzig besetztes Musical mit Nicole Kidman in der Hauptrolle, will das Wunder vollbringen, Kunst und Entertainment zugleich zu sein.

          Der Film des Australiers Baz Luhrmann beginnt damit, dass sich ein schwerer roter Vorhang öffnet. Er gibt den Blick auf eine Kinoleinwand frei, auf der das bekannte Logo der Twentieth Century Fox erstrahlt, begleitet von der ebenso bekannten Erkennungsmelodie, und unten am Bildrand zappelt dazu die Silhouette eines völlig aus den Fugen geratenen Dirigenten. Kein Zweifel, das ist witzig, weil es den ganzen Film von vornherein in eine ironische Distanz entrückt. Man ist auf Anhieb fasziniert.

          Der Zuschauer - die Mastgans

          Der Film will eine Handlung des Fin de siècle mit der Popmusik des zwanzigsten Jahrhunderts untermalen. Er geht auf witzige Weise weiter, die Begeisterung hält aber nur ein paar Minuten lang, und nach einer Viertelstunde hat man den Film im Grunde schon satt. Der Zuschauer fühlt sich vom Regisseur wie eine Mastgans behandelt, die mit immer noch mehr Einfällen vollgestopft werden soll.

          Lungenkranker Liebreiz: Nicole Kidman als Satine

          Dabei sind die Handlung aus der "Kameliendame", "La Bohème" und dem "Moulin Rouge"-Roman zu einem so rührend süßen Melodram verrührt, dabei ist die Musik so herrlich persiflierend mit all ihren Popzitaten, und das Paris der Jahrhundertwende schließlich ist so skrupellos frei erfunden, dass man den Film eigentlich mögen müsste, wenn nur der Regisseur nicht gar so ungebremst vorführen dürfte, was ihm außerdem noch alles eingefallen ist. "Moulin Rouge" geht an seinen Einfällen zugrunde.

          Schuld daran ist nicht die Märchenhandlung um eine lungenkranke Montmartre-Tänzerin, der ein armer Poet die wahre Liebe zeigt und die daraufhin ihr Kurtisanendasein beenden will. Die beiden können zusammen nicht kommen, denn der reiche Liebhaber der Tänzerin ist gar zu bös und droht, den Dichter zu ermorden, wenn die Tänzerin nicht ihm und seinem Mammon zu Willen ist. Doch das schlimme Ende bleibt ihnen und uns erspart, denn die arme Tänzerin stirbt vorher, und der Poet muss der Sterbenden versprechen, alles der Nachwelt zu erzählen - was im Film "Moulin Rouge" ja gerade geschehen ist.

          Die ewige Kunst, das ewige Leben

          Das ist der Stoff, aus dem die großen Opern sind, und auch im Film wird niemand einem solchen Märchen das künstlerische Daseinsrecht verweigern. Eine gewisse Symbolik ergibt sich dabei wie von allein. Dass es um den Gegensatz von Kunst und Leben geht, ist offensichtlich. Und wenn die Tänzerin, die so gerne Schauspielerin geworden wäre, tatsächlich ihren großen Auftritt hat, als sie dem Geliebten vorlügen muss, sie liebe ihn nicht mehr - dann geht es natürlich auch noch um das ewige Problem, ob die Kunst nicht immer lügen muss, um wirklich wahr zu werden.

          In solchen Szenen geht es sehr gefühlvoll zu, es sind die schönsten, weil opernhaft breit ausgemalten Momente. Nur wenn es richtig sentimental wird, erlaubt sich der Regisseur den Luxus melodramatischer Ruhe. Dass man sich der Wirkung dieser tränenseligen Szenen nicht entziehen kann, liegt vor allem an den ganz hervorragenden Darstellern.

          Aber Nicole Kidman ist ein Genuss

          Die beiden Hauptrollen sind mit dem Schotten Ewan McGregor, der durch "Trainspotting" schlagartig weltbekannt wurde, und mit dem australischen Superstar Nicole Kidman makellos besetzt. Nicole Kidman entpuppt sich als eine Virtuosin, die jeden gewünschten Gesichtsausdruck, jede Körperpose, jede Geste auf Anhieb herbeizuzaubern versteht. Es ist ein Genuss, ihr dabei zuzuschauen und zuzuhören. Denn selbstverständlich tanzt und singt sie auch mit ebensolcher, beinahe unheimlicher Perfektion.

          Der australische Regisseur Baz Luhrmann, durch "Romeo und Julia" mit Leonardo DiCaprio berühmt geworden, macht "Moulin Rouge", das so schön hätte werden können, leider gründlich kaputt. Er entpuppt sich als Fanatiker einer Ästhetik, die wir vor zwanzig Jahren vielleicht ehrfürchtig als "postmodern" bestaunt hätten, die im Zeitalter von Videoclip, Computerspiel und Internet aber völlig inflationär geworden ist.

          Hommage an die Schatzkammern der Populärkultur

          In "Moulin Rouge" flitzt die Kamera zwar ebenso schnell durch die Kulissen wie eine Computeranzeige über den Bildschirm, aber das kann heutzutage eben jedes Kind, so dass man auf der Kinoleinwand mittlerweile nur noch mit dem Mut zur Ruhe das Publikum verblüffen könnte. Das Beste an "Moulin Rouge" sind die vielen Melodien von Offenbach bis zu den Beatles, von Elton John bis zu Madonna, die hier zitiert und parodiert werden.

          Wozu diese Verbeugung vor der Populärmusik zweier Jahrhunderte? Weil Baz Luhrmann zweifellos Großes vorschwebte: eine Hommage an die Populärkultur als unerschöpflich reiches Reservoir, das die Träume und Mythen der Moderne verwahrt. "Moulin Rouge" hat diese Schatzkammer geplündert, aber dabei, im begreiflichen Rausch angesichts all der Schätze, völlig die Form verloren.

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