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Film der Woche : „Final Fantasy“ - Animation, die nicht bewegt

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„Final Fantasy”: Echt oder nicht echt - ist hier nicht mehr die Frage Bild: columbia tristar

Das Videospiel "Final Fantasy" wagt den Sprung auf die große Leinwand und zeigt den letzten Stand der Computeranimation.

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          Jetzt hat auch das Videospiel "Final Fantasy" den Sprung auf die große Leinwand getan. "Eine noch nie dagewesene Sensation", tönt das Presseheft. "Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalter", jubelt der Werbetext weiter, und so mancher Journalist jubelt mit über den letzten Stand der Computeranimation, der hier gezeigt wird.

          Tatsächlich gibt es in diesem Film einiges zu sehen, was ihn zum Film der Woche qualifiziert: Figuren etwa, deren Erscheinung und Auftreten dem Menschen sehr genau nachgeneriert sind. Ihre Lippen bewegen sich - im amerikanischen Original- synchron zu den Sätzen, die ihnen in den Mund gelegt werden. Fast menschlich bewegen sich die Gesichter, und ihre Haut zeigt dabei die eine oder andere Falte. Sogar ein paar zarte Sommersprossen beglaubigen ihre Authentizität.

          Neuste Technik

          Die 250 Designer haben besser gearbeitet als mancher Schönheitschirurg. Naturähnlich wogendes Haar, das mit bisher vorhandener Software ebenso schwer darzustellen war wie Wasser, lässt mit 60.000 einzeln definierten Haaren jeden herkömmlichen Animateur vor Neid erblassen. Der shampowerbungsschöne Glanz dürfte neue Maßstäbe setzen, für die Ergebnisse, die wir demnächst von Drogerieprodukten erwarten werden. Selbstverständlich bewegen die Menschenbilder sich hier fast so wie Du und ich.

          Dass all dies nun möglich ist, erstaunt, oder genauer gesagt, es hat uns erstaunt, als wir den Trailer gesehen haben, im Vorprogramm eines anderen Films oder im Fernsehen. Doch der Zuschauer, der in einem Filmtheater Platz nimmt, erwartet mehr als die Präsentation der neusten Techniken. Vielleicht erwartet er ja Bilder, die die Welt bedeuten oder zumindest eine Geschichte erzählen. Der Kinobesuch soll eine Erfahrung sein. Das Erlebnis von "Final Fantasy" ist jedoch eine negative: Nichts von diesem Aufwand berührt. Obwohl die Figuren Menschen so täuschend ähnlich sehen, gelingt es ihnen doch nicht, uns ein menschliches Mitgefühl zu entringen. Sie sind eben kein Menschen aus Fleisch und Blut. Das waren E.T. oder Bambi auch nicht. Und trotzdem rührten sie zu Tränen.

          Banale Geschichte

          Ein wesentlicher Mangel dieses Produkts ist die altmodische Software - ein Schreibprogramm, wie man vermuten muss -, auf der die unglaublich banale Geschichte geschrieben wurde. Als Autor zeichnet Al Reinert. Ob der sich selbst mit dem Drehbuch beschäftigt hat oder sein computergeneriertes Image für ihn gearbeitet hat, ist nicht bekannt. Seine Geschichte hätte vielleicht auch ein Programm schreiben können, in das man "Alien" und andere Sci Fi-Bücher eingegeben hat.

          Die magere Handlung spielt im Schattenreich der Zukunft. Die Restmenschheit wird von einem Stamm bösartiger Aliens bedroht. Der große Forscher Dr. Sid und seine Mitstreiterin Dr. Ross - sie ist selbst von den Fremden infiziert - glauben die tödlichen Kreaturen mit biologischen Mitteln neutralisieren zu können. Bei ihrer dringlichen Arbeit werden sie von General Hein behindert, der die Wesen einfach wegbomben will. Das ist natürlich der falsche Weg, denn hier kann die Welt mit Bioprodukten gerettet werden.

          Moralische Ebene

          Das Prinzip kennen wir schon von anderen Hollywood-Filmen: je künstlicher Story und Figuren sind, desto heftiger wird auf der moralischen Ebene das Echte vertreten. Eine ähnliche, wenn auch weniger zwingende Beziehung besteht zwischen Technik und Erzählung: Die beeindruckenden Spezial-Effekte reduzieren oft die Erzählung, für die sie doch eigentlich da sein sollten.

          "Final Fantasy" zeigt, wie wenig Technik die Phantasie ersetzen kann. Gäbe es da nicht Filme wie "Shrek" oder "Toy Story", die auch ganz im Computer gezeichnet wurden und bei denen Software und Storytelling hervorragend zusammengearbeitet haben, man könnte glatt den Glauben an die digitalen Bilder verlieren.

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