https://www.faz.net/-gqz-30s9

Film der Woche : Die Wichtigkeit, schwul zu sein

  • -Aktualisiert am

Video-Kritik: "Ein Mann sieht rosa" Bild: tobis

Schwul sein, kann von Vorteil sein, zeigen Daniel Auteuil und Gérard Depardieu in dem Film "Ein Mann sieht rosa".

          2 Min.

          Betrachtet man die derzeitige Comedy-Mode, die, Hollywood sei Dank, mit ihren Scary Movies, American Pies und den anderen gesucht klamaukigen Geschmacklosigkeiten derzeit in den Kinos der Welt herrscht, dann könnte man glauben, Daniel Auteuil, Gérard Depardieu, Thierry Lhermitte und ihr Regisseur Francis Veber seien angetreten, die Komödie für den guten Geschmack zu retten.

          Tatsächlich lächelt man hier nicht unter seinem Niveau, und das Gröhlen der bekannten Entertainment-Opfer bleibt uns auch erspart. Das Drehbuch stammt auch von Francis Veber und dürfte deshalb all jene amüsieren, die sich schon an „Ein Käfig voller Narren“ erfreuen konnten. Damals (1978) stand im Zentrum der Komödie ein Schwuler, der sich als Hetero ausgibt. Daraus entwickelte Velber allerlei Situationen, die das Zwerchfell der Zuschauer anregen sollten.

          Die Langweiler trifft es zuerst

          Heute hat Veber die Prämisse umgedreht und sein Stück auf die vermeintlich veränderten Verhältnisse aufgebaut. Ein ganz und gar heterosexueller Mann (Daniel Auteuil) muss sich als Schwuler ausgeben, um seinen Job zu behalten. Dem Buchhalter einer Kondom-Fabrik - eine langweilige und unscheinbare Figur - droht die "betriebsbedingte" Entlassung. Das bedauernswürdige Würstchen trauert in seiner Freizeit der verlorenen Gattin nach und leidet auch gar heftig darunter, dass sein Sohn mit einem derartig faden Vater nichts zu tun haben will.

          Französisches Männer-Duett: Depardieu und Auteuil
          Französisches Männer-Duett: Depardieu und Auteuil : Bild: tobis

          Als er dem Elend durch einen Sprung vom Balkon ein Ende setzen will, rette ihn der schwule Nachbar, und der hat auch eine Idee, wie man die Karriere des unscheinbaren Herren retten kann. Sie schicken einen anonymen Brief an den Chef der Firm. Er enthält „kompromitierende“ Fotos, die der Nachbar geschickt zusammenmontiert hat, und die den braven Buchhalter als gleichgeschlechtliches Manntier outen sollen.

          Der Buchhalter auf der Gay-Pride-Parade

          Dies wäre keine Boulevard-Komödie, wenn der Trick nicht funktionieren und zudem zu allerlei Verwicklungen führen würde. Man behält den Kündigungs-Kandidaten, um den Verdacht zu vermeiden, Schwule zu diskriminieren. Plötzlich scheint er sogar interessant. Als Krönung seiner Komödie schickt Veber Daniel Auteuil mit einem Kondom auf dem Kopf auf eine Gay-Pride-Parade.

          Gérard Depardieus Rolle des schwulenhassenden Machos, der glaubt sich mit dem vermeintlich Schwulen anfreunden zu müssen, um jetzt den eigenen Job zu retten, ist allerdings mit einem gröberen Pinsel gemalt. Seine Aktionen sind dazu entworfen bei den älteren Herrschaften, die „Ein Mann sieht rosa“ besuchen werden, das Äquivalent zum jugendlichen Gröhlen des „American Pie“-Publikums hervorzurufen.

          Manchmal etwas grob

          Das Problem ist nicht die Realismustauglichkeit seiner Darbietungen, sondern deren Grobheit. Diese Art der Komödie, kann nur funktionieren, wenn das Um-sich-Selbst-Kreisen luftig und leicht bleibt. Vorbild ist da immer noch Oscar Wildes Komödie „The Importance of Being Earnest“, weil sie flott und intelligent ist, und dabei nie den Boden berührt. Veber dagegen versucht, seine Was-Wäre-Wenn-Konstruktion immer wieder zu erden. Damit hat er eine Boulevard-Komödie für die Fußgängerzonen geschaffen, nicht für die Salons.

          Weitere Themen

          Youtube schaltet mich aus

          Shadow Banning : Youtube schaltet mich aus

          Ich dachte, ich könnte bei Youtube einen Kommentar zu Sarah Lee Heinrich abgeben. Doch das war ein Irrtum. Die Plattform hat meinen Kommentar gebannt. Wieso? Das weiß nur der Algorithmus. Ein Gastbeitrag.

          Kunst am Fuße der Pyramiden Video-Seite öffnen

          Ägypten : Kunst am Fuße der Pyramiden

          Das ägyptische Unternehmen „Art D’Egypte“ eröffnet seine Ausstellung mit dem Titel „Forever Is Now“. Es ist die erste internationale Kunstausstellung, die an den Pyramiden von Gizeh und auf dem umliegenden Gizeh-Plateau stattfindet.

          Wo bleibt der Jubel?

          Frankfurter Buchmesse 2021 : Wo bleibt der Jubel?

          Die Frankfurter Buchmesse hat eine schwere Zeit hinter sich. Nun fand sie wieder statt. Was von ihr bleiben wird, ist eine Frage der Perspektive.

          Topmeldungen

          Paul Ziemiak, Tilman Kuban und Hendrik Wüst beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union am 16. Oktober in Münster

          Imagewandel der Jungen Union : Konservative in Sneakern

          Die Junge Union ist auf der Suche nach einer neuen Außendarstellung. Manche ihrer Mitglieder wollen die Rhetorik abrüsten und den Kleidungsstil ändern. Aber wofür stehen die Jungkonservativen?
          Joshua Kimmich wollte sich bislang noch nicht impfen lassen.

          Corona-Impfung im Profifußball : Kimmich und der Preis der Freiheit

          Joshua Kimmich wollte sich bisher nicht gegen Corona impfen lassen. Für Kritik daran gibt es gute Gründe. Und der Imageschaden für Kimmich wird deutlich größer sein als jeder mögliche Impfschaden, der ihm droht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.