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Fernsehwoche, 9. - 15. 2. : TV-Beiprogramm zur Berlinale: Themenabende über Kluge und Pasolini

  • Aktualisiert am

Justierungsarbeiten am Haussegen: „Das verflixte 17. Jahr” Bild: ARTE

Der WDR gratuliert Alexander Kluge zu seinem 70. Geburtstag und zum „Ehrenbären“ 2002. Arte erinnert an Pasolini, den Berlinale-Gewinner von 1972.

          3 Min.

          Das Fernsehprogramm der Woche hält einige interessante Alternativen zu Olympia und dem Karneval bereit. Einschalt-Tipps von FAZ.NET.

          Samstag, 9. Februar

          SAT.1, Krimi, 20.15 Uhr: Solo für Klarinette

          Wer sich diese letzte Regiearbeit von Nico Hofmann anschaut, muss fast bedauern, dass Hofmann nur noch als Produzent tätig ist - auch wenn dabei so beeindruckende Filme wie „Der Tunnel“ oder „Tanz mit dem Teufel“ herauskommen. Ein Bild des Grauens bietet sich Kommissar Kominka (Götz George): Einem Mann wurde in einem trostlosen Mietshaus das Glied abgebissen und der Kopf mit einer Klarinette zertrümmert. Das Erstaunliche: Trotz dieses entsetzlichen Anblicks verguckt er sich in eine junge Frau namens Anna (Corinna Harfouch), die dringend tatverdächtig ist. Obwohl sie sich am Set nicht grün waren, ergänzen sich George und Harfouch in diesem Krimi nach einem Roman von Elsa Lewin glänzend.

          Sonntag, 10. Februar

          WDR, WG-Talk, 23.15 Uhr: Zimmer frei!

          Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein seltsamer Typ: Seine schriftstellerischen Arbeiten unterliegen großen Qualitätsschwankungen, in seinen öffentlichen Auftritten verbindet er Nachdenklichkeit mit einer Oberflächlichkeit, die manchmal an Albernheit grenzt. Es entsteht der Eindruck: Hinter dem „Großmaul“ verbirgt sich in Wahrheit ein sensibler Mensch, dem das Wichtigste überhaupt zu sein scheint, sich seine Sensibilität nicht anmerken zu lassen. Aber die wird Christine Westermann am Sonntagabend schon aus ihm rauskitzeln, während Götz Alsmann wieder mal versuchen wird, den WG-Talk nicht in eine Psychoanalyse ausarten zu lassen.

          Montag, 11. Februar

          BR, Satire, 19.30 Uhr: Kehraus

          Bei diesem Film, Polts bestem, kommen diejenigen auf ihre Kosten, die das alljährliche Narrentreiben schon immer mit Skepsis beobachtet haben. Staplerfahrer Weitel (Polt) hat sich von einem windigen Versicherungsvertreter sieben absolut überflüssige Policen aufschwatzen lassen. Als er versucht, diese rückgängig zu machen, gerät er in den Räumlichkeiten der Versicherungsgesellschaft in eine ausschweifende Faschingsfeier, an deren Rand die Chefetage zynisch eine Entlassungswelle vorbereitet. Der Kehraus kommt bestimmt. Herrlich, wie linkisch, verzweifelt und doch entschlossen Polt durch das kopfstehende Versicherungsgebäude tappt.

          Dienstag, 12. Februar

          ARTE, Jugenddrama, 23 Uhr: Mic außer sich

          Mic, 17, ist ein Außenseiter. Er lebt in einer frustrierenden Neubausiedlung im Norden Marseilles und kann die kleinbürgerlichen Werte seiner Umwelt nicht teilen. Nur die Musik hilft ihm, dem Alltag zu entfliehen. Eines Tages lernt er die als Satanistin verschriene Gothic- und Darkwave-Anhängerin France kennen, deren Musikgeschmack er teilt. France macht ihn mit einer neuen, mysteriösen Welt bekannt, der er zunächst fasziniert erliegt. Regisseur Jerome de Misolz wurde durch seine Dokumentarfilme (z. B. „Saga einer Traktorenfabrik“) bekannt.

          Mittwoch, 13. Februar

          WDR, Porträt, 23 Uhr: Alle Gefühle glauben an einen glücklichen Ausgang

          Am morgigen Donnerstag wird Alexander Kluge 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigt der WDR ein Poträt des Schriftstellers und Autorenfilmers, der mit „10 vor 11“ die wohl intellektuellste Talkshow des deutschen Fernsehens ausrichtet. In dem Film-Beitrag kommen neben Kluge selbst Kollegen und Weggefährten wie Jürgen Habermas, Hannelore Hoger und Christoph Schlingensief zu Wort.

          Anschließend läuft im WDR Kluges Filmdebüt aus dem Jahr 1966, „Abschied von Gestern“, mit dem er einen der ersten „jungen deutschen (Autoren-)Filme“ schuf. Die Handlung erinnert ein wenig an Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“: Die in der DDR aufgewachsene Jüdin Anita siedelt 1957 in den Westen über und gerät wegen widriger Umstände zunehmend mit dem Gesetz in Konflikt.
          Auf der diesjährigen Biennale erhält Kluge den „Ehrenbären“.

          Donnerstag, 14. Februar

          ARTE, Themenabend, ab 20.45 Uhr: Pier Paolo Pasolini

          Auch der Pasolini-Abend kann als Begleitprogramm zur diesjährigen Biennale verstanden werden, gewann Pasolini doch im Jahr 1972 mit seinen „Tolldreisten Geschichten“ den goldenen Bären. Arte erinnert an den bedeutenden italienischen Regisseur, der 1975 von einem Strichjungen erstochen wurde, mit einem Werk von 1968: „Teorema“ (ab 20.45 Uhr).
          Um 22.20 Uhr folgt ein Porträt des Filmemachers, an das sich ab Mitternacht eine Lesung von Pasolini-Texten (Sprecherin: Laura Betti, Pasolinis Lieblingsschauspielerin) anschließt.

          Das Kontrastprgramm zu der von Pasolini bevorzugt gezeigten Sphäre des „Lumpenproletariats“ läuft im Südwestfunk: SWR, Reportagen-Nacht, ab 22.15 Uhr: Die Nacht der Königinnen. Royalty sells. Wer hätte das am Ende des 20. für das beginnende 21. Jahrhundert prognostiziert? Wie ist der neue Boom zu erklären? Durch die zunehmende Verbürgerlichung des Königtums, die die höchsten Kreise in greifbare Nähe rückt?

          Freitag, 15. Februar

          ARTE, Tragikomödie, 20.45 Uhr: Das verflixte 17. Jahr

          Tragisch, dass Hannes' Frau Britta (Andrea Sawatzki) ihm ausgerechnet am 16. Hochzeitstag eine Affäre mit der ehemaligen Jugendliebe beichtet, komisch, wie pragmatisch er zusammen mit seinen beiden Kindern versucht, seine Ehe zu retten. Schnell hat der Fernmeldetechniker (Florian Martens) einen Plan entworfen: Marki soll auf die schiefe Bahn geraten, um in der Mutter Schuldgefühle hervorzurufen, Katinka soll versuchen, den Liebhaber der Mutter zu verführen. Der Erfolg bleibt jedoch aus, schlimmer noch: Die drei Verschwörer geraten in arge Schwierigkeiten. Gelungener Familienfilm von Hermine Huntgeburt („Romeo“).

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