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Fernsehwoche, 20.-26.8. : Das Ewig-Weibliche zieht sie hinan

Nastasja Kinski in Wim Wenders „Paris, Texas” Bild: vox

Um mit ihrer Traumfrau durchzubrennen, lassen die Helden der Fernsehwoche nichts unversucht. Trotzdem enden sie meist tragisch.

          3 Min.

          Die Fernsehwoche ist mit großen, spannenden Filmen so gut bestückt, dass der Postmann sich nicht wundern sollte, wenn er zweimal klingeln muss.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Montag, 20. August, 2001

          ZDF, Drama, 22.15 Uhr: Wenn der Postmann zweimal klingelt

          Die 81er-Verfilmung von James M. Cains mehrfach verfilmtem Roman „The Postman Always Rings Twice“ sorgte damals wegen ihrer Freizügigkeit für Aufsehen: Wenn Jessica Lange auf dem berühmt gewordenen Küchentisch ihre Beine um den schwer atmenden, stier dreinblickenden Jack Nicholson schlingt, verschwimmen die Grenzen zwischen „Method Acting“ und echter Begehrlichkeit. Der Film hat aber noch andere Qualitäten - beeindruckend, wie er es von Anfang an schafft, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln: Das geht nicht gut.

          Dienstag, 21. August

          ARTE, Themenschwerpunkt, 21.40 Uhr: Christoph Marthaler

          Bevor Christoph Marthalers „Was ihr wollt“-Neuinszenierung bei den Salzburger Festspielen aufgeführt wird, kann man sie ab 22.40 Uhr bereits in einer Fernsehinszenierung auf Arte sehen. Echte Marthaler-Verehrer können den Video-Recorder mitschneiden lassen und die Inszenierung dann später nochmal in Zeitlupe anschauen. Wie immer man zu Marthalers Langsamkeit steht - seine Inszenierungen haben in den 90er Jahren unbestreitbar für Innovation auf Deutschen Bühnen gesorgt. Um 21.40 Uhr beginnt ein Porträt über den Regisseur und Chef des Zürcher Schauspielhauses: „Rasender Stillstand - Das Theater des Christoph Marthaler“.

          HR, Kostümkrimi, 0.05 Uhr: Der Kontrakt des Zeichners

          Peter Greenaway bedient in seinem Historienfilm von 1982 geschickt das menschliche Grundbedürfnis nach Bilderrätseln. An 12 Tagen fertigt der Maler Neville 12 Zeichnungen vom Anwesen der Herberts auf Compton Anstey an. Nach Auskunft seiner Auftraggeberin, Mrs. Herbert, sind die Zeichnungen als Geschenk für ihren abwesenden Gatten gedacht. Der weilt allerdings schon längst nicht mehr unter den Lebenden. Der eitle Neville, dem sich Mrs. Herbert auch sexuell erkenntlich zeigt, merkt nicht, dass seine Zeichnungs-Motive allmählich ein Mord-Motiv ergeben, das den Mordverdacht von Mrs. Herbert ablenken soll. Tricky!

          Mittwoch, 22. August

          ARD, TV-Romanze, 20.15 Uhr: Engel sucht Flügel

          Wo soll die junge russische Pianistin Maria (Annett Renneberg) nur einen Flügel herbekommen, auf dem sie für einen internationalen Wettbewerb in Frankfurt üben kann? Kann der Gelegenheitsdieb Hendrik helfen? Hört sich zwar - um im Bild des Titels zu bleiben - nicht sehr erhebend an, aber Julian Weigend (der Neue an Schimmis Seite), Christoph Waltz und Peter Sattmann spielen mit. Und auf die kann man sich in der Regel ja verlassen.

          Donnerstag, 23. August

          ARTE, Themenabend, ab 20.45 Uhr: Polygamie heute

          Was zu Zeiten des Alten Testaments noch üblich war, ist mittlerweile selten geworden. Dennoch gibt es auch heute noch Gesellschaften, in denen die Vielehe an der Tagesordnung ist. Ein Arte-Themenabend wandelt auf den Spuren von „Paschas Erben“ und „polygamen Bäckern“.

          ORB, Thriller, 22.15 Uhr: Die Nacht des Jägers

          Charles Laughton war nicht nur ein großartiger Schauspieler („Der Glöckner von Notre Dame“, „Zeugin der Anklage“), sondern auch ein exzellenter Regisseur, wie er in der „Nacht des Jägers“ bewies. Nie sah man Robert Mitchum wieder so skrupellos, selten hat man eine radikalere Schwarz-Weiß-Kamera gesehen. Man denke nur an die alptraumartige Fluchtszene der Kinder auf dem Fluss. Das ist wahrhaft große Kunst.

          VOX, Roadmovie, 0.05 Uhr: Paris, Texas

          Kurios: Paris liegt in Texas, ein deutscher Film sieht fast so aus wie eine neuere amerikanische Independent-Produktion - und gewinnt auch noch die „Goldene Palme“. In dem Roadmovie von Wim Wenders sucht ein Mann mit Gedächtnisverlust (Harry Dean Stanton), der vier Jahre lang abgetaucht war, seine Frau (Nastassja Kinski), um ein neues Leben mit ihr und seinem Sohn zu beginnen. Travis findet den Sohn wohl auf - Jane jedoch in einem herunter gekommenen Sex-Shop vor. Die Musik zu dem bewegenden Film stammt von Ry Cooder.

          Freitag, 24. August, 2001

          RTL II, Provinzdrama, 20.15 Uhr: Gilbert Grape

          Mit seinem heutigen Image des jugendlichen Liebhabers hat Leonardo DiCaprios Rolle in „Gilbert Grape“ nicht viel zu tun. Hier spielt er den behinderten Bruder von Johnny Depp - und zwar bemerkenswert authentisch. Für seine beeindruckende Vorstellung erhielt DiCaprio eine erste Oscar-Nominierung.

          Samstag, 25. August 2001

          Der Fernseh-Samstag ist besonders unter musikalischen Aspekten reizvoll. Man kann wählen zwischen einer Bayreuther Aufführung der „Meistersinger von Nürnberg“ (musikalische Leitung: Daniel Barenboim), gedacht für all diejenigen, die keine Karte mehr bekommen haben, und einer erst 1996 fertiggestellten Musik-Dokumentation über das „Isle of Wight Festival“ von 1970, das für die Organisatoren zum Desaster wurde, obwohl Jimi Hendrix, Miles Davis, The Who, The Doors und viele andere Stars auftraten.

          Sonntag, 26. August 2001

          Der Football-Spieler Terry Brogan (Jeff Bridges) ist pleite, sein Verein hat ihn gefeuert. Das Angebot des Bar-Besitzers Jake Wise kommt ihm da gerade recht: Er soll dessen Freundin, Jessie Wyler, suchen, die sich mit 50.000 Dollar aus dem Staub gemacht hat. Jake findet Jessie (Rachel Ward) in Mexiko, verliebt sich in sie und beginnt eine Affäre mit ihr, die dazu führt, dass Wise beide von einem Killer verfolgen lässt. Für den Titelsong („Against All Odds“ - kürzlich von Mariah Carey nachgehaucht) erhielt Phil Collins eine Oscar-Nominierung.

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