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Fernsehwoche, 2.-8. Juli : Non-Fiction und Pure-Fiction mit Orson Welles

Ist das wirklich Orson Welles - oder bloß eine Täuschung? Bild: dpa

Die aktuelle Fernsehwoche widmet sich verstärkt der Gattung „Dokumentation“, dem neuen Lieblingskind deutscher Sender.

          2 Min.

          Die Dokumentation - in Fachkreisen Non-Fiction genannt - ist im Kommen. Das wurde auf dem diesjährigen Film- und Fernsehfest „Cologne Conference & Screenings“ deutlich, auf dem seit zwei Jahren auch ein Non-Fiction-Wettbewerb ausgetragen wird.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Vorteil der Non-Fiction gegenüber der Fiction liegt auf der Hand: Sie ist durchschnittlich nur ein Zehntel so teuer und hat häufig annähernd so viele Zuschauer wie gute Fiction. Selbst RTL will im nächsten Jahr eine hauseigene Dokumentation zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ausstrahlen.

          Montag, 2. Juli

          ARTE, Drama, 20.45 Uhr: Citizen Kane

          Einer, wenn nicht der wichtigste Film aller Zeiten, gedreht vom erst 25 Jahre alten Orson Welles. Wichtig, weil er vollkommen neue Kameraeinstellungen und zahlreiche weitere formale Mittel in die Filmgeschichte einführte. Wer kennt sie nicht, die überblendeten durcheinanderwirbelnden Zeitungen? Orson Welles hat sie erfunden. Beeindruckend, wie natürlich er Citizen Kane in verschiedenen Lebensaltern spielt. ARTE zeigt eine restaurierte Fassung des Klassikers.

          3SAT, Porträt, 22.25 Uhr: Kinomagazin: Errol Morris

          Errol Morris („Eine kurze Geschichte der Zeit“), von dem auf der diesjährigen „Cologne Conference“ eine Werkschau zu sehen war, wird in diesem Film von Peter Kremski porträtiert.

          Dienstag, 3. Juli

          ARTE, Themenabend, ab 22.25 Uhr: Algerai - Die Musik des Widerstands

          In Algerien ist seit Jahren der Teufel los: Bürgerkrieg und Terror prägen den Alltag. Bekämpft wird auch die Musikrichtung Rai, mit der sich vor allem junge Menschen identifizieren. Rai ist aber nicht nur Musik des Widerstands, sondern auch Ausdruck der Lebensfreude, die freilich im Algerien dieser Tage auch eine Form von Protest ist. Der Themenabend widmet sich in einzelnen Beiträgen den Wurzeln, berühmten Interpreten des Rai und dem Schicksal eines Rai-Fans.

          Mittwoch, 4. Juli

          ARTE, Reportage, 20.15 Uhr: Kubanische Träume

          Reportage über eine kubanische Prostituierte, die die Behörden schmieren muss, um ihrem in Kuba unter Strafe stehenden Gewerbe nachgehen zu können.

          ARD, Dokumentation, 21.45 Uhr: Warum vergewaltigen Männer?

          Auf die titelgebende Frage werden in Gesprächen mit Tätern, Opfern und Experten Antworten gesucht.

          Donnerstag, 5. Juli

          SW, Drama, 22.15 Uhr: Jenseits der Stille

          Ein deutscher Film, der in den 90er Jahren vom Himmel gefallen zu sein schien. Mitten im deutschen Komödien-Boom drehte Caroline Link diesen sensiblen, ersthaften und manchmal auch komischen Film über eine musikalische junge Frau mit taubstummen Eltern. Die Darsteller sind allesamt Entdeckungen, das Drama wurde für den Auslands-Oscar nominiert.

          Freitag, 6. Juli

          ARTE, Filmessay, 22.20 Uhr: F wie Fälschung

          Orson Welles, der Meister der filmischen Täuschung, lässt in diesem Filmessay die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmen. Im Jahre 1938 war es dem begnadeten Lügner in einer Radio-Inszenierung ja sogar einmal gelungen, den amerikanischen Hörern die Landung von Außerirdischen vorzugaukeln.

          Um 20.15 Uhr beginnt auf 3SAT eine Dokumentations-Reihe zum Thema „Das Tier Mensch“, im ZDF startet um 21.15 Uhr eine Dokumentations-Soap mit dem Titel „Im Netz der Mordkommission“.

          Nicht verpassen, wenigstens aufnehmen sollte man: „Polizeiruf 110: Bullerjahn“ mit Kurt Böwe, Uwe Steimle und Jörg Gudzuhn. Diese Folge muss man einfach auf Video haben.

          Samstag, 7. Juli

          ORB, Kostümdrama, 22.35 Uhr: Eine Liebe von Swann

          Proust gilt zwar landläufig als unverfilmbar, Literaturverfilmungs-Spezialist Volker Schlöndorf gibt man aber gern eine Chance. Auch wenn das Ergebnis nur bedingt etwas mit Prousts „Recherche“ zu tun hat, sieht man ein tolles Ensemble aufspielen: Jeremy Irons, Fanny Ardant, Ornella Muti, Alain Delon.

          Sonntag, 8. Juli

          ARD, Krimi, 20.15 Uhr: Tatort: Der lange Arm des Zufalls

          Wieder einmal lautet der Tipp für den Sonntag: Tatort. Ein Geschäftsmann scheint sein eigenes Geld geraubt haben. Es gab Tote. Zweiter Fall des Berliner Teams: Boris Aljinovic und Dominic Raacke.

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