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Fernsehwoche, 2.-8.11. : Im toten Winkel

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Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen. Behende bewegt er sich über den Dächern von Hongkong. Für die Polizei legt er falsche Fährten. Die Verfolger stolpern über Bomben, die nicht zünden, sie verirren sich in den Innereien eines Hochhauses und haben vor allem intellektuell das Nachsehen: Der glamouröse Verbrecher Wah (Andy Lau) ist immer einen Gedanken voraus. Die Scharaden haben ein tragisches Motiv: Wah stirbt langsam. Der Hollywood-Film fungiert gleichwohl nicht im strengen Sinn als Vorbild, eher als Wahlverwandtschaft in Johnnie Tos Hongkong-Film, der eine Reihe bekannter Genre-Motive verwendet, sie aber mit typischen Verfahrensweisen des Hongkong-Kinos verändert: Die Geschichte vom sterbenden Racheengel wird romantisch überhöht und visuell intensiviert. „Running Out of Time“ ist ein Produkt des politischen Übergangs in Hongkong, stark nach Formel gearbeitet, aber nicht ohne Anspielungen auf die Aktualitäten.

Donnerstag, 7. November

Pro Sieben, Thriller, 20.15 Uhr: Der Morgen nach dem Tod

Tom Cruise in „Minority Report“ sieht beim Blick in die Zukunft, wie er zum Mörder wird. Gregor Törsz in diesem Pro-Sieben-Film von Sibylle Tafel sieht bei einer Vision, wie er ermordet wird - am 11.11. soll es soweit sein. Ob es sich nur um einen Karnevalsscherz handelt?

Arte, Road Movie, 20.45 Uhr: Félix

Der Film von Olivier Ducastel und Jacques Martineau nimmt für sich ein mit der lockeren Beiläufigkeit, in der Lebensumstände, Hoffnungen und Befürchtungen der Figuren skizziert werden. Félix, der seinem letzten Tag als Barmann auf einem Schiff entgegenfährt, verliert seine Arbeit, doch dass deshalb der kleinste Schatten auf sein Leben fällt, lässt der junge Mann nicht zu. Arbeitslos zu sein ist für ihn, der seiner Herkunft die dunklere Hautfarbe und das gekrauste, ganz kurz geschnittene Haar verdankt, ebenso normal wie diese arabischen Wurzeln oder seine homosexuelle Veranlagung. Aufgebrochen, einen Vater zu treffen, den er natürlich niemals finden wird, phantasiert sich Félix auf seiner Tour aus zufälligen Reisegefährten auf Zeit eine Familie zusammen, wie sie ihm nicht unwillkommen wäre. In diesen Begegnungen entwickelt der Film eine menschliche Wärme, die das Wie-von-Ungefähr zur entscheidenden Triebfeder macht. Der Rest ist Schweifen.

ARD, Tragikomödie, 23 Uhr: Tuvalu

Handlung, Bild und Ton des mal blau, mal braun eingefärbten Schwarzweißfilms halten sich von authentischen Verpflichtungen konsequent frei, und wer auf diesen Stil sich einlassen kann, wird keine Minute Langeweile empfinden. Der junge Regisseur Veit Helmer hält das gewählte Stilprinzip mit schönem, zuweilen etwas additiv wirkendem Einfallsreichtum von Anfang bis Ende durch. Sein Held ist Anton (Denis Lavant), der so gern Kapitän wäre, tatsächlich aber das heruntergekommene Hallenbad seines Vaters instandhält. Dann verliebt er sich in die junge Eva.

Freitag, 8. November

ARD, Doku, 21.45 Uhr: Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin

Zwei Geschichten hat Traudl Junge, Hitlers Sekretärin, kurz vor ihrem Tod der Kamera von André Heller und Othmar Schmiderer erzählt: die Geschichte, die sie erlebt hat, und die Geschichte, die Ergebnis ihres Nachdenkens ist. Ganz selbstverständlich spricht Frau Junge von ihrer „Vergangenheitsbewältigung“. „Die Bücher“ haben sie verstehen lassen, was sie erlebt hat. So steht nun neben der erlebten Geschichte die verstandene, in der kein „gemütlicher älterer Herr“ der Hauptdarsteller ist, sondern ein „Verbrecher“. Bisweilen treten die beiden Geschichten auseinander. „Gott sei Dank“ habe sie die Stelle bekommen - und fällt sich dann selbst ins Wort: „oder vielleicht leider“. Die Bücher haben ihr vor Augen geführt, dass sie nicht für sich reklamieren kann, was die Jungfrau definiert: die Unschuld. Dass sie „unbefangen gelebt“ hat, macht sie sich zum Vorwurf.

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