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Fernsehwoche, 14.-20. Mai : Hinter Gittern

Kommende Woche steht das Fernsehen ganz im Zeichen von Todesstrafe und Geburtstagen. Einige Klassiker sollte man nicht verpassen.

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          Die Fernsehwoche vom 13. bis zum 20. Mai 2001 steht im Bann der - wegen unterschlagenen Beweismaterials wieder ungewiss gewordenen - McVeigh-Hinrichtung, die für den 16. Mai 2001 angesetzt war. Auf der anderen Seite geben Geburtstage Anlass zu Programmschwerpunkten.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          MONTAG

          SW, Reportage, 21.45 Uhr: Todespritze live?

          Kommenden Mittwoch soll Timothy McVeigh, der Attentäter von Oklahoma (168 Opfer), mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Er wünscht sich eine Liveübertragung in alle Welt, ein Wunsch den ihm zahlreiche Medien gern erfüllen würden. Die Reportage erfasst die Stimmung in den Vereinigten Staaten vor der Hinrichtung.

          ARTE, Krimi, 22.40 Uhr: Zwei Männer in Manhattan

          Regisseur Jean-Pierre Melville hat nur einen Film in den Vereinigten Staaten gedreht. Er handelt von zwei Reportern in New York. Entstanden ist ein Porträt Manhattans in den 50er Jahren: Neonleuchtreklamen, lange Schatten, gelegentlich ein Kamera-Blitzlicht. Der Film ist schwarzweiß wie Woody Allens Klassiker; bei Melville aber überwiegt eindeutig das „Noir“.

          DIENSTAG

          ARTE, Themenabend, ab 21.45 Uhr: „Gag-Genie und Slapstick-Star - Buster Keaton“

          Ohne eine Miene zu verziehen, trotzt Buster Keaton in seinen Filmen den Fährnissen des Alltags. In dem Stummfilmklassiker „Steamboat Bill Jr.“ (ab 21.47 Uhr) ist es ein heruntergekommener Mississippi-Dampfer, der ihm bei einem Orkan beinahe um die Ohren fliegt. Keaton bleibt standhaft und rettet am Schluss sogar seine Angebetete. Im Leben hatte Keaton weniger Glück, bei MGM unterschrieb er einen Knebelvertrag und flüchtete in späten Jahren frustriert in den Alkohol. Die Doku ab 22.55 Uhr erhielt zwei Emmys.

          ZDF, Dokumentation, 22.45 Uhr: Die Geldmacher - Wie kommt der Euro unters Volk?

          Der Euro kommt, am 1. Januar 2002. Aber wie kommt er unters Volk? Dafür darf man sich jetzt schon interessieren. Erstmals geht den mit der Einführung verbundenen logistischen Problemen ein Kamerateam unter Federführung von Uli Röhm auf den Grund. Allzu neugierige Recherchen waren jedoch verboten, denn es gilt die höchste Sicherheitsstufe. Schließlich soll den in den Startlöchern stehenden Fälschern das Leben nicht allzu leicht gemacht werden.

          MITTWOCH

          RTL, Drama, 20.15 Uhr: Todesstrafe - Ein Deutscher hinter Gittern

          Böse Zungen behaupten, die Mehrheit der RTL-Produktionen spielten im Knast. So auch dieses Filmdrama mit Jan Josef Liefers, eine Produktion, die ausnahmsweise einem aktuellen Informationsinteresse entgegen kommt - dem an der geplanten Hinrichtung McVeighs. Im Jahr 2000 warteten 3.700 Todeskandidaten in amerikanischen Gefängnissen auf die Todesspritze, darunter zwei Deutsche.

          BR, Drama, 23.40 Uhr: Der kleine Gangster

          Eine halbe Stunde lang bedroht der „kleine Gangster“ Marc (15) einen Polizisten mit einer Waffe. In diesem Zeitraum kommen sich die beiden auf bemerkenswerte Weise näher. Wie das geschieht kann man mit Worten allein nur schwer ausdrücken. Regisseuer Doillon, der seine Darsteller gerne improvisieren lässt, versucht es auch gar nicht. Blicke und stumme Gesten stehen in seinem Drama von 1990 im Mittelpunkt. Für den „Figaro“ war „Der kleine Gangster“ Doillons bester Film, er wurde mehrfach ausgezeichnet.

          DONNERSTAG

          HR, Krimi, 22.30 Uhr: Tod auf dem Nil

          Hätte Agatha Christie Peter Ustinov den Hercule Poirot auf den Leib geschrieben, wenn sie ihn gekannt hätte? Egal, Ustinov verschmilzt auch so mit der Rolle. Dem Film liegt eine glänzende Ensembleleistung zugrunde, die man im Umkreis des Ustinov-Geburtstags nicht verpassen sollte. Schade, dass der Film nicht untertitelt ist. So versäumt man das unnachahmlich trockene „wrongy!“, mit dem Bette Davis das „righty?“ eines nur des Pidgeon-English mächtigen ägyptischen Schiffskapitäns erwidert. Einen Oscar gab es für die Kostüme.

          ZDF, Western-Ballade, 0.15 Uhr: Mad Dog - Der Rebell

          Dennis Hopper, der in den 60er Jahren wohl als letzter damit gerechnet hatte, dieses Alter zu erreichen, wird 65. Zu diesem Anlass strahlt das ZDF eine Westernballade aus dem Jahre 1975 aus. Mad Dog ist übrigens der australische Robin Hood.

          FREITAG

          WDR, Dokumentation, 23 Uhr: Italiens blutiges Staatsgeheimnis

          Zwischen 1969 und 1984 kamen in Italien bei Bombenattentaten 200 Frauen, Männer und Kinder ums Leben, beinahe 500 wurden verletzt. Die Hintermänner wurden nie gefunden, Spuren wurden verwischt. Literaturnobelpreisträger Dario Fo drängt zusammen mit anderen italienischen Intellektuellen zur Aufklärung.

          SAMSTAG

          3SAT, Porträt, 19.20 Uhr: Foyer Extra

          Mein Gott, Peter Zadek wird schon 75! Seine Inszenierungen aber sind immer noch auf so unnachahmliche Art beschwingt und alterslos. Die Doku widmet sich den Bühnenfiguren, die Zadek bevorzugt beschäftigt haben. Berufliche und private Weggefährten kommen zu Wort. Ab 20.15 Uhr zeigt 3sat Zadeks gefeierte Wiener „Rosmersholm“-Inszenierung, mit Angela Winkler und Gerd Voss.

          BR, 22 Uhr: Die große Ausstellung

          „Troja - Traum und Wirklichkeit“. Anlässlich der aktuellen Stuttgarter Ausstellung beschäftigt sich die Dokumentation mit dem Mythos der antiken Stadt.

          SONNTAG

          ARTE, Themenabend, 20.45: Themenabend Isabelle Huppert

          Sollen sich die anderen den Kopf darüber zerbrechen, ob sie wieder mal „Forrest Gump“ oder „Basic Instinct“ gucken, wir folgen den Verwandlungen Isabelle Hupperts im Dreierpack. Nach dem Spielfilm „Frauensache“ (die Huppert als „Engelmacherin“) folgt ein Porträt, anschließend dann ein Projekt von Wilson und Huppert.

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          Showdown in Sachsen-Anhalt : Heiliger Rundfunkbeitrag

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          Jan Wagner: „sarajewo“

          Frankfurter Anthologie : Jan Wagner: „sarajewo“

          Ein sanfter Blick zurück auf schreckliches Geschehen: Ein Gedicht des Büchnerpeisträgers Jan Wagner, 25 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica.

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