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Fernsehserie „House of Cards“ : Der Haifisch liebt das Blut

Über die dritte wird noch orakelt, eine Bemerkung, die Kevin Spacey dieser Tage bei einer Diskussion zu Politik und Ethik an der Georgetown University in Washington machte, es werde in dieser Sache in wenigen Wochen irgendetwas verkündet werden, interpretieren Fans der Serie als gutes Omen für eine Fortsetzung. Auf die dann auch Sat.1 ein Auge werfen dürfte, der Sender, der „House of Cards“ an diesem Sonntag ins hiesige, frei empfangbare Fernsehen bringt. Dass Sat.1 daran festhält, Qualitätsserien zu zeigen, auch wenn sie, wie etwa das gerade pausierende „Homeland“, nicht für Zuschauermassen sorgen, darf man dem Sender hoch anrechnen, im Schwesterspartenkanal Pro Sieben Maxx läuft „House of Cards“ zudem im Original mit Untertiteln. (An der deutschen Synchronisation, bei der Till Hagen die Rolle von Kevin Spacey spricht, gibt es aber gar nichts auszusetzen.)

Nicht nur die Anzüge und der Cognac sind von bester Qualität: „House of Cards“ bietet intelligentes Unterhaltungsfernsehen mit einem erstklassigen Cast
Nicht nur die Anzüge und der Cognac sind von bester Qualität: „House of Cards“ bietet intelligentes Unterhaltungsfernsehen mit einem erstklassigen Cast : Bild: Sat.1/MRC II Distribution

Dass „House of Cards“ den Reigen bestechender amerikanischer Serien fortsetzt, hat Gründe. Es ist nicht nur der Aufwand, den sich die hiesigen Sender angeblich nicht leisten können (auch wenn ARD und ZDF Milliarden-Budgets verfuttern). Es geht um Akribie und Expertise. Für diese sorgt bei „House of Cards“ der Autor und Dramatiker Beau Willimon, der für die Senatskampagne von Hillary Clinton und die Präsidentschaftskampagne von Howard Dean gearbeitet hat. Er hat die Vorlage, die gleichnamige BBC-Serie von 1990, die nach dem Buch „Ein Kartenhaus“ des früheren Thatcher-Mitarbeiters Michael Dobbs gestaltet wurde, auf amerikanische Verhältnisse getrimmt, die international verstanden werden.

Die Dritte im Bunde

Der Produzent und Regisseur David Fincher, der über reichlich Kinoerfahrung verfügt („Panic Room“, „Social Network“), versteht sich auf den richtigen Rhythmus, auf das gleichzeitige Erzählen einer großen und vieler kleinen Geschichten und auf die Führung der Schauspieler. Denen man wiederum anmerkt, dass sie in hundertsechzig Drehtagen zu einer verschworenen Truppe geworden sind. Robin Wright („Es ist ein einziges Theater der Korruption, Gier und Lügen“) als Claire und Kevin Spacey als Francis Underwood werfen sich die Bälle zu, da sitzt jede Zeile. Kate Mara ist als Reporterin Zoe Barnes die Dritte in diesem Bunde, noch nicht so eiskalt wie Mrs. und Mr. Underwood, aber ebenso ehrgeizig und zunehmend ohne Skrupel - ein Lehrling im Hause Macbeth sozusagen.

Vor dem Bild mit den beiden Ruderern: Underwood macht die junge Reporterin Zoe Barnes (Kate Mara) zu seiner Komplizin.
Vor dem Bild mit den beiden Ruderern: Underwood macht die junge Reporterin Zoe Barnes (Kate Mara) zu seiner Komplizin. : Bild: Sat.1/MRC II Distribution

Und sie lernt schnell. Legt den Push-up-BH an und das Dekolleté tiefer, stakst nächtens ins Wohnzimmer der Underwoods, genießt ihren Aufstieg in der Zeitung, während Frank das Rad seiner großen Verschwörung dreht, für die er noch mehr Leute einspannt, Gesetze stoppt, Karrieren einfädelt und beendet, alles zur höheren Ehre seines unaufhaltsamen Aufstiegs, dem ja nur ein amerikanischer Präsident im Weg steht. Noch.

„Wir sitzen jetzt im selben Boot, Zoe“, sagt Frank seiner nägelkauenden neuen Machtgeschäftspartnerin. Er hat sie zur Übergabe der Geheimpapiere ins Museum bestellt, sie sitzen vor dem Gemälde von Thomas Eakins, „Biglin Brothers Racing“ (1872), das zwei Ruderer zeigt. „Bringen Sie es nicht zum Kentern. Ich kann nur einen von uns vorm Ertrinken retten.“ Es ist keine Frage, wen Frank retten würde.

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