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Fernsehserie „House of Cards“ : Der Haifisch liebt das Blut

Transparenz mal anders

Und wir, die Zuschauer, spielen von Beginn an mit. Weil Frank uns ins Vertrauen zieht. Kevin Spacey, der ihn mit diabolischer Inbrunst spielt, wendet sich dann und wann direkt in die Kamera. Er spaziert durch die Szenerie, schüttelt da eine Hand, macht hier ein Kompliment, gibt Kommandos, spinnt seine Fäden und kommentiert das Ganze für uns. Daran habe er sich selbst erst gewöhnen müssen, sagte der Schauspieler im Gespräch mit dieser Zeitung (F.A.Z. vom 2. Februar), doch habe er dabei den Blick der Theaterzuschauer vor sich, die er, wie es an dieser Stelle hieß, in Shakespeares Richard III. auf der Bühne in seine Machenschaften einweihe.

Das habe ihn auf die Idee gebracht, mit den Zuschauern wie mit einem guten Freund zu reden. Und so macht er es auch: Nur zu uns ist er ehrlich, vor uns hat er keine Geheimnisse, wir sind seine Mitverschwörer. Das hat bösen Witz und Ironie, Tempo und Kraft. „House of Cards“ gibt von der ersten Minute an Vollgas, die Dialoge sind gestochen scharf, das ist Theater und Kino im Fernsehen in einem.

Durch die vierte Wand: Spricht Frank Underwood mit seinem Telefonpartner oder mit den Zuschauern?
Durch die vierte Wand: Spricht Frank Underwood mit seinem Telefonpartner oder mit den Zuschauern? : Bild: Sat.1/MRC II Distribution

Und das Internet spielt auch noch eine Rolle. Denn „House of Cards“ ist nicht einfach eine Spitzen-Serie, hinter der eine kreative Kraft, ein Hintergrundwissen und ein versiertes Team steckt, wie man es hiesigen Reihen nur wünschen kann (aber doch nicht angeboten bekommt). Es ist das Werk, mit dem die Online-Plattform Netflix - neben der Serie „Lilyhammer“ - das klassische Fernsehen herausfordert, insbesondere den Qualitätssender HBO. Sechzig Millionen Dollar hat die erste „House of Cards“-Staffel von dreizehn Folgen angeblich gekostet; die zweite, ebenso lange Staffel wurde gleich mit beauftragt, für dann insgesamt hundert Millionen Dollar.

Ins Netz, für die Abonnenten zum Abruf, hat Netflix die Episoden im vergangenen Frühjahr auf einen Schlag gestellt. „Wir haben gezeigt, dass wir die Lektion gelernt haben, welche die Musikindustrie nicht gelernt hat“, sagte der Hauptdarsteller Kevin Spacey: „Gebt den Leuten, was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, in der sie es wollen und das zu einem vernünftigen Preis. Dann werden sie es lieber kaufen wollen, als es zu stehlen.“ Er hat damit das Credo der weltweit immer größer werdenden Serien-Fangemeinde formuliert.

Qualität statt Quoten

Und Netflix lässt nicht nach, steigert seine Abonnentenzahl auf angeblich vierzig Millionen und formuliert einen großen Anspruch: „Das Ziel ist, schneller zu HBO zu werden, als HBO sich in uns verwandeln kann.“ Mit der Gefängnisserie „Orange is the New Black“ hat der Streamingdienst denn auch sogleich die nächste Tat folgen lassen. Drei Emmys - die amerikanischen Fernseh-Oscars - gab es für „House of Cards“ in diesem Sommer, für die Regie von David Fincher, für das Schauspielerensemble und die Kamera. Die zweite Staffel hat Netflix für den 7. Februar 2014 terminiert. Sie wird bei uns im Abofernsehen beim Sender Sky laufen, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, mit neuen Serien postwendend nach deren amerikanischem Start loszulegen.

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