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Fernsehserie für Kinder : Batman ist jetzt eine pakistanische Muslima

  • -Aktualisiert am

Mit der Dame in Schwarz sollte man sich besser nicht anlegen: „Burka Avenger“ kämpft für eine gerechte Welt Bild: dpa

Im pakistanischen Fernsehen gibt es die erste animierte Superheldin. Und die ist ausgerechnet verhüllt. Religiösen Eiferern aber bereitet „Burka Avenger“ keine Freude. Im Gegenteil.

          In Pakistan sorgt eine Animationsserie für Furore. Beim jungen Publikum findet sie großen Zuspruch, und sie wird politisch ernst genommen, ist ebenso professionell gemacht wie der Kritik ausgesetzt. Was kein Wunder ist. Der Titel fordert die Aufmerksamkeit heraus, und es geht um ein Thema, das in einem muslimischen Land wie Pakistan von zentraler Bedeutung ist - um die Rechte der Frauen, um das Recht der Mädchen (und aller Kinder) auf Bildung. Dafür setzt sich die Heldin von „Burka Avenger“ ein.

          Die Heldin, das ist Jiya, die in ihrem zivilen Leben ihrem Brotberuf als Lehrerin in der idyllisch animierten pakistanischen Provinz nachgeht. Ihr persönlicher Hintergrund entspricht dem anderer Superhelden: Sie verlor ihre Familie, wurde adoptiert und von ihrem Pflegevater in einer Kampfkunst unterwiesen, die es ihr erlaubt, ihre Gegner schachmatt zu setzen, ohne dafür grobe Gewalt auszuüben. Als „Burka Avenger“ benötigt sie dazu nur Füllfederhalter und Bücher, die Insignien einer Lehrerin führt sie also auch als Superheldin mit sich.

          Keine übergestülpte Burka, stattdessen ein Superheldinnen-Kostüm

          Während Jiya im zivilen Leben unverhüllt lebt und arbeitet und die Kinder Immu, Mooli und Ashu mit „mildem Temperament“, so die Eingangserzählung, dazu anhält, die Schule zu besuchen, begnügt sich die Serie nicht damit, eine Frau als Heldin in den Mittelpunkt zu rücken. Es geht um Grundsätzliches. Und die Burka, die Jiya als „Burka Avenger“ trägt, wird ihr nicht übergestülpt, sie wirft sie sich selbst über, nur ihre Augen und lackierten Fingernägel bleiben sichtbar. Eine echte „Burka“ ist das nicht, vielmehr das eng anliegende Kostüm eines weiblichen Batman, mit dem Jiya fast fliegen kann.

          Über diese Figur und die Tatsache, dass sie verhüllt ist, haben sich Feministinnen und religiöse Führer gleichermaßen echauffiert. Die einen argumentieren, die Würde der Frau sei verletzt, indem das Tragen einer Burka glorifiziert werde. Konservative Muslime meinen im Gegenzug, die Würde der Burka werde verletzt. Beides ist ein Missverständnis.

          Nach der Pressekonferenz zu „Burka Avenger“ posiert Haroon, rechts im Bild zu sehen, mit seinem Team, das die Animationsserie realisiert hat.

          Initiator der Serie „Burka Avenger“ (die eingangs ein wenig an „Waltz with Bashir“ erinnert) ist Haroon Rashid, ein bekannter pakistanischer Popstar, der in Großbritannien geboren wurde und in Amerika studiert hat. Ihm geht es, wie er in verschiedenen Interviews sagte, um die elementare Bedeutung von Bildung und Erziehung: „Jede Episode hat eine bestimmte Moral, eine soziale Botschaft, die die Kinder erreichen soll.“ Und: „Es soll nicht um das Geschlecht der Heldin gehen, sondern um ihre Taten.“

          Schon in der ersten Folge geht es zur Sache - eine Schule für Mädchen soll geschlossen werden. Zwei Bösewichte paktieren miteinander, die unverhüllt als Anspielung auf real existierende Figuren zu erkennen sind: Da gibt es den geldgierigen, korrupten Bürokraten, der in seine eigene Tasche wirtschaftet und fragt, weshalb Mädchen überhaupt zur Schule gehen sollen. Er heuert einen Magier an, der unschwer als Taliban-Charakter zu erkennen ist (und auch noch schlecht riecht). Für den ist es gar keine Frage, dass Mädchen in der Schule nichts zu suchen haben: Bildung für Mädchen sei moralisch verwerflich.

          „Burka Avenger“ als fiktionale Schwester im Geiste Malala Yousafzais

          Das Schulmädchen Ashu tritt den Schurken entgegen und fordert ihr Recht auf Bildung ein. Die Mädchen seien zudem die Mütter von morgen und könnten ihrem Nachwuchs nur etwas beibringen, wenn sie selbst keine Analphabetinnen seien. Und schon fliegt „Burka Avenger“ ein, schleudert ein Buch und einen Füllfederhalter und wendet sich direkt an ihr Publikum: Bildung sei das beste Mittel gegen Elend, ob man nun ein Junge oder ein Mädchen sei. Diese Botschaft transportieren am Ende von Folge eins auch das gezeichnete Pendant des Sängers und Produzenten Haroon und der Rapper Adil Omer.

          In Wirklichkeit würden die Bösewichte aus „Burka Avenger“ wohl nicht so leicht von Jiya und den Kindern in die (vorläufige) Flucht geschlagen. Das zeigt allein der Fall der jungen Malala Yousafzai. Die Fünfzehnjährige wurde von den Taliban in den Kopf geschossen, weil sie öffentlich gegen soziale Missstände, insbesondere die Gewalt gegen pakistanische Schulmädchen, protestiert hatte. Ihr Fall bewegte die ganze Welt. Mit „Burka Avenger“ bekommt die Heldin in der Realität nun gewissermaßen eine fiktionale Schwester im Geiste. Auf Youtube, wo eine englisch untertitelte Fassung der ersten Folge der Serie läuft, kann sich jeder davon überzeugen.

          Die Serie „Burka Avenger“ läuft in Pakistan seit Ende Juli bei dem populären Sender Geo Tez. Die Originalsprache ist Urdu, die erste Episode von „Burka Avenger“ ist inzwischen jedoch auch, mit englischen Untertiteln versehen, bei Youtube verfügbar, weitere Episoden sollen folgen.

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