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Fernsehpreis : Mehr Gold in Marl: Das Grimme-Institut verleiht vierten Preis in Gold

  • Aktualisiert am

Hans W. Geißendörfer, geistiger Vater der „Lindenstraße” Bild: dpa

Hans W. Geißendörfer hat den Grimme-Preis bekommen - insgesamt gab es in diesem Jahr vier mal Gold für Fernsehfilme.

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          Da haben Mutter Beimer, Penner Harry und all ihre Freunde etwas zu feiern: Hans W. Geißendörfer, Erfinder und Produzent der „Lindenstraße“, erhält den Adolf-Grimme-Preis in Gold.

          Geißendörfer wird damit für die nach Ansicht der Jury „erfolgreichste und am längsten laufende Weekly im deutschen Fernsehen“ ausgezeichnet. So das Grimme-Institut an diesem Donnerstag bei der Bekanntgabe der Preisträger 2001 in Köln.

          Mehr Gold

          So viel Gold gab es bei den Grimme-Preisen noch nie. Erstmals in der Geschichte der deutschen „Fernseh-Oscars“ vergibt das Adolf-Grimme-Institut in diesem Jahr vier Auszeichnungen in Gold - allesamt an Produktionen des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Als einziger privater Sender kam ProSieben mit dem Polit-Thriller „Das Phantom“ zum Zuge.

          Für das WDR-Fernsehspiel „Die Polizistin“ erhalten Regisseur Andreas Dresen, Drehbuchautorin Laila Stieler sowie die Hauptdarsteller Gabriela Maria Schmeide und Axel Prahl eine goldene Trophäe in der Kategorie „Fiktion & Unterhaltung“. Der aus Israel stammende Filmemacher Eyal Sivan erhält einen Grimme-Preis in Gold für seine Dokumentation „Ein Spezialist“ über den Eichmann-Prozess in Israel, für die er 350 Stunden Filmaufnahmen aus dem Gerichtssaal auswertete. Das Psychogramm eines mörderischen Bürokraten wertete die Jury als ein „kleines Meisterwerk“.

          Das vierte Gold ging an Thomas Giefer für Buch und Regie des Dokumentarfilms „Politische Morde: Mord im Kolonialstil“. Den Beitrag über die Ermordung des kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba vor 40 Jahren nannte die Jury „ein atemberaubendes, ein überragendes Stück der Aufklärung“.

          Mehr Unterhaltung

          Dass auch die Lindenstraße einen Preis erhielt, war für die Jury ein Schritt in eine neue Richtung: „Die Auszeichnung für Geißendörfer und seine Lindenstraße zeigt, dass sich der Grimme-Preis mehr der Unterhaltung zuwendet als in den vergangenen Jahren“, sagte Hans Paukens, Geschäftsführer des Grimme- Instituts. „Das Fernsehen ändert sich und damit natürlich auch der Preis.“

          Trotz der allgemein zu beobachtenden Trivialisierung des Fernsehens habe sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass es auch im Bereich Unterhaltung noch herausragende Produktionen gebe. Gerade der WDR habe als größter Produzent im Land Spitzenleistungen gebracht.

          Mehr Privates

          Der Preis für den Polit-Thriller „Das Phantom“ von ProSieben zeige, dass die privaten Sender im Bereich Fernsehspiel und TV-Movie auch „oben mitspielen“, so Geschäftsführer Paukens. Der Grimme-Preis dafür geht an den Regisseur Dennis Gansel und den Hauptdarsteller Jürgen Vogel. Vogel und seine Schauspielkollegin Nadeshda Brennicke können sich zugleich über den Publikumspreis der „Marler Gruppe“ freuen.

          Die „große Dame“ unter den deutschen Schauspielerinnen, Christiane Hörbiger (62), erhält einen Grimme-Preis für ihre Leistungen in Filmen wie „Die Schwiegermutter“ (ZDF), „Julia - Eine ungewöhnliche Frau“ (SR), „Schimanski muss leiden“ (WDR). Die „besondere Ehrung“ für Persönlichkeiten, die sich um das Fernsehen verdient gemacht haben, geht in diesem Jahr an Gunther Witte, den ehemaligen Leiter des Fernsehspiels des WDR, für seine Verdienste um die Krimireihe „Tatort“.

          Mehr Geschichte

          Gleich drei Mal kommen ZDF-Filme im Wettbewerb „Fiktion & Unterhaltung“ zum Zuge: Fatih Akin mit seinem Debütfilm „Kurz und schmerzlos“, für den auch die Darsteller Mehmet Kurtulus, Aleksandar Jovanovic und Adam Bousdoukos geehrt werden.

          Für das Buch und die Regie von „Paul is dead“ erhält Hendrik Handloegten einen Grimme- Preis. Bei „Wege in der Nacht“, einem filmischen Rekurs auf die deutsch-deutsche Geschichte nach dem Mauerfall, geht die Trophäe an Andreas Kleinert für die Regie, Jürgen Jürges für die Kameraführung sowie an die Hauptdarsteller Hilmar Thate und Cornelia Schmaus.

          Von den 716 für den diesjährigen Grimme-Wettbewerb eingereichten Fernsehproduktionen waren 56 nominiert worden, wobei die öffentlich-rechtlichen Sender wie in den Vorjahren ihren Spitzenplatz behauptet hatten. Kamen die Privaten im Vorjahr noch auf acht Nominierungen, waren es diesmal nur noch zwei. Überreicht werden die Grimme-Preise 2001 am 23. März im Theater Marl.

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