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„Zwei Weihnachtsmänner“ im Fernsehen : Deutschland, ein Winterpärchen

Bastian Pastewka (l.) und Christoph Maria Herbst in „Zwei Weihnachtsmänner” Bild: Sat.1

Zwei Männer im verzweifelt-komischen Kampf gegen die Zeit und das Wetter: In dem Film „Zwei Weihnachtsmänner“ schickt Sat.1 Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst auf den Spuren Steve Martins und John Candys durch Osteuropa.

          2 Min.

          Zeit und Wetter sind die Gegner, die dem Menschen im Bestreben, sich die Welt untertan zu machen, den härtesten Widerstand leisten. So vermag bis heute binnen Sekunden ein heftiger Regenguss das moderne Großstadtleben weitgehend lahmzulegen. Die Zeit wiederum arbeitet, so erscheint es dem von Terminen geplagten Bürger, selten für und meistens gegen ihn: Wenn es besonders schnell gehen soll, rauben scheinbar unbedeutende Dinge wie ein verspäteter Bus oder ein widerspenstiger Knoten im Schuhband uns die Illusion, Herr der Lage zu sein.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          John Hughes' Film „Ein Ticket für Zwei“ (1987) hat dem der Willkür von Zeit und Wetter ausgelieferten Individuum ein Denkmal gesetzt: Als Werbefachmann Neal Page ficht Steve Martin einen verzweifelten Kampf, um von einer Dienstreise nach New York rechtzeitig zu Thanksgiving zurück bei der Familie in Chicago zu sein. Ein Schneesturm verschlägt sein Flugzeug nach Kansas, beim Zug streikt die Technik, und bei alledem hat Page auch noch den ungehobelten, notorisch gutgelaunten Del Griffith (John Candy) an der Seite, einen Vertreter für Duschvorhangringe, der das Chaos magisch anzieht. Mit „Ein Ticket für Zwei“ ist Hughes eine der kurzweiligsten Studien über den Stillstand gelungen und das Kunststück eines so irrwitzig komischen wie anrührenden Films.

          Geballte Humorkompetenz

          Gut zwanzig Jahre später arbeitet Neal Page als Wirtschaftsanwalt Dilling in Potsdam, während Griffith als Schwimmhilfen gedachte „Poolnudeln“ vertreibt. Der Sat.1-Zweiteiler „Zwei Weihnachtsmänner“ schickt Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka in Martins und Candys Fußstapfen auf eine ähnliche, indes osteuropäische Odyssee: Ihre Wiener Maschine mit Ziel Berlin strandet in Bratislava. Mit Pastewka und Herbst spielen zwei unserer besten Komödianten die Hauptrollen, das Drehbuch lieferte Erfolgsautor Tommy Jaud („Vollidiot“), Regie führte Tobi Baumann („Der Wixxer“). Geballte Humorkompetenz also. Ihr Werk kann sich dann auch sehen lassen, es ist stellenweise recht lustig und unterhaltsam, mit durchaus anrührenden Momenten.

          Kommen sich näher, als sie wollen: Dilling und Kess
          Kommen sich näher, als sie wollen: Dilling und Kess : Bild: Sat.1

          Wer „Ein Ticket für Zwei“ kennt, wird trotzdem enttäuscht sein. Nicht stimmig etwa gerät die Figurenzeichnung. Auch Martin spielte einen glatten Workaholic, dem man die Sehnsucht nach der Familie gleichwohl abnahm: Man lachte über ihn, man litt mit ihm. Herbsts Dilling hingegen, der nicht der Liebe, sondern einem Plan folgt, lässt den Zuschauer kalt. Pastewkas Figur wiederum ist längst keine Nervensäge vom Kaliber Candys, sondern, für alle außer Dilling offensichtlich, vor allem ein netter Kerl. Und wo sich Hughes als Meister der Verdichtung zeigte, der einen aufreibenden Dreitagetrip in neunzig Minuten schilderte, strecken Baumann und Jaud ihre Geschichte auf die doppelte Länge und füllen sie mit Nebensträngen um kleine Hündchen und Drogendealer. So trennt die Sat.1-Komödie vom Hollywood-Vorbild so viel wie Chicago von Bratislava - was uns, auf gar nicht vorweihnachtliche Weise, melancholisch stimmt.

          „Zwei Weihnachtsmänner“, Teil 1 am heutigen Donnerstag, Teil 2 am Freitag jeweils um 20.15 Uhr bei Sat.1.

          Ein Porträt Bastian Pastewkas finden Sie hier: Bastian Pastewka im Porträt

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