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Zum Tod von Monica Bleibtreu : Genie der Stille

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Monica Bleibtreu (1944-2009) Bild: F.A.Z.

Sie gehörte zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen ihrer Zeit und ruhte sich nicht auf ihrer Meisterleistung als Katia Mann in Heinrich Breloers gefeierter Familienchronik aus. In den letzten Jahren zeigte sie brillantes Spiel von Film zu Film und wurde im Alter immer schöner.

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          Sie ziselierte ihre Gestalten, deckte auch ihre kleinsten Regungen, die unsichtbaren Tugenden und Gemeinheiten auf, die sie in sich trugen. Das alles bewältigte sie mit einer ruhigen Beiläufigkeit, die das Spiel der grandiosen Charakterdarstellerin Monica Bleibtreu mühelos wirken und vergessen ließen, welche kluge Kunst darin steckte. Mit einem Blick, einer Geste konnte sie mehr sagen als andere in einem ganzen Theaterakt. Das war so, seit sie nach der Ausbildung am Wiener Max-Reinhardt-Seminar am Burgtheater spielte, Münchens Kammerspielen, dem Schillertheater und der Freien Volksbühne in Berlin.

          Es halfen ihre südländische Erscheinung und die angeborene Präsenz: durchdringende Mandelaugen, grazile Figur und dunkle Mähne, die sie auch für den Film prädestinierten, dem sie sich jedoch verweigerte, bis sie 1971 in Syberbergs „Ludwig“ und in einem Felmy-Tatort Rollen annahm. Zurückhaltend, wie sie spielte, und weil sie lange noch das Theater vorzog, wurde Monica Bleibtreu dem großen Publikum eher als Nebenfigur bekannt, etwa in Manfred Krugs „Auf Achse“, in Tatorten oder Rennern wie „Lemminge“. War es Tykwers „Lola rennt“ (1998) oder „Brechts letzter Sommer“ (2000) von Jan Schütte, womit sie von der Favoritin für Cineasten zum Filmstar aufstieg? Preise und Prominenz dank ihrer Rollen in „Verlorenes Land“ und „Es geschah am hellichten Tag“ - all das verblasste angesichts ihrer Katia in Breloers „Die Manns“. Wie Müller-Stahl zur Personifikation des Dichters, wurde sie der Inbegriff seiner Frau, ehrfürchtig fast verehrt, mit Auszeichnungen überschüttet.

          Immer schöner werdend

          Sie ruhte nicht aus auf der Meisterleistung einer androgynen und doch mütterlichen Frau zwischen stillem Duldertum und dezenter eiserner Herrschaft. Die folgenden Jahre waren brillantes Spiel von Film zu Film einer mit dem Alter immer schöner Werdenden: „Tatoo“, „Vier Minuten“, „Das Herz ist ein dunkler Wald“, „Hilde“ (siehe Video-Filmkritik: „Hilde“). Rückblickend schaudert einen, dass ihr größter Erfolg 2005 „Marias letzte Reise“ war, die Geschichte einer krebskranken Bäuerin, die Chemotherapien abbricht, um sich letzte Lebenswünsche zu erfüllen. Das letzte Mal sahen wir Monica Bleibtreu am 3. Mai, anlässlich ihres fünfundsechzigsten Geburtstags, in „Ein starker Abgang“. Ihr Können fand in Bruno Ganz den kongenialen Partner. Zehn Tage später, in der Nacht zum Donnerstag, starb sie.

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