https://www.faz.net/-gqz-z4ju

Zukunft von Amerikas Late-Night : Wer macht die Nacht zum Tage?

  • -Aktualisiert am

Jay Leno gilt als der Langweiler der Nation Bild: ASSOCIATED PRESS

Jay Lenos Stern sinkt. Und auch sonst machen sich im Late-Night-Fernsehen Amerikas Ermüdungserscheinungen unter Letterman und Co. breit. Wer sich intelligent amüsieren will, der muss bis nach Mitternacht warten. Hier gibt es die neuen Köpfe.

          Barack Obama“, sagte Jay Leno vor einigen Tagen zu Beginn seiner Late-Night-Show auf NBC, „hat sich bei einer geschassten Mitarbeiterin des Landwirtschaftsministeriums entschuldigt und sie gebeten zurückzukommen. Das ist ja nichts Neues bei Präsidenten. Zuletzt ist das mit Bill und Hillary passiert.“ Das war die Pointe. Das Publikum lachte gequält.

          Wenn man etwas zum Einschlafen sucht im amerikanischen Late-Night-Fernsehen, ist Amerikas Top-Talkmaster Jay Leno eine sichere Adresse. Seit 1992, als er das Format vom legendären Johnny Carson übernahm, macht der Sechzigjährige die „Tonight Show“ bei NBC, und wenngleich er sie immer schon eher mit Carsons Charme anstatt mit dem Biss seines CBS-Rivalen David Letterman führte - Leno hatte ihn bei der Carson-Nachfolge ausgebootet -, war seine Sendung doch einst gute Unterhaltung. Nicht mehr. Seit Leno im vergangenen Jahr die Hauptrolle im peinlichsten Skandal der amerikanischen Fernsehgeschichte spielte, als NBC eine Fernsehrevolution ausrief und beschloss, statt teurer Serien künftig Leno im 22-Uhr-Programm zu senden, gilt er als Langweiler der Nation. Das Experiment scheiterte dramatisch - Leno unterhielt mehr schlecht als recht, NBC liefen die Zuschauer davon, und als der Sender die Revolution nur wenige Wochen später rückgängig machte und Leno zurück ins Spätabendprogramm schickte, kantete er damit den designierten Nachfolger Conan O'Brien hinaus. Das kostete Leno, der seinen Rückzug zugunsten O'Briens bereits angekündigt hatte, weitere Sympathien - und Quoten. Während NBC vor Schreck über sein selbstinszeniertes Late-Night-Desaster immer noch wie gelähmt ist, leiert Leno onkelig und routiniert seine Show herunter - der Wachwechsel ist überfällig. Doch wo ist der nächste Leno?

          Der einstige Kronprinz O'Brien, das Bauernopfer der NBC-Scharade, hat sich inzwischen ins Kabelfernsehen verabschiedet, wo er im November mit einer neuen Show bei TBS, dem Comedysender von Ted Turner, auftritt. David Letterman, der bei CBS seit 1982 „Late Night with David Letterman“ macht, zeigt ebenfalls Ermüdungserscheinungen - der Skandal um sexuelle Eskapaden des Moderators mit Mitarbeitern seiner Show projizierte das Bild eines selbstzufriedenen Fernsehfeudalfürsten, der den Respekt für sein Team und sein Publikum gleichermaßen verloren hat. Und Jon Stewart, der nach Publikumsumfragen mit seiner Nachrichtensatire „The Daily Show“ als bedeutendster Nachrichtenmacher Amerikas gilt, hat mehrfach bekundet, lieber weiter die Freiheiten seines kleinen Kabelsenders Comedy Central zu genießen, als sich den Einschränkungen der Networks unterwerfen zu müssen.

          Jimmy Kimmel könnte Jay Leno herausfordern

          Ermüdungserscheinungen greifen um sich

          Bleibt der Blick auf die jüngeren Talker, die zumindest bei CBS und NBC das Rahmenprogramm für die Stars machen. Als Faustregel gilt: je später, desto besser. Jimmy Fallon ist als NBC-Angestellter die augenfälligste Wahl für die Leno-Nachfolge. Fallon ulkte zuvor bei „Saturday Night Live“ und baute in verschiedenen Hollywoodfilmen Starstatus auf. 2008 folgte er Conan O'Brien im Nachtprogramm von NBC, während dieser sich auf die Übernahme von Lenos Show vorbereitete. Leider fehlt es Fallon an Esprit und Lebendigkeit. Der Fünfunddreißigjährige hat etwas Verschlafenes an sich, und manchmal wirkt er, als wäre er dreißig Jahre älter. Dass seine Show bisweilen ins Kindische abgleitet, ändert daran nichts. In einer Rubrik lässt Fallon zwei Publikumsfreiwillige gegeneinander antreten, einer liest einen Witz vor, der andere darf einen Mund voll Wasser über den ersten prusten. Im Übrigen bewegt er sich auf Leno-Niveau - gefällig und ohne intellektuelle Schärfe.

          Weitere Themen

          Trump ist wütend auf Fox News

          Negative Berichte : Trump ist wütend auf Fox News

          Donald Trump erwartet von seinem rechten Lieblingssender Fox News positive Berichterstattung. Bleibt die aus, schimpft er. Doch die meisten Entscheider und Moderatoren bei Fox halten nach wie vor zu Trump.

          „Harri Pinter Drecksau“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Harri Pinter Drecksau“

          Jürgen Maurer spielt Harri Pinter, einen Mitvierziger, der von sich und seinem Auftritt mehr als überzeugt ist. Als seine Freundin ihn jedoch betrügt, gerät sein Selbstbild ins Wanken. Der österreichische Film läuft am 19.07.2019 um 20.15 Uhr auf arte.

          Topmeldungen

          Von der Leyen und die EU : Die Hoffnungsträgerin

          An Enthusiasmus fehlt es der neuen EU-Kommissionspräsidentin nicht. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Ursula von der Leyen es schafft, ein breites Bündnis im Europaparlament für sich zu gewinnen.

          737 Max : Flugverbot kostet Boeing Milliarden

          Der amerikanische Konzern stellt sich nach den Abstürzen der 737-Max-Maschinen auf hohe Entschädigungen ein. Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Doch die Investoren goutieren die Klarheit.
          Unsere Sprinter-Autorin: Rebecca Boucsein

          FAZ-Sprinter : Wiedersehen mit Greta und Abschied von unserem Wald

          Das Klimakabinett streitet über höhere Preise fürs Fliegen, Greta Thunberg reist mit dem Zug nach Berlin und Forstwirte bangen um einen tief in der deutschen Geschichte verwurzelten Baum. Was sonst noch wichtig wird, steht im FAZ-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.