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Wolfgang Joop & Bill Kaulitz bei Arte : Ich hab' noch ein Ebenbild in Berlin

Designer Wolfgang Joop und Sänger Bill Kaulitz, begleitet von ARTE in der Sendung „Durch die Nacht” Bild: © avanti media/Fabian Meyer/Chri

Tête-à-tête: Wolfgang Joop und Bill Kaulitz schwärmen für Arte durch die Nacht. Wolfgang Joop ist dabei sehr angetan von dem Tokio-Hotel-Sänger, der mit 21 Jahren schon seinen eigenen, exzentrischen Stil entwickelt hat.

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          Es ist Modewoche, und ganz Paris widmet sich dem Schönen: Bildhübsche Frauen hasten an Boutiquen vorbei, flinke Hände geben den Kreationen den letzten Schliff, und Wolfgang Joop und Bill Kaulitz sind mittendrin, umringt von Modejournalisten. „Durch die Nacht mit“ heißt die Arte-Sendung, in der Modemacher Joop und Musiker Kaulitz in den nächsten Stunden vor der Kamera stehen. Sie sind nicht die ersten Flaneure der Nacht, sie sind nicht die Ersten, die einen Abend lang über sich, die Welt und alles, was ihnen einfällt, sprechen. Doch sie unterhalten sich länger, und ihre Liaison ist tiefer als die meisten, die wir in dieser Reihe schon gesehen haben. Für Joop und Kaulitz haben die Macher ihr Produktionsprinzip sogar aufgebrochen: Auch der nächste Vormittag gehört zum Treffen. Und das ist ein Glück, denn jede Minute mehr, welche die beiden teilen, ist gute Unterhaltung.

          Zwar ist es eine Illusion, zu glauben, dass die beiden die Kamera jemals vergessen - beide sind Selbstvermarktungsprofis, und ihr geschäftlicher Erfolg hängt ab von ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Vor allem Kaulitz guckt oft in Richtung der Beobachter, als ihn Wolfgang Joop im Laufe der Nacht auf den Eiffelturm führt.

          Mit Anspruch auf Authentizität

          Trotzdem fangen die Kameras auch ganz erstaunliche Momente ein: In Joops Atelier probiert Kaulitz ein Jackett und posiert vor dem Spiegel, wie er es auch auf der Bühne als Frontmann der Band Tokio Hotel tun würde - nur um einen Augenblick später wieder unsicher am Ärmel herumzunesteln, wie jeder Anzugtester im nächsten Kaufhaus. Joop wiederum steht später im Pariser Palais des deutschen Botschafters vor einem Spiegel und beschwert sich über die Unaufmerksamkeit seiner Begleitung: „Hätte mir ja auch mal jemand sagen können, dass meine Haare so scheiße aussehen.“ Populäre Problemchen sind das, die man so bei Prominenten zwar erwartet, aber eigentlich gar nicht so genau sehen möchte. Die beiden Nachtschwärmer machen diese Szenen menschlich und sehr sympathisch.

          Zwei Künstler, ein Sinn für Perfektion: Wolfgang Joop und Bill Kaulitz

          Genauso wie das, was sie sagen. Der 21 Jahre alte Kaulitz, Sternzeichen Jungfrau, und somit - wie auch Hobbyastrologe Joop sofort bestätigt - zwangsweise Perfektionist, bekennt, er leide darunter, keine Pause von sich selbst und seinem Werk zu bekommen: also von all dem, was mit seiner Band zusammenhängt - Songs schreiben, die T-Shirts für das Merchandising absegnen oder das Cover für das nächste Album gestalten. „Ich hasse es, wenn nicht alles über meinen Schreibtisch läuft“, sagt Kaulitz und wirkt wie der müde Kopf des Familienunternehmens Tokio Hotel, das er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Tom führt. „Du musst irgendwann sagen: Schnitt!“, rät Joop altersweise.

          Klingt da eine Romanze an?

          Mit seinen 66 Jahren könnte er locker Kaulitz' Großvater sein. Statt sich allein auf diese Rolle zu kaprizieren, flirtet er aber auch dezent mit seinem Gegenüber, worauf Kaulitz verschämt wie ein Schulbub reagiert. „Ich komm' mir vor wie in einem Nouvelle-Vague-Film: Du bist Alain Delon und ich Romy Schneider“, sagt der Alte, und der Junge lächelt scheu. Doch sonst verstehen sie sich blind, und es wird deutlich, warum Joop zu Beginn eine „schicksalhafte Begegnung“ erahnte. Er scheint sich selbst in dem jungen Mann wiederzuerkennen. Drei letzte Umarmungen, dann steht Joop verloren am Straßenrand, als Kaulitz davonfährt. „Wenn du in Berlin bist, besuchst du mich“, hatte Joop gesagt.

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