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Wickert bemängelt Nachrichten : Warum sind die Kritiker so milde?

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Bruchstückhaft und schlampig sind Nachrichtensendungen wie die „Tagesschau”, kritisiert Ulrich Wickert Bild: ARD

Wer gut informiert sein will, kann auf die Nachrichten von ARD und ZDF nicht setzen. Es wird bruchstückhaft informiert und schlampig formuliert, die Unterhaltung scheint das Wichtigste zu sein. Eine Generalkritik des früheren „Tagesthemen“-Moderators Ulrich Wickert.

          Es mag sein, dass es nur einem Nachrichtenversessenen wie mir aufstößt, aber an den Informationssendungen von ARD und ZDF gibt es weit mehr auszusetzen als den Sportjournalisten-Jargon bei einem Bericht über den Tod des Torwarts Robert Enke (Die ARD macht aus dem Fall Enke einen Spielbericht). Bislang habe ich mich als ehemaliger Nachrichtenmoderator zurückgehalten. Denn ich will nicht als Besserwisser mit erhobenem Zeigefinger wirken. Aber seit einiger Zeit rumort der Gedanke in mir, es ist viel schlimmer, und das gilt nicht nur für die Texte.

          Wenn es um die Sprache geht, bedauere ich, dass nur noch wenige Autoren von Stücken für „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ oder für „heute“ und „heute-journal“ den Satzbau beherrschen. Häufig streuen sie Substantive wie grobes Meersalz zwischen kurze Sätze. Auch wenn die Suche nach einer treffenden Schlussbemerkung zu viel Nachdenken fordert, dann „bleibt es abzuwarten“, „ist die Ursache unklar“, oder „es wird sich zeigen“.

          Nicht nur die Floskelsprache der Politik wird oft übernommen, sondern auch das Kurzsprech der Nachrichtenagenturen. Da „stehen“ immer noch „Ovationen“, obwohl ich niemanden kenne, der Beifall je hat stehen sehen. Es können nur diejenigen stehen, die Beifall klatschen. Wer so textet, ist nicht nur schusselig, sondern denkfaul. Und warum lassen die Redaktionschefs die sprachliche Verlotterung durchgehen? Bedeutet ihnen die Sprache so wenig, oder merken sie nichts? Den Machern scheint das Bewusstsein für ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag, für eine Grundversorgung politischer Information zu sorgen, abhandengekommen zu sein. Ganz bewusst spreche ich von Information, denn dieser Begriff umfasst mehr als die Nachrichten.

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          Kein Brennpunkt fürs Kabinett

          Wirklich geärgert habe ich mich, dass weder „Tagesschau“ noch „Tagesthemen“, weder „heute“ noch „heute journal“ je das neue Bundeskabinett vollständig vorgestellt haben. Eine Sondersendung, einen „Brennpunkt“ etwa, hob niemand ins Programm. Das kann heute wohl keiner mehr verlangen, Freitag und Samstag gehören der Unterhaltung!

          Ich habe es eben im Archiv noch einmal überprüft: Am Freitag, 23. Oktober, steht die Zusammensetzung der neuen Regierung fest, aber das vollständige Kabinett wird am Abend in keiner Nachrichtensendung von ARD oder ZDF gemeldet. Die „heute“-Sendung um neunzehn Uhr berichtet dafür ausführlich über Schnäppchenjäger nach dem Aus von Quelle. Die „Tagesschau“ um zwanzig Uhr erklärt uns, wer einige der wichtigen Ministerien übernimmt, und verweist für mehr Information auf das Internet. Im „heute journal“ lässt sich der Moderator zu „Habemus Kabinett“ hinreißen, aber er stellt es nicht vor. Auch die „Tagesthemen“ verzichten auf Vollständigkeit. Nun mag man sich damit herausreden, die Bundeskanzlerin habe erst am Samstag den Koalitionsvertrag der Presse vorgestellt. Aber zur Kabinettsliste sagt sie da nur noch ironisch: „Das wissen Sie ja schon alles.“ Am Samstag wird in den Abendsendungen von ARD und ZDF zwar der scherzende Guido mit seinem neuen Duzfreund Horst vorgestellt, dazu einige Minister; vom neuen Umwelt- oder Entwicklungsminister immer noch kein Sterbenswörtchen.

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