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„Two and a Half Men“ : Eigentlich wollte er in die Fluten steigen

Der Neue ist da: Alan (Jon Cryer, links) reicht dem Milliardär Walden Schmidt (Ashton Kutcher) erst mal ein Handtuch Bild: dpa

So fällt der Abschied von Charlie Sheen leicht. Ashton Kutcher ist der neue Hauptdarsteller der Serie „Two and a Half Men“, und macht eine so gute Figur, dass man den alten gar nicht vermisst.

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          Vielleicht hat Ekel Charlie diesen Tod gar nicht verdient. Denn er musste nicht leiden: „Sein Körper explodierte einfach wie ein mit Fleisch gefüllter Ballon.“ So erzählt es Rose, die allzeit neugierige Nachbarin, auf Charlie Harpers Beerdigungsfeier. Zu der sind, zu Beginn der neunten Staffel von „Two and a Half Men“, zahlreiche abgelegte Freundinnen Charlies gekommen. Dazu Bruder Alan, Neffe Jake, Mutter Evelyn und auch die Haushälterin Berta. Zum abrupten Ableben Charlies war es ausgerechnet in Paris gekommen. In der vermeintlichen Stadt der Liebe hatte Charlie seiner amtierenden Verlobten die Heirat versprochen, es sich unter der Dusche im Hotelzimmer, wo er mit der allerneuesten Freundin ertappt wurde, aber doch wieder anders überlegt. Kurz darauf verliert er im Pariser Untergrund aus nicht ganz geklärten Umständen das Gleichgewicht - und endet vor dem heranfahrenden Metrozug wie der eingangs erwähnte Fleischball.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Verzweiflung der Trauergäste hält sich in Grenzen. Charlies Freundinnen tauschen sich über allerlei Geschlechtskrankheiten aus, die er ihnen hinterlassen hat. Neffe Jake hat wie immer Hunger - besonders wegen des Vergleichs mit dem Fleischball. Bruder Alan und Mutter Evelyn sind mit ihren Gedanken schon ganz woanders - zum Beispiel bei den Kosten für die Überführung der Leichenteile und zumal bei Charlies Haus am Strand von Malibu in Los Angeles. Das ist mit drei Hypotheken überbelastet und hängt den Hinterbliebenen auf deren Weg in eine Zukunft ohne Charlie wie ein Klotz am Bein.

          Alle Welt weiß, unter welchen Umständen die achte Staffel von „Two and a Half Men“, die erfolgreichste Sitcom des letzten Jahrzehnts mit zig Millionen treuen Zuschauern in Amerika und weiteren fünfzig Ländern, vorzeitig zu Ende gegangen ist: mit der Implosion des Hauptdarstellers Charlie Sheen. Sheen hatte die zynische Hauptfigur Charlie Harper, alkoholkranker Junggeselle und erfolgreicher Komponist von Gebrauchsmusik, seit der ersten Staffel 2003 so wunderbar authentisch gegeben, wie eben nur er es konnte. Bis sich Sheen mit gefährlichen Ausbrüchen im Suff und unter Drogen, mit Gewalttaten gegen seine Frau sowie mit Schimpftiraden gegen alle Welt und am liebsten gegen seine Brötchengeber buchstäblich selbst aus dem Verkehr zog.

          Im Vergleich zur quälend langen Selbstdemontage des Zeitgenossen Charlie Sheen im richtigen Leben war der jähe Tod der Figur Charlie Harper, mit der sich die Drehbuchschreiber Chuck Lorre und Lee Aronsohn auch für die antisemitischen Wutausbrüche Sheens rächten, ein Gnadenakt. Nach der abrupten Entlassung Sheens mussten Lorre und Aronsohn sowie die Verantwortlichen bei Warner Brothers und CBS rechtzeitig für den Beginn der neunten Staffel Ersatz suchen. Und sie wurden in Ashton Kutcher fündig, der in der ersten Episode, die in der Nacht zum Dienstag ausgestrahlt wurde, einen grundsoliden, ja vielversprechenden Einstand gab.

          Milliardär Schmidt liebt es textilfrei

          Kutcher spielt den frisch von seiner Frau Bridgette verlassenen Internetmilliardär Walden Schmidt, der am Strand vor dem Harper-Haus ins Wasser gehen will. Aber der Pazifik ist viel zu kalt, und so steht der klatschnasse Walden plötzlich vor der Veranda-Glastür der Harpers - woraufhin Alan Harper vor Schreck die Urne mit der Asche seines Bruders fallen lässt. „Also ich saug den nicht auf,“ sagt die Haushälterin Berta. Kalauer wie diese und Witze über laute und leise Darmlüfte gehören seit jeher zu „Two and a Half Men“. Und schon nach der ersten Folge der neunten Staffel scheint auch Ashton Kutcher wie schon immer dazuzugehören. Walden Schmidt ist ein Zyniker nicht der eiskalten, sondern der verdatterten Art, der sich noch in der Nacht nach dem Selbstmordversuch wegen der zerflossenen Lebensliebe mit gleich zwei Frauen trösten muss. Milliardär Schmidt liebt es textilfrei, und dabei macht Kutcher (an den entscheidenden Stellen freilich verpixelt) eine so gute Figur, dass man Sheen keine Sekunde vermisst. Und weil der akut vereinsamte Alan Harper ihn von den Fast-Toten mitten ins pralle Leben zurückgebracht hat, entschließt sich Schmidt kurzerhand, das überschuldete Haus von Charlie Harper zu kaufen.

          Die verspäteten guten Wünsche an seine ehemaligen Kollegen von „Two and a Half Men“, zu denen sich ein mäßig geläuterter Charlie Sheen gerade bei der Verleihung der „Emmy“-Preise herbeifand, könnten in Erfüllung gehen. Sheen übrigens, so heißt es, wird für seinen verfrühten Abgang aus der Serie eine Entschädigung von CBS und Warner von bis zu hundert Millionen Dollar erhalten. Willkommen in Malibu, Ashton Kutcher! Alles Gute auf dem gut gepolsterten weiteren Lebensweg, Charlie Sheen!

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