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Thomas Gottschalk über „Wetten dass. .?“ : Werd' ich zum Augenblicke sagen: Es ist gut

  • -Aktualisiert am

Bild: ZDF

Heute Abend geht „Wetten das. .?“ zum 190. Mal über Bühne und Schirm. Zu Beginn der neuen Herbst- und Winterstaffel erzählt Thomas Gottschalk, warum er inzwischen mit weniger Zuschauern zufrieden ist und welche Wetten er in keinem Fall akzeptiert.

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          „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ Thomas Gottschalk hat den Satz tatsächlich fallen lassen in den Katakomben der Münchner Olympiahalle zum Auftakt einer neuen Staffel von „Wetten, dass . . ?“. Das Zitat fiel nicht von ungefähr. Es war eine Art Befreiungsschlag, eine Legitimation, warum er die ZDF-Mammutshow auch nach dreißig Jahren noch bestreitet.

          Er gebe ja zu, dass er einmal gesagt habe, wenn die Zuschauermillionen nicht mehr zweistellig seien, werde er sich die Sache überlegen. Doch heute, da im Privatfernsehen „gewisse Reize“ geboten würden, die er nicht geben könne und wolle, gelte ein anderer Maßstab. Und der orientiert sich an der Würde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ein Unterhaltungskulturauftrag gewissermaßen.

          Inzwischen sage er sich, „lieber sieben Millionen Aufrechte, als die vierzehn oder fünfzehn Milllionen Zuschauer von damals. Siebenundzwanzig Jahre lang habe er - ohne Konkurrenz - mit fünfzehn bis achtzehn Millionen Zuschauern gerechnet. Heute - mit jemandem wie Dieter Bohlen bei RTL - gebe es am Samstagabend im Fernsehen weniger eine Konkurrenz der Moderatoren oder Systeme, sondern eher der sozialen Milieus. Letztlich sei auch „Das Supertalent“ nicht viel anderes als eine verschärfte Ausgabe von „Wetten, dass . . ?“, nach dem Motto: „Wetten, dass ich mit meinem Piercing jemanden durch die Halle ziehe?“

          Geht nach „Wetten dass..?” lieber in die Oper als zum Fußball: Thomas Gottschalk
          Geht nach „Wetten dass..?” lieber in die Oper als zum Fußball: Thomas Gottschalk : Bild: dapd

          Er hat den Schlüssel zum Giftschrank

          Bei seiner Sendung gebe es einen „Giftschrank“ voller Wetten, die man aus guten Gründen nicht spielen könne. Den Schlüssel zu diesem Schrank gelte es gut zu bewachen, auf dass ihn kein anderer öffnet.

          Thomas Gottschalk hat den Ehrgeiz, „Wetten, dass . . ?“ als Familiensendung zu bewahren. „Härtere Wetten“ gebe es mit ihm nicht, auch nicht um den Preis besserer Quoten. „Um welchen Preis, mit welchen Mitteln?“ Das sei die Frage. Wenn am heutigen Samstag Katy Perry und Joe Cocker aufträten, sei das die Mischung für die er stehe: „Kein Kind weiß mehr, was Joe Cocker getrieben hat und kein Vater interessiert sich für Kate Perry.“ Mit etwas Glück sähen beide Generationen seine Sendung und amüsierten sich über die Interpreten der jeweils anderen Zeit. „Beide haben zusammen eine halbe Stunde auf dem Sofa gesessen. So sollte öffentlich-rechtlicher Ehrgeiz aussehen.“

          Aus Gottschalks Sofa sitzen nun Christine Neubauer, Milla Jovovich und Orlando Bloom, der gerade in Bayern einen Film dreht. Ihn will Gottschalk mit einem Rückblick auf den „Wetten, dass . . ?“-Besuch des gerade verstorbenen Tony Curtis konfrontieren und ihn fragen, ob es solche Stars heute noch gebe.

          Das Unterhaltungsfernsehen braucht ihn

          Er selbst scheint in seinem Fach jedenfalls der vielleicht Letzte seiner Art zu sein. Eine gewisse „Exit-Strategie“ hat Thomas Gottschalk schon. Er moderiert die „Echo-Klassik-Gala“. Auf seinem ipod finde sich Musik von Wagner, mit seinem Sohn hat er abends zuvor in der Münchner Staatsoper die „Zauberflöte“ gesehen und im Aufsichtsrat der Oper von Los Angeles sitzt er auch. Von klassischer Musik verstehe er jedenfalls mehr als von Fußball.

          Den Bayern-Spieler Arjen Robben wird er am Samstag trotzdem befragen. Und Gottschalks persönlicher Abfiff? Das ZDF hat seinen Vertrag bis 2012 verlängert, und da sei niemand, der ihm den Eindruck vermittler, dass es dann gut sei. Es werde der Punkt kommen, zu dem er aufhöre: „Aber der hat dann weder mit Quote noch mit Alter zu tun, sondern nur weil ich das Gefühl habe: Jetzt ist gut.“ Bis dahin hält sich Thomas Gottschalk an die Devise: „Nichts, was am Samstagabend passiert, braucht die Welt wirklich.“ Eine Show wie seine, die nicht jede Wette eingeht, fügen wir hinzu, braucht das Unterhaltungsfernsehen aber schon.

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