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„Tatort: Nie wieder frei sein“ : Ein fatales Pflichtmandat

Für die Kommissare Batic (Miroslav Nemec, links) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) war der Fall gelöst - jetzt geht, mit Schrecken, alles nochmal von vorne los Bild: BR/Hagen Keller

Die Münchner „Tatort“-Kommissare Batic und Leitmayr haben den Fall längst abgeschlossen. Das Urteil gegen einen Vergewaltiger und Mörder scheint nur noch Formsache. Aber dann wird Markus Rapp freigesprochen - und der Horror beginnt.

          2 Min.

          Es ist Nacht, es regnet, ein Mann fährt in einem Lieferwagen langsam durch den Wald, er hält, öffnet die Tür, zerrt den leblosen Körper einer Frau heraus, schleift sie wie totes Vieh über den Boden, zerschneidet ihr Kleid, zieht ihre Stiefel aus, besprüht den nackten Körper mit einer Flüssigkeit, blickt kurz auf sein Werk hinunter, tritt prüfend nach der im Matsch Liegenden und geht. Der Lieferwagen fährt davon, das Motorengeräusch entfernt sich. Da bewegt die Frau ein Bein. Sie lebt.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist ein stummer und dennoch sehr starker Auftakt, da er die Vergewaltigung der Frau und die Brutalität des Täters nur indirekt, doch auf quälende, kaum auszuhaltende Weise, offenbart. Bis zu diesem Augenblick könnte „Nie wieder frei sein“ ein ganz gewöhnlicher, wenn auch schon in den ersten Minuten gelungener „Tatort“ sein. Doch diesmal ist in München alles anders. Denn es geht im Folgenden dort weiter, wo man als Zuschauer das Kommissaren-Duo Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) normalerweise schon längst wieder verlassen hat: Bei der Pressekonferenz nach Abschluss des Falls und in der Gerichtsverhandlung gegen den Täter.

          Zu spät gerät der Glaube erst ins Wanken

          Als Täter haben die beiden Kommissare Markus Rapp (Shenja Lacher) überführt; er soll noch eine weitere Frau vergewaltigt und diese auch umgebracht haben. Gestanden hat er nicht, doch Indizien beweisen seine Schuld. Die Verurteilung zu einer fünfzehnjährigen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung scheint nur noch Formsache zu sein. Doch dann passiert das Ungeheuerliche: Markus Rapp kommt frei. Eine Spirale aus Angst und Gewalt beginnt.

          Der Opfer als Zeugin: Melanie Bauer, gespielt von Anna Maria Sturm

          Mit großer Ausgewogenheit, ohne bewertende Hierarchie ihrer Nöte, schildert das Drehbuch von Dinah Marte Kolch, wie die Beteiligten auf den Freispruch reagieren. Auch dies ist ungewöhnlich für einen Fernsehkrimi. Es funktioniert auch deshalb, weil Regisseur Christian Zübert bei der Wahl seiner Darsteller weitgehend auf bekannte Fernsehgesichter verzichtet hat. Für Batic und Leitmayr ist es nicht einfach, allen gerecht zu werden: Da ist die Verzweiflung des Opfers Melanie Bauer (Anna Maria Sturm), die seit der Vergewaltigung unter posttraumatischen Störungen leidet und sich nun gar nicht mehr aus dem Haus traut.

          Da sind ihre völlig hilflosen Eltern; da ist Melanies Freund Peter (Stephan Zinner), der aus Wut den Freigesprochenen und dessen Vater (Thilo Prückner) terrorisiert; da ist Sandra Krüger (Antje Widdra) die den Mord an ihrer Schwester gesühnt sehen will. Und da ist schließlich auch die junge Anwältin Regina Zimmer (Lisa Wagner), die Markus Rapp zum Freispruch verholfen hat.

          Der Fall war ein Pflichtmandat. Als ihr Glaube an die Unschuld ihres Mandanten ins Wanken gerät, ist es zu spät.

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