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Superstar-Show : Immer schön in die Tröte singen

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Die einen sind im Lichte - wie hier Dieter Bohlen und Nina Eichinger auf Teneriffa Bild: RTL

Dieter Bohlen hat eine Kamera ganz für sich allein und schnauzt die Technik an, im dunklen Übertragungswagen stehen Massagesessel für die mobile Regie: Der Blick hinter die Kulisse zeigt, wie aufwendig „Deutschland sucht den Superstar“ produziert wird.

          Der Mann hat einen langen Weg hinter sich gebracht, bevor er bei den Zuschauern auf dem Bildschirm erscheint. Er ist durchs All gesaust, hat sich durch unterirdisch verlegte Kabel gedrängt, ist auf Bänder aufgenommen und zusammengeschnitten worden. An diesem Tag wird Dieter Bohlen in einem silberfarbenen Truck gefangengehalten, der am Vortag über die Autobahn von Köln nach Berlin manövriert wurde und nun hinterm Theater am Potsdamer Platz steht, wo ein Dutzend Techniker dafür sorgt, dass Bohlen erst auf die vielen Monitore im Wagen und später heil zu RTL gelangt. Auch wenn der Juror von „Deutschland sucht den Superstar“ davon rein gar nichts mitbekommt.

          Eigentlich sitzt Bohlen in diesem Augenblick mit seinen Jurykollegen im Zuschauerraum des Theaters und begutachtet die Gesangstalente, die auf der Bühne um seine Gunst buhlen. Damit ein Millionenpublikum zusehen kann, haben die Mitarbeiter des Kölner Technologie-Unternehmens Nobeo alle Hände voll zu tun.

          Wie auf dem Jahrmarkt

          Sieben Kameras sorgen dafür, dass jeder Moment beim sogenannten „Recall“, der letzten Auslese vor den Mottoshows, in Bild und Ton festgehalten wird, um die Höhepunkte zu einer fünfundvierzigminütigen Unterhaltungsshow zu komprimieren. Das Meiste davon passiert gleich vor Ort, im Übertragungswagen. In der mobilen Regie, wo auf einer riesigen Bildschirmwand sämtliche Kameraperspektiven zu sehen sind, wird bereits eine Art Rohschnitt festlegt, während in der Kammer nebenan der Tontechniker beinahe einen Herzinfarkt bekommt, wenn wieder ein Kandidat vergisst, das Mikro zu benutzen (“Schön in die Tröte singen!“). Am anderen Ende des Lastwagens sorgen die Kollegen dafür, dass die Kameras dieselbe Farbeinstellung haben, damit die Perspektivwechsel in der Sendung nicht auffallen.

          Die im Dunkeln sieht man nicht: mobile Regie im Ü-Wagen

          „Das ist ein bisschen wie im U-Boot“, sagt Hacik Kölcü, Account Manager für Außenproduktionen bei Nobeo, das die komplette Technik bei „DSDS“ organisiert, von den Castings bis zum Finale. An diesem Tag sitzt ein Dutzend Mitarbeiter den ganzen Tag über im Ü-Wagen, um die Bilder vorzuproduzieren, die das Publikum nachher zu sehen bekommt. Am Morgen sind die Kulissen der Show in das Musicaltheater gebaut worden. In der Nacht, wenn die Jury längst im Hotel ist und die Mehrzahl der Kandidaten auf dem Heimweg, wird im Schichtbetrieb wieder abgebaut. Wie auf dem Jahrmarkt.

          Ungefähr fünf Millionen Euro hat die mobile Zentrale gekostet, die auch für Fußballübertragungen oder Veranstaltungen wie Stefan Raabs „Stock Car Crash Challenge“ genutzt wird. Bei der waren im vergangenen Jahr 30 Kameras im Einsatz, deren Bilder im Ü-Wagen live zusammengesetzt und über den Sender gejagt wurden. Schiefgehen darf in solchen Situationen nichts. „Wenn es ein Problem gibt, können wir ja nicht einfach zur Werkstatt fahren - sonst fällt die Übertragung flach, und die Zuschauer schalten weg“, sagt Kölcü.

          „Hier arbeiten teilweise zwanzig Leute auf engstem Raum“

          Für Technikfans ist ein Blick in den „Nobeo 1“ - so der schlichte Name des 38-Tonners - wie eine Visite in der Boxengasse der Formel 1. Dabei gehört das Fahrzeug mit seiner komplett ausfahrbaren „Schublade“ auf der rechten Seite eigentlich nur zu den Mitteklasse-Modellen: Bei der Superbowl-Übertragung in den Vereinigten Staaten kommen noch größere Wagen zum Einsatz, erzählt Kölcü. In jedem Fall gibt es diese Fahrzeuge nicht vom Band. Jedes Einzelne ist eine Sonderanfertigung, weil die Technikfirmen auf unterschiedliche Details Wert legen, und das gilt nicht bloß für die Apparaturen: In der Regie des „Nobeo 1“ sind Massagesessel eingebaut, ein bisschen bequem soll es ja schließlich auch sein, wenn man schon den ganzen Tag im Dunkeln sitzt und sich ständig gegenseitig im Weg ist. „Hier arbeiten teilweise zwanzig Leute auf engstem Raum - da muss die Zusammenarbeit funktionieren“, sagt Kölcü.

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