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„Sportfreunde Pocher“ bei Sat.1 : „Große Fresse, schön locker, hey hey hallo!“

  • -Aktualisiert am

Waren wohl zu lange an der frischen Luft: Calmund, Pocher und Lorant beim Casten Bild: Sat.1

Oliver Pocher ist bei Sat.1 angekommen. Und muss als erstes mit Reiner Calmund und Werner Lorant eine Amateur-Mannschaft für ein Spiel gegen den FC Bayern casten. Alles für einen guten Zweck. Und zum Wegschalten öde.

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          Als Harald Schmidt und Oliver Pocher in ihrer letzten gemeinsamen Sendung im Ersten Anfang April ein bisschen getrödelt hatten, weil es so viel über Pochers Wechsel zu Sat.1 zu tratschen gab, und deswegen spät dran waren, fragte Schmidt seinen künftigen Ex-Kollegen, ob er den Einspielfilm, für den jetzt keine Zeit mehr sei, einfach mit zu Sat.1 nehmen wolle. Und Pocher antwortete: „Ich bin froh über alles, was ich habe.“

          Die meisten Zuschauer haben das als Witz verstanden. Ein Missverständnis. Wie es scheint, hat Pocher nicht nur diesen einen Einspielfilm mit zu seinem neuen Arbeitgeber genommen und dort gleich privatfernsehengerecht zur Miniserie aufgeblasen. Dabei herausgekommen ist das Fußball-Casting „Sportfreunde Pocher“, das am Samstagabend ohne große Werbeoffensive bei Sat.1 gestartet ist, und nun zum Einstand Pochers bei seinem neuen Sender wurde. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen: Denn das Quatsch-Training, das Sat.1 da in den kommenden vier Wochen am Samstagabend auf dem „Genial daneben“-Sendeplatz veranstaltet, ist eine Frechheit für alle Zuschauer, die wenigstens ein bisschen gute Unterhaltung erwartet hätten.

          Gemeinsam mit Trainer Werner Lorant und „der rheinischen Großmacht“ Reiner Calmund sucht Pocher eine Mannschaft, die am 25. Juli gegen den „großen FC Bayern“ antritt, und zwar in der Arena auf Schalke. Dafür müssen im Wechsel Prominente und Amateure, die sich bewerben konnten, auf dem Fußballplatz gegeneinander antreten - und beim Torschuss breitschultrigen Türstehern ausweichen, auf Bierfässer zielen, Quizfragen beantworten oder sich von Pocher höchstselbst herumschubsen lassen. Eine ganze Stunde lang.

          Von seinen Spielern erwartet Oliver Pocher „eine gewisse Funktion”. Und selbst?

          Der Arzt hätte längst kommen müssen

          Das ist auch für das selbst ernannte „Kompetenzteam“ keine leichte Aufgabe. So lange draußen an der frischen Luft - da kriegt man leicht mal einen Sonnenstich. Calmund hat's als ersten getroffen. „Nicht nur schön bemalen“, versuchte er die beiden Berlin-Rapper Bushido und Fler kleinzureden, „und dann La Paloma da, schön backe-backe Kuchen, ringele-ringele Röschen, so Kindergarten“. „Absolute Gurkentruppe“, hieß es nachher. Und: „Schön tätowiert, große Fresse, schön locker, hey hey hallo!“ War denn kein Arzt in der Nähe? Oder hat „der bekannteste und beliebteste Fußballmanager aller Zeiten“, wie Sat.1 Calmund feierte, jetzt seine eigene Phantasiesprache erfunden?

          Zwischen all den Trainingsepisoden mit vernachlässigbarem Spannungsgrad wollte Fußballfan Pocher mit einem von Vitali Klitschko überwachten Muskeltraining gegen den Ex-„TV total“-Praktikanten Elton für Abwechslung sorgen, bei dem es nach zweieinhalb Minuten hieß: „Sehen Sie nächste Woche wie's weitergeht.“ (Was zu bezweifeln wäre.)

          Sendeplatz verschenkt

          Und als sonst gar nichts mehr ging, lief dann wieder „Die Bayern WG“, für die Pocher seine mittelmäßige Oliver-Kahn-Parodie rauskramte, um mit Matze Knoops mittelmäßiger Beckenbauer-Parodie die gewohnten Späßchen zu treiben. Keine nette Geste, beim neuen Sender gleich mit der Resteverwertung vom alten loszulegen.

          Tja, und was soll man sonst noch sagen über eine Sendung, die sich prima als tägliche Miniserie ins Mischmagazin „taff“ bei Pro Sieben eingefügt hätte, für die der prominente Sendeplatz am Samstagabend aber schlicht verschenkt ist? Dass ein kleiner Eklat zwischen Lorant und Pocher inszeniert wurde, weil der sich permanent über Lorants Scheitern als Trainer in der Türkei lustig machte und irgendwann zu hören bekam: „Pocher, eins schwör ich dir, morgen gibt's auf die Glocke!“? Dass Calmund sich auf dem Platz „für kleine Drecksäcke“ begeistern kann, „mit Kratzen und Beißen“? Oder Pocher, der selbst auch nicht ganz bei der Sache schien, von seinen Spielern forderte: „Wir erwarten von euch eine gewisse Funktion“?

          Aus Torjubelsicht zu wenig

          Zum Schluss standen ein paar Kandidaten fest, die eine Runde weiterkommen, und Ende Juli überträgt Sat.1 die Bayern-Begegnung live. Dass es überhaupt dazu kommt, liegt im übrigen daran, dass eine Billigfitnessstudiokette das Spiel bei der Gala „Ein Herz für Kinder“ ersteigert hat - deswegen heißt Pochers Mannschaft mit ihm als Kapitän jetzt auch „McFit Allstars“ und Sat.1 brauchte sich nicht mehr um einen Gewinnspielpartner für „Sportfreunde Pocher“ zu bemühen, wo das Publikum nun eine Fitnessstudio-Jahresmitgliedschaft gewinnen kann.

          Zwischendurch beschwerte sich Pocher über einen Kandidaten mit eher geringer Begeisterungsfähigkeit: „Aus Torjubelsicht war mir das fast zu wenig.“ Aus Neuanfangssicht gilt das für „Sportfreunde Pocher“ ganz genauso.

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