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Sportchef vor Gericht : Mohren bekommt zwei Jahre auf Bewährung

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Zwei Jahre auf Bewährung: Wilfried Mohren Bild: ddp

Wilfried Mohren gesteht unter Tränen und wird wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der ehemalige Fernsehsportchef des Mitteldeutschen Rundfunks soll jahrelang Gelder von Sponsoren am Sender vorbei kassiert haben.

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          Der frühere Fernsehsportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, ist wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss der 51- Jährige 8250 Euro Geldstrafe zahlen. Das Landgericht Leipzig verurteilte ihn am Dienstag auch wegen Vorteilsannahme, Steuerhinterziehung und Betruges.

          Mohren hatte jahrelang am MDR vorbei Geld von Sponsoren kassiert, um bestimmte Sport-Veranstaltungen werbewirksam im Fernsehen zu zeigen. Mohren hatte unter Tränen ein Geständnis abgelegt. Seine Ehefrau wurde wegen Beihilfe zur Bestechlichkeit zu 6600 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

          Unter Tränen

          Mohren war wegen Bestechlichkeit, Vorteilnahme und Steuerhinterziehung in neunzehn Fällen angeklagt, 330.000 Euro soll er kassiert haben. Gleichwohl hielt der Richter seine Zusicherung gegen ein glaubhaftes Geständnis aufrecht. Also ergriff das Ehepaar Mohren die Gelegenheit, der frühere Sportreporter holte zu einem Geständnis aus.

          Mohren begann nüchtern, endete aber in Tränen. Er habe geschwiegen, weil sein damaliger Anwalt ihm dazu geraten habe, sagte er. Eine allgemeine Nebentätigkeitserlaubnis habe er besessen, der Sender habe Genaues nie wissen wollen, auch nichts zum Moderationsvertrag mit der Firma Techem. Für den bekam er Geld (“Ausfallhonorare“), obwohl er nie moderierte. Sein Fehler sei es wohl gewesen, dass er den Vertrag nicht gekündigt habe, sagte Mohren. Er habe „nicht den Mut gehabt“, aber „ein schlechtes Gewissen“.

          Mohren belastete Emig

          Bei der Deutschen Sporthilfe sei es ihm darum gegangen, deren Botschaft zu verbreiten. Die gezahlten 30.000 Euro für Medienberatung habe er nicht gefordert. „Ich wäre mit jedem Betrag einverstanden gewesen.“ Eine Provision habe er auch nicht für die Vermittlung von Sponsorverträgen zwischen dem MDR und der Hasseröder Brauerei verlangt, obwohl die Verträge unterschriftsreif gewesen seien. Als die Brauerei erfahren habe, dass er selbst nichts davon habe, habe diese ihm einen zusätzlichen Betrag überwiesen. Doch habe er durch die Sponsorenakquise, die er auch für einige ostdeutsche Fußballvereine betrieb, wohl „ein Eigentor geschossen“.

          Heftig belastete Mohren den früheren HR-Sportchef Jürgen Emig, der im Oktober 2008 wegen Bestechlichkeit und Untreue zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt wurde. Emig habe ihn bedrängt und gesagt, er könne nicht aussteigen: „Ich wollte abspringen.“ Dabei war offenbar Geld im Spiel, etwa 25 000 Euro angebliche Produktionskosten, die auf das Konto von Mohrens Frau gingen, oder ein Beratervertrag über 60 000 Euro, von dem er die ersten beiden Raten annahm. Nichts als Sportreporter habe er sein wollen, sagte der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme. In der Hoffnung auf ein mildes Urteil hatte Mohren dem MDR rund 380.000 Euro Schadenersatz gezahlt.

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