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Serienstart in den Vereinigten Staaten : Blaues Blut im Polizeirevier

  • -Aktualisiert am

Komisch, unerhört, liebenswert: „Raising Hope” auf Fox Bild: dapd

Trailertrash und Superhelden: In Amerika hat die neue Fernsehsaison begonnen. Nach dem Kreativitätsschub der letzten Jahre geht es nun weniger spektakulär zu: Der Rückzug ins Bewährte dominiert, Kultverdächtiges ist kaum in Sicht.

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          Eine immense politische Verschwörung um eine Gruppe gestrandeter Außerirdischer, zwei schmierige Privatdetektive mit unlauteren Methoden und lockerem Mundwerk und drei sehr eigenwillige Familien - eine mit Superkräften, eine aus dem Trailer-Milieu, und ein Polizisten-Clan - sind die Highlights der neuen amerikanischen Fernsehsaison. Erwartungen, dass die Sender an die großen Produktionen der vergangenen Jahre anknüpfen könnten, wurden enttäuscht. Aber ein paar Perlen sind dennoch dabei.

          Das Ende der Sommerferien gilt in den Vereinigten Staaten als Startschuss für die neue Fernsehsaison. In den Wochen nach dem Labor Day, der am ersten Montag im September begangen wird, starten die Networks und Kabelsender ihr neues Programmaufgebot. Welche Serien überleben und welche dank schlapper Quoten und damit verfallender Werbeeinnahmen wieder gekippt werden, wird meist bis Ende Oktober entschieden, wenn die vierteljährliche Erhebung der Sender-Einschaltquoten durch das Nielsen-Institut ansteht. In diesem Jahr konnte sich keine der neuen Serien in den Top 10 etablieren.

          Die Serie schwankt zwischen Komödie und Krimi

          Der Aufreger dieser Saison ist NBCs mit erheblichem Aufwand beworbener Thriller „The Event“. Hauptfigur ist der junge Sean Walker (Jason Ritter) der sich auf der Suche nach seiner verschwundenen Freundin in ein weitläufiges politisches Machtgerangel zwischen Aliens und Strippenziehern aus höchsten Regierungskreisen verstrickt. Mit rasantem Erzähltempo, einer zeitlich verschachtelten Erzählstruktur und einer Reihe übernatürlicher Phänomene hofft NBC hier ganz offenbar an den Erfolg von ABCs Kultserie „Lost“ anzuknüpfen. Obwohl die Serie über die ersten Folgen hinweg die Spannung hielt, hat sich beim Publikum angesichts der zahlreichen Möchtegern-Nachfolger von „Lost“, zuletzt „V“ oder „Flash Forward“, eine gewisse Mystery-Müdigkeit eingestellt. In der vierten Episode hatte „The Event“ fast die Hälfte des Premierenpublikums eingebüßt.

          „Blue Bloods”: Tom Selleck, New Yorker Polizeichef und Familienpatriarch, bei der Präsentation der Serie

          Ein weiterer Ausflügler in die Welt des Fantastischen ist ABCs Familienkomödie „No Ordinary Family“. Michael Chiklis, zuletzt in „The Shield“ als eisenharter Detektiv Vic Mackey zu sehen, spielt hier den gutmütigen Familienvater Jim Powell, der als Papiertiger im örtlichen Polizeirevier Dienst tut, während seine Frau Stephanie (Julie Benz aus „Dexter“) im Zuge ihrer Wissenschaftskarriere den Kontakt zu den beiden Teenagern Daphne (Kay Panabaker) und JJ (Jimmy Bennett) schleifen lässt. Doch nach einem Flugzeugcrash entwickeln die Powells plötzlich übermenschliche Kräfte - Jim wird zum kugelsicheren Kraftpaket, das Riesensprünge machen und Tonnengewichte stemmen kann, Stephanie kann sich mit enormer Geschwindigkeit fortbewegen, Daphne hört die Gedanken anderer Menschen und JJ mutiert zum genialen Geist.

          In den Superkräften manifestieren sich natürlich die geheimen Wünsche der Protagonisten - und deren Kehrseite. Leider schwankt die Serie unentschieden zwischen Komödie und Krimi. Anstatt einer ganzen Staffel hat ABC nur vier neue Drehbücher bestellt.

          Die Erfolgsaussichten von „Blue Bloods“ wurden bezweifelt

          Komisch, unerhört und liebenswert zugleich ist dagegen „Raising Hope“ auf Fox. Autor Greg Garcia (“My Name is Earl“) versenkt sich hier in das amerikanische White-Trash-Universum. Jimmy (Lucas Neff) hat plötzlich ein Baby am Hals - Hinterlassenschaft einer flüchtigen Bettbekanntschaft, die auf dem elektrischen Stuhl endet. Er bringt das Kind heim in den Trailer, den er mit seinen Eltern Burt (Garrett Dillahunt) und Virginia (Martha Plimpton als Herz und Schnauze der Serie) und seiner senilen Großmutter Maw-Maw (pietätlos, schräg und wunderbar renitent: Cloris Leachman) bewohnt, und mit vereinten Kräften zieht man das Kind dort groß. Neben dem schicken CBS-Remake der Polizeiserie „Hawaii 5-0“ ist „Raising Hope“ bislang die einzige Erfolgsproduktion der neuen Saison.

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