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Senderechte : Nie wieder „Sportschau“?

Online first? Der Senderechtemarkt könnte im Fußball neu geordnet werden Bild: picture-alliance/ dpa

Bislang führt für Fußballfans kein Weg an der ARD-„Sportschau“ vorbei. Das könnte sich durch ein Urteil des Bundeskartellamts aber ändern - von dem vor allem das Internet profitiert.

          Jetzt könnte es der ARD-„Sportschau“ doch an den Kragen gehen. Das Bundeskartellamt hat der Deutschen Fußball-Liga (DFL) signalisiert, dass die Senderechte an der Bundesliga auch dergestalt angeboten werden können, dass das Internet und nicht mehr das sogenannte „Free TV“ – sprich die „Sportschau“ – im Anschluss an das Bezahlfernsehen zum Zuge kommt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Damit hat das Kartellamt seine bisherige Haltung entscheidend revidiert. Bei der letzten Rechtevergabe im Jahr 2008 hatten die Marktwächter noch verfügt, dass der Bundesliga-Fußball im frei empfangbaren Fernsehen zwischen 18 und 20 Uhr am Samstagabend zu sehen sein muss. Nun ist das Rennen offen – Google, Yahoo und andere, die Fußball im Internetfernsehen zeigen wollen, könnten an die Stelle der ARD treten.

          ARD investiert hundert Millionen

          Für den Ligaverband ist das eine gute, wenn nicht die entscheidende Nachricht. Die DFL bietet die Bundesligarechte von der Saison 2013/2014 nämlich in zwei Paketen an. Das eine schreibt die bestehenden Verhältnisse fort: Zuerst kommt das Bezahlfernsehen mit der Liveübertragung, dann ein frei empfangbarer Sender von 18.30 Uhr an, darauf folgen andere – wie das ZDF am späten Abend mit seinem „Aktuellen Sportstudio“. Variante zwei aber kehrt die Verhältnisse um: Nach dem Pay-TV kämen das Internetfernsehen und die Übertragung auf mobile Endgeräte (also Smartphones) an die Reihe, von 18 oder 19 Uhr an, das Fernsehen erst danach, von 21.45 Uhr an.

          Der ARD-Sportschau droht Raumverlust

          Das wäre das Aus für die „Sportschau“, in welche die ARD im Augenblick rund hundert Millionen Euro pro Jahr investiert und für die der Senderverbund gerade den Moderator Matthias Opdenhövel bei Pro Sieben abgeworben hat. Für das ZDF wäre es von Vorteil: Der Sender hat gerade erst für 54 Millionen Euro pro Saison die Rechte an der Champions League gekauft und tritt bei der Bundesliga seit jeher kürzer. Das ZDF-„Sportstudio“ aber würde durch den Vorzug fürs Internet automatisch aufgewertet. Die ARD müsste sich hingegen überlegen, ob sie am späten Samstagabend mit einer Fußballsendung auflaufen will. Für die Privatsender Sat.1 und RTL veränderte sich nichts zum Guten. Wenn, dann würden sie anstelle der ARD die Bundesliga am frühen Samstagabend zeigen wollen.

          Es gehe dem Ligaverband „keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen“, sagte der DFL-Präsident Reinhard Rauball. Es gehe vielmehr darum, „den verschiedenen Rechte-Nachfragern mit ihren individuellen Geschäftsmodellen und Vertriebswegen faire Chancen einzuräumen“. Man werde „nach einem Weg suchen, wirtschaftliche Notwendigkeiten mit den Interessen von mehr als dreißig Millionen Fußball-Fans in Deutschland bestmöglich miteinander zu vereinbaren.“

          Die Vereine wollen mehr Geld

          Doch geht es natürlich in erster Linie ums Geld. Die Vereine – allen voran der FC Bayern – bemängeln seit langem, dass ihnen die Fernsehrechte zu wenig einbrächten. 412 Millionen Euro aus Übertragungsrechten nimmt die DFL derzeit pro Saison ein, den Löwenanteil steuert mit 240 Millionen Euro der Bezahlsender Sky bei, es folgt die ARD mit ihren hundert Millionen und darauf ZDF und andere.

          Am Bundeskartellamt war eine Umkehrung dieser Verhältnisse bislang gescheitert. Doch hat sich nach Auffassung der Kartellwächter die Marktsituation verändert: Das Internet sorge für Wettbewerb, zudem habe die DFL kein Interesse daran, die „Sportschau“ zu kippen, habe auch nicht mehr einen eigenen Bundesliga-Kanal im Sinn, sondern eine möglichst große Reichweite zu erhalten. Damit bestehe auch aus Sicht der Bieter eine ausreichende Auswahl an Modellen und es bestünden keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen die zentrale Vermarktung der Bundesligarechte.

          Wer erhält den Zuschlag?

          Der Verband hatte dem Kartellamt seine Pläne Anfang des Jahres vorgelegt, das Amt befragte die Marktteilnehmer – Sender, Sportrechteagenturen und Vereine – und kam zu der neuen Einschätzung, die noch keine endgültige Entscheidung ist, aber die Weichen stellt. „Welche Form der Berichterstattung am Ende den Zuschlag erhält, ist nicht unsere Entscheidung. Wir prüfen die Medienrechtepakete daraufhin, ob das Vermarktungsmodell insgesamt mit dem Kartellrecht vereinbar ist“, sagte der Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

          Man werde die Ausschreibung „mit mindestens zwei wettbewerbsfördernden Verwertungsszenarien konkretisieren“, teilte die DFL mit, die Ausschreibung könne voraussichtlich Ende 2011, „wie geplant“, starten. Doch ist seit heute klar, dass es für die ARD schwerer wird, ihre Position zu behaupten und für die DFL leichter, mehr Geld als bisher mit den Rechten zu verdienen.

          Dreizehn bieten um den DFB-Pokal

          Die Angebotsfrist für den DFB-Pokal von 2012 bis 2016 endet übrigens am heutigen Dienstag, dreizehn Bewerber sind nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes im Rennen, denkbar sei auch, dass ein Bieter mehrere oder sogar alle Pakete erwirbt. Im Bezahlfernsehen soll der Pokal nicht verschwinden, könnte es aber. Auch da sind ARD und ZDF noch nicht aus dem Rennen, stehen aber in einem härteren Wettbewerb denn zuvor.

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