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Selbstversuch: In Mario Barths Kinofilm : Er will doch nur reden

Oh weh: Anja Kling und Mario Barth in „Männersache” Bild: Constantin Film

Er hat Stadien mit seiner Show gefüllt. Jetzt ist dem Komiker Mario Barth der erfolgreichste deutsche Filmstart des Jahres gelungen. „Männersache“ handelt von zwei Freunden und einer Frau dazwischen. Aber was ist das Geheimnis?

          4 Min.

          Neulich war zu lesen, wie der Berliner Komiker Mario Barth einen Vater angeschnauzt und abgefertigt hat, der im Restaurant an seinen Tisch getreten war, um freundlich nach einem Autogramm für seinen Sohn zu bitten. Seitdem bin ich ebenfalls fertig mit diesem Mann.

          Tobias Rüther
          (tob), Feuilleton

          Und deswegen bin ich jetzt auch in seinen Kinofilm gegangen.

          Denn Mario Barth verfolgt mich. Er lässt mich nicht los. Immer muss ich hinsehen, wenn er im Fernsehen vor seinem tobenden, glücklichen Publikum herumturnt. Ich halte es nicht aus, aber ich bleibe trotzdem am Bildschirm hängen, es ist wie beim Glotzerstau nach einem Unfall auf der Autobahn. Das gibt dem Ausdruck, sich schrottzulachen, eine ganz neue Dimension.

          Wenigstens sie selber lachen: Dieter Tappert, Anja Kling und Mario Barth (v.l.)
          Wenigstens sie selber lachen: Dieter Tappert, Anja Kling und Mario Barth (v.l.) : Bild: ddp

          Barths Witzmechanik haben die Leute von der Parodieshow „Switch Reloaded“ vor einigen Zeit schön auf den Punkt gebracht: „Kennta den? Kennta den?“, ruft da ein Barthscher Doppelgänger ins Mikro, typisch in Jeans und grellem T-Shirt und gebückter Haltung. „Pass uff!“ Dann lacht der doppelte Barth schon mal selbst los, lacht die Pointe herbei, wie es auch das Original ständig tut, und man fragt sich, was Wunder jetzt kommt, und es kommt: „Männer.“ Das ist die Pointe: Männer. Und dann lacht der Pseudobarth wieder und das Publikum jubelt und dann ruft er sich selbst hinterher: „Ist doch der Knaller!“

          Männer.

          Und Frauen.

          Das ist nicht zugespitzt, das ist ein Programm. Sein Programm. Männer. Und Frauen. Mario Barth redet sehr gern über Frauen, er redet im Grunde ständig und nur über Frauen, über seine Freundin, über seine Mutter („Mütta, kennta die?“), er redet und redet und redet und macht genau das, was in seinen Witzgeschichten die Frauen zum ewigen Unglück der Männer ununterbrochen machen: reden und reden und reden.

          Sie texten die Welt zu

          Über die Frage, wer im Text spricht, haben sich französische Philosophen wie Roland Barthes im zwanzigsten Jahrhundert den Kopf zerbrochen. Sein Berliner Namensvetter hat sie für das einundzwanzigste Jahrhundert eindeutig beantwortet: die Frauen. Es sprechen immer nur die Frauen. Sie texten die Welt zu.

          Gut, solche Namenswitze sind eigentlich auch nicht erlaubt. Aber Witze über das Mitteilungsdranggefälle zwischen Männer und Frauen eben genauso wenig. Barths Gags speisen sich allerdings zu gefühlten neunundneunzig Prozent daraus. „Männer sind . . . und Frauen auch, überleg dir das mal!“, hatte Loriot alias Heinrich Lohse im Film „Pappa ante Portas“ zu seinem einsilbigen Sohn gesagt. In dieser Szene klärte sich alles auf einmal: das Verhältnis von Männern zu Frauen, Sex und die Unfähigkeit, darüber zu reden. Loriots berühmter Satz, dass Männer und Frauen nicht zueinanderpassen, hat meist eine dynamische Komik erzeugt, Slapstick und Chaos inklusive. Mario Barth aber geht einen Schritt weiter zurück. Und bewegt sich von dort keinen einzigen mehr voran: Männer bleiben Männer, Frauen bleiben Frauen, es ändert sich nie etwas daran, dass die einen sich das Gequassel der anderen anhören müssen, obwohl sie viel lieber in die Kneipe wollen. Und über dieses Naturgesetz lachen Männer und Frauen in Barths Shows dann gemeinsam: Männer darüber, dass sie am liebsten Bier trinken, und Frauen darüber, dass sie ihre Männer am liebsten davon abhalten, Bier trinken zu gehen, indem sie die armen Opfer zum gemeinsamen Einkaufen zwingen.

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