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Sarah Palin : Lächelnd auf die harte Tour

Fernsehfamilie: Sarah Palin mit ihren Töchtern Willow (r.) und Piper bei Oprah Winfrey Bild: AP

Ein echter Medienstar: Sarah Palin ist überall im Fernsehen. Oprah Winfrey, Barbara Walters, Sean Hannity und Bill O'Reilly helfen, ihr Buch zu verkaufen. Nur ihr Erzfeind David Letterman bekommt keinen Besuch von ihr.

          Aus dem linksliberalen Fegefeuer ins erzkonservative Paradies: Sarah Palin hat die letzten Tage einen weiten Weg zurückgelegt. So richtig vom Fleck gekommen ist sie aber nicht. Denn auch am Ende, als sie drei Abende lang bei Bill O'Reilly einkehrt, um sich von ihm bestätigen zu lassen, wie wunderbar und konkurrenzlos sie zugleich als Diva und Normalverbraucherin aufzutreten vermag, ist alles wie immer.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          In längst vertrauter Manier plätschert ein Redefluss, der Familienklatsch, Politgeschwafel und ideologische Grundsatzbekenntnisse munter aufschäumen lässt und nie versiegt. Eine harte Prüfung für jeden, der noch nicht Sarah Palins Fanclub beigetreten ist. Dessen Mitglieder aber werden nicht müde, darin ein erfrischendes Bad zu nehmen, solange sie nur bei ihrer populistisch zugespitzten Erzählung von der Pionierin, Rebellin und Kämpferin fürs gute, alte Amerika bleibt. Das wird naturgemäß immer schwieriger für eine Frau, die gegen Washington und Amerikas Medienelite loszieht, inzwischen aber, ob sie es will oder nicht, dazugehört.

          Egal, für „Fox News“ und seine Zuschauer ist sie ein Superstar. Sean Hannity, neben Bill O'Reilly und Glenn Beck einer der drei führenden Scharfmacher des Senders, liegt ihr sitzend zu Füßen. Die Konkurrenz, allen voran MSNBC, stürzt sich danach auf die Delikatesse, die Frau Palin serviert, als sie in einem ihrer ausladenden außenpolitischen Gedankenflüge erst vorführt, dass sie den Namen des iranischen Präsidenten nicht nur kennt, sondern auszusprechen weiß, und dann den Irak mit Iran vermischt oder verwechselt oder irgendwie nicht landläufig auseinanderhält. Hannity tut so, als sei nichts passiert. Die Reaktionen außerhalb von „Fox News“ sind tumultuös.

          Ton in Ton mit der Talkmasterin: Familie Palin bei Barbara Walters

          Keiner wirbt besser als Sarah

          Ausgelöst wurden die jüngsten Palin-Festspiele von einem Buch, das schon seinem Titel nach ein Schurkenstück ist: „Going Rogue“, ihrer Biographie, für die sie Werbung zu machen hat. Und keiner wirbt besser als Sarah. Andererseits scheint der Schmöker mit der Startauflage von eineinhalb Millionen Exemplaren sich von selbst zu verkaufen, wie schon die schwindelerregenden Vorbestellungszahlen andeuteten. Trotzdem: Die ehemalige Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftskandidatin, die nach der Niederlage John McCains gegen Barack Obama schließlich auch ihren Schreibtisch in Juneau vor Ablauf ihrer Amtsperiode räumte, weil sie, wie sie beteuerte, nur das Beste für ihren geliebten Heimatstaat im Auge hatte, diese Gemeinwohltäterin geht nun als Autorin auf Nummer Sicher und übernimmt eigenhändig den Buchverkauf.

          Dazu durchquert sie, wie ein Rockstar im Bus, Amerika und beehrt die Talkshows. Oprah Winfrey war die Erste, der sie einen Besuch abstattete, und wer glaubte, zwischen der Verehrerin Obamas und seiner erbarmungslosen Kritikerin könnten und müssten die Funken fliegen, sah sich bitter enttäuscht.

          Mehr als ein laues Fegefeuer hat Oprah nicht zu bieten. Ja, dann und wann gibt es eine kleine Spitze, etwa als der legendäre Interviewreinfall der Vizepräsidentschaftskandidatin zur Sprache kommt und die Bestsellerautorin jetzt herablassend die damals ziemlich verdutzte Interviewerin Katie Couric als the perky one, die Kecke, bezeichnet. Worauf Oprah meint: „Sie sind auch recht keck.“ Aber als Oprah wissen will, ob ihr Gast nicht vorhabe, bald ins Talkgeschäft einzusteigen, schmeichelt die eine der anderen nur: „Oprah, Sie sind doch die Königin der Talkshows.“ Deswegen ist Sarah Palin keine mindere Medienvirtuosin. Wie sie in den folgenden Tagen immer wieder beweist, hat sie gelernt, auch potentiell peinliche Fragen unbeirrbar zu durchlächeln.

          Dem Präsidentenamt nicht abgeneigt

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