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Sarah Palin : Lächelnd auf die harte Tour

  • -Aktualisiert am

Barbara Walters schnipselt uns das Interview mit Sarah Palin über die ganze Woche hin. Hoheitsvoll blickend, fragt die Doyenne der amerikanischen Fernsehfrager, was die Politikerin denn so vom Kollegen Obama hält. Nicht viel, welch Überraschung. Auf einer Skala von eins bis zehn würde sie ihm eine Vier geben. Der Nobelpreis? Eindeutig verfrüht. Obamas Nachfolge anzutreten wäre sie offenbar aber nicht abgeneigt, auch wenn sie noch nicht unmissverständlich ihre Kandidatur ankündigt. Da vermag Frau Walters nicht viel mehr aus ihr herauszubringen als Frau Winfrey. Dass sogar Parteifreunde und zuverlässig konservative Kommentatoren, ob Charles Krauthammer, David Brooks oder Ross Douthat, an ihrer Befähigung zum allerhöchsten politischen Amt zweifeln, zeigt erwartungsgemäß wenig Wirkung bei ihr und ihren Getreuen.

Auch Barbara Walters fragt sie, wie das nun mit der eigenen Talkshow sei. Elegant schmettert die Autorin ab: Sie schreibe lieber, als zu reden. Wie viel sie wirklich in dem Buch geschrieben hat, wird freilich wohl auf ewig ungeklärt bleiben. Wer das Weiße Haus anpeilt, nunmehr aber in der Primadonnenrolle, hat sicher Besseres zu tun, als nach eingängigen Formulierungen zu suchen, und dass auch mit einer begnadeten Schriftstellerei in Washington nicht viel Staat zu machen ist, muss gerade der aktuelle, literarisch ausgewiesene Präsident erfahren und uns vor Augen führen. Ihr Leben hat Sarah Palin sich folglich in Worte fassen lassen, und zwar von Lynn Vincent, die Erfahrung im Geisterschreiben hat, sonst vorwiegend für evangelikale Verlage tätig ist und auch deswegen als geheime Idealbesetzung gelten darf.

Ein Rachefeldzug

Politik spielt in „Going Rogue“ eher eine untergeordnete Rolle. Es ist eine große Abrechnung mit den Gegenspielern, die ihr während der Präsidentschaftskampagne das Leben schwergemacht haben. Mehr als die Demokraten und die, wie sie meint, ihnen verfallene Medienmeute bekommen ihr Fett McCains Leute weg. Das Buch ist auf weiten Strecken der Rachefeldzug einer Frau, die Barbara Walters versichert: „Mein ist die Rache nicht.“ Zwischendurch kommen Energie- und Sicherheitspolitik zur Sprache, aber wie es sich für eine Autorin gehört, die Mutterschaft als bestes Training für eine politische Karriere ansieht, hat sie über ihr Familienleben in Alaska, ihre Hockeymutterpflichten und Behauptungen wie ihre grundlegende Normalität, ihren mustergültigen Status als urgewöhnliche Amerikanerin und die Schwächen der Evolutionstheorie viel mehr zu berichten.

Ein gefundenes Fressen für Bill O'Reilly, bei dem sie wieder zum reinen Heimspiel antritt. O'Reilly, der uns ein Interview verspricht, das kein Pardon kennen soll, schwärmt indes vor laufender Kamera von ihrem Bestseller, versichert ihr, Millionen von Bewunderern zu haben, trotz all der schändlichen Medienattacken, all der von „falschen negativen Emotionen“ getriebenen Linkselitärliberalen, die sich von Sarah Palins Starqualität bedroht fühlten und neuerdings die Frechheit besäßen, sie Evita zu nennen. Was soll sie nur dazu sagen außer: „Ich stehe immer noch aufrecht und bin hier bei Bill O'Reilly, ich meine, das ist schon ein bisschen ein Sieg.“ Bei so viel gegenseitiger Beweihräucherung kann O'Reilly gar nicht anders, als in ihr die Stimme des amerikanischen Kernlands, des heartland, zu vernehmen.

Auch ihn treibt allerdings die Frage um: Würde sie denn bei ihrem Erzfeind David Letterman vorbeischauen, um ihr Buch zu verkaufen? „Nein, ich glaube nicht, dass ich seine Einschaltquote hochtreiben wollte.“ So spricht keine Hockeymutter aus Wasilla, keine selbsternannte Durchschnittsamerikanerin. So spricht ein echter, von sich selbst überzeugter Medienstar. Und somit eine Frau, mit der weiterhin zu rechnen ist, auch und gerade in Washington.

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