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RTL und Vox stärken Zusammenarbeit : Programmplaner in der Teeküche

  • -Aktualisiert am

Georg Glueck, Sarah Connor und Till Brönner suchen in der Show X-Factor nach musikalischen Talenten. Erst bei RTL, dann bei Vox Bild:

RTL hilft Vox, die neue Castingshow „X-Factor“ anzuschieben. Die Sender kooperieren schon seit Jahren hinter den Kulissen, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Und die Zusammenarbeit ist viel stärker ausgeprägt, als man denkt.

          Seit Anfang der Woche hat Vox ein neues Zuhause. Der Sender ist vom Köln-Ossendorfer Industriegebiet in die ehemaligen Messehallen am Rhein gezogen, unter ein Dach mit dem großen Bruder RTL, dessen Mitarbeiter bereits vor einigen Wochen den Arbeitsplatz gewechselt haben. Das Zusammenrücken in Innenstadtnähe hat nicht nur praktische Gründe, sondern auch symbolischen Wert: Die Zeiten, in denen sich jeder nur ums eigene Programm kümmerte, sind lange vorbei. Hinter den Kulissen kooperieren RTL und Vox seit Jahren, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

          Als Zuschauer sieht man davon sonst nur wenig. Heute Abend ist die Ausnahme. Um Viertel nach acht startet die neue Castingshow „X-Factor“, die als Mischung aus „Deutschland sucht den Superstar“ und „Unser Star für Oslo“ angelegt ist, was so viel heißt wie: ein bisschen Soap ist okay, aber es soll vor allem um die Musik gehen. In der Jury sitzen die Sängerin Sarah Connor, der Trompeter Till Brönner und der Musikmanager George Glueck.

          Die Programmhoheit überlässt RTL aber klar Vox

          Das Besondere an „X-Factor“ ist, dass sich RTL und Vox die Show teilen, zumindest zu Beginn. Die ersten beiden Folgen zeigt der Marktführer beim jungen Publikum, am Dienstag übernimmt für den Rest der Staffel Vox. „Wir sehen es als Chance, durch den Anschub von ,X-Factor‘ bei RTL Vox neue Zuschauer zuzuführen, die das Genre Show bei Vox bisher noch nicht gefunden haben. Die Zusammenarbeit bietet sich allein schon deshalb an, weil RTL eine große Kompetenz im Bereich Castingshow hat“, sagt die RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt. Seit einiger Zeit laufen auf beiden Sendern Trailer für die Sendung. Die Programmhoheit überlässt RTL aber klar Vox. Geschäftsführer Frank Hoffmann sagt: „Es war für uns entscheidend, ,X-Factor‘ auf jeden Fall in die Gruppe zu holen und keinesfalls der Konkurrenz zu überlassen. Natürlich ist diese Programmierung für Vox ein Wagnis – das aber durch die Kooperation mit RTL abgemildert wird. Zudem können wir auf das Know-how von RTL zurückgreifen.“ Dort wurde eine Kollegin freigestellt, die Vox bei „X-Factor“ berät und unterstützt.

          RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt

          Es ist ein Test, ob sich die Marktdominanz des großen Senders nutzen lässt, um den kleineren profitieren zu lassen – und ein Prinzip, das im Erfolgsfall wohl öfter herrschen wird. Auch wenn RTL-Chefin Anke Schäferkordt sagt: „Ein Gesetz gibt es nicht.“ In jedem Fall ist es die konsequente Fortführung einer Entwicklung, Programme gemeinsam zu planen, um sich nicht gegenseitig die Zuschauer wegzuschnappen. „Natürlich ist es unser strategisches Interesse zu wachsen, aber eben genau nicht auf Kosten des Schwestersenders“, sagt Anke Schäferkordt.

          Das sind strategische Überlegungen

          Wichtig ist eine kohärente Programmplanung, bei der darauf geachtet wird, dass die Sender, die bei den Zuschauern ja trotzdem als Konkurrenten auftreten, an ein und demselben Abend unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. „Wir freuen uns, dass gegen den Start von ,X-Factor‘ bei uns nicht die neuen Folgen von ,Dr. House‘ laufen,“ sagt der Vox-Chef Hoffmann. „Genauso würden wir gegen den Staffelstart von ,Alarm für Cobra 11‘ ja auch keine männeraffinen Spielfilme setzen – die heben wir uns lieber auf, um sie gegen ,Germany’s Next Topmodel‘ bei Pro Sieben zu programmieren.“ Am offensichtlichsten ist die Absprache bei den amerikanischen Serien, mit denen Vox montags sein Abendprogramm bestreitet, RTL am Dienstag, Vox wiederum am Mittwoch – und die ganze Woche so weiter.

          Vor allem was Serien angeht, beginnt die Zusammenarbeit schon früher, meist beim Einkauf, wenn abgewogen wird, zu welchem Sender eine Reihe passen könnte. Dabei hat nicht immer automatisch der große Bruder die besten Chancen. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren jeweils die beste Serie, die wir für die Gruppe eingekauft haben, zu Vox gegeben“, sagt Anke Schäferkordt. „,Lie to me‘ wäre zum Beispiel eine Serie gewesen, die ohne Frage auch bei RTL hätte funktionieren können. Aber durch die neuen Programme konnte Vox einen dritten Serienabend etablieren. Es liegt uns sehr am Herzen, Vox weiter auszubauen und zu fördern.“ Gerade sind die neuen Serien „Nurse Jackie“, „White Collar“ und „Royal Pains“ in der Synchronisation. Wo sie zu sehen sind, ist noch nicht endgültig entschieden.

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