https://www.faz.net/-gqz-xp3n

Pro Sieben Sat.1-Vorstand Andreas Bartl : Ist Vierzig wirklich das neue Zwanzig?

  • Aktualisiert am

Sat.1 verschleiert jetzt auch: In einem neuen Fernsehfilm spielt Yvonne Catterfeld „Die Frau des Schläfers” Bild: Sat.1

Bei der zweitgrößten Sendergruppe des Landes passiert etwas: Pro Sieben kreiert ein neues Modelabel, Sat.1 setzt auf alte Tugenden. Und Oliver Pocher bekommt eine neue Show. Ein Gespräch mit dem Vorstand Andreas Bartl.

          Was würden Sie tun, wenn Sie – nicht privat, sondern als Geschäftsträger – einen Jackpot gewönnen mit drei Milliarden Euro?

          Andreas Bartl: Das ist eine schöne Vorstellung. Da wüsste ich einiges zu investieren.

          Sie könnten die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe ablösen. Aber Ihre Aufgabe als Vorstand und Holdingchef der deutschen Sender besteht ja darin, ins Programm zu investieren. Wie funktioniert das eigentlich? Sie haben inzwischen eine recht komplizierte Struktur mit ihren verschiedenen Sendern – Sat.1, Pro Sieben, Kabel eins und sixx. Ich stelle mir vor, dass bei Ihnen eine Konferenz die nächste jagt. Da gibt es die für alle Kanäle zuständigen Chefs der Programmbereiche und die Senderchefs. Wie weiß denn da die Linke, was die Rechte will?

          Das geht gut, auch wenn es etwas komplexer angelegt ist. Wir haben inzwischen einen guten Entscheidungsablauf entwickelt. Ich kann Sie beruhigen: Wir sitzen nicht die ganze Zeit in Konferenzen, wir machen Programm.

          Erfolgsserie auf Sat.1: Annette Frier als Rechtsanwältin „Danni Lowinski”

          Wer entscheidet denn letzten Endes, welches Programm wo läuft?

          Der Senderchef ist derjenige, der die Marke verantwortet und führt. Die zentralen Programmverantwortlichen sind inhaltlich verantwortlich, stimmen sich aber ab mit den Senderchefs. Sollten sich die Programmstrategen und die Senderchefs einmal nicht einig sein, entscheide im Zweifel ich.

          Bei Sat.1 sind Sie auch Geschäftsführer und entscheiden folglich ganz allein.

          Nein. Ich habe mich schon früher als Senderchef sehr mit meinen Experten abgestimmt. Ich bin der Überzeugung, dass beim Fernsehen einer unmöglich alles wissen kann. Ich entscheide gern – nach eingehender Diskussion. Das läuft bei Sat.1 nicht anders als bei unseren anderen Sendern.

          Behält Sat.1 denn seine Position als Sender mit eigenproduziertem Programm?

          Ja, wobei dies eine Positionierung ist, die wir behaupten müssen. Bei Sat.1 hat es geraume Zeit keine erfolgreichen selbstproduzierten Serien zur besten Sendezeit gegeben. Das hat sich mit „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“, Gott sei Dank, wieder geändert. Die eigenen Produktionen waren seit je prägend für Sat.1. Daran wollen wir anknüpfen. Der Sender wird mit Attributen identifiziert wie familienfreundlich, menschlich, relevant, hochwertig. Das ist unser Maßstab.

          Finden Sie das Abschneiden von „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ ermutigend?

          Ich habe mich selten beruflich über etwas so gefreut wie über den Erfolg dieser beiden Serien. Sie sind für uns ein ganz wichtiger Test, ob unsere Vorstellung vom Programm auch beim Publikum Zuspruch findet. Wir haben die beiden Serien eine Zeitlang im Bestand gehalten, sie sind gereift wie ein guter Wein, bis wir den richtigen Zeitpunkt für den Start gefunden hatten. Diese beiden Serien entsprechen dem, was Sat.1 früher schon geschaffen hat – handwerklich hochwertig produzierte, gut erzählte Geschichten mit authentischen Figuren, Humor, Esprit und viel Herz. Ich denke, in der Branche freuen sich auch einige über den Erfolg, weil er zeigt, dass deutsche Serien bei Sat.1 in der Primetime endlich wieder funktionieren.

          Sehen Sie das als Zeichen einer Trendumkehr? Bei den Serien dominieren seit Jahr und Tag amerikanische Stücke.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warnstreik : Deutsche Bahn stellt bundesweit Fernverkehr ein

          Im Fernverkehr rollt wegen des Warnstreiks an diesem Montagmorgen kein Zug mehr. Auch im Regionalverkehr in Hessen, Bayern und NRW sowie im S-Bahn-Verkehr in Berlin und Frankfurt geht nichts mehr.

          Protest in Frankreich : Wilde Gesten in gelben Westen

          Hat der Aufruhr in Frankreich einen Gesamtwillen? Die Gelbwesten fordern Macrons Rücktritt und zugleich die Einlösung seiner Wahlversprechen: Ein französisches Paradox.

          TV-Kritik: „Anne Will“ : Die Macht der Netzwerke

          Anne Will versuchte zu erklären, wie sich Annegret Kramp-Karrenbauer durchsetzen konnte. Vieles dürfte ungewiss bleiben, nur eines scheint klar: Netzwerke bleiben für Politiker unerlässlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.