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„Pop around the clock“ bei 3sat : Sie mögen Musik nur, wenn sie laut ist

  • -Aktualisiert am

Grüßt mit der böhmischen Rhapsodie: Sängerin Pink, hier bei einem Konzert Anfang des Monats in Zürich Bild: AP

Silvester wird zum Festtag für Freunde der konzertanten Popmusik: Der Thementag „Pop around the clock“ bei 3sat bietet vierundzwanzig Stunden Liveauftritte. Die Aufnahmegeräte laufen heiß.

          Das Pop-Alphabet reicht dieses Mal von K wie Kravitz bis D wie Duffy. Der kommende 3sat-Thementag „Pop around the clock“ eröffnet früh um 4.45 Uhr mit einem Unplugged-Auftritt von Lenny Kravitz, den Ausklang bildet im neuen Jahr gegen halb acht Uhr morgens ein Mitschnitt der Neo-Soul-Chanteuse Duffy. Silvester 2009 wird zum Festtag für Freunde der konzertanten Popmusik, vor allem, wenn man in Gegenden zu Hause ist, in die sich die Großen der Branche nur selten verirren. Und gleich mehrere dieser begehrten Kräfte sind im diesjährigen Angebot vertreten: The Bee Gees, Fleetwood Mac, Queen, Tina Turner, Stevie Wonder. Dazu gesellen sich aktuelle Künstler wie die Söhne Mannheims, Peter Fox, Silbermond und The Killers. Oasis sind - nach ihrer Auflösung vermutlich zum letzten Mal - dabei, auch Green Day und der Neo-Disco-Heuler Mika.

          Manchmal tue es ihm leid, sagt der 3sat-Redakteur Robert Reiter, weil er vorzügliche Konzerte zum Teil sehr früh am Tag oder in der tiefsten Nacht versenden muss. Aber das liegt in der Natur dieses inzwischen zur Tradition gewordenen Thementages, der mehr als vierundzwanzig Stunden lang beinahe en suite, nur von kurzen Trailern und den Hauptnachrichtensendungen von ZDF und ARD unterbrochen, Live-Mitschnitte von Popmusikern erster Garde offeriert. Immerhin wird in der Silvesternacht länger und anders ferngesehen als an anderen Tagen - bei vielen Partys dienen die 3sat-Sendungen zur musikalischen Untermalung. Manch einer wird in diesem Jahr womöglich auf Raketen und Böller verzichten und sich lieber einem anderen Feuerwerk zuwenden: Um null Uhr öffnet sich die Bühne für George Michael. Das Konzert seiner „25 live“-Tour läuft während des Interviews im Hintergrund. „Mein lieber Mann“, sagt Robert Reiter. Recht hat er.

          Die Zuschauerzahl verdreifacht sich

          Seit 2002 widmet 3sat das Silvesterprogramm ausschließlich der Popmusik. Vordem gab es Klassik-, Ballett- und auch mal Jazz-Thementage. Dann versuchsweise ein Non-Stop-Programm mit Popkonzerten, anfangs noch zu einem Gutteil aus Programmbeständen der 3sat-Sender ARD, ZDF, ORF und SRG zusammengestellt. „Pop around the clock“ wurde ein Erfolg und zur festen Einrichtung mit einem treuen Publikum, das auch die Wiederholungen am 1. Mai gerne einschaltet. Wenn „Pop around the clock“ auf dem Programm steht, steigt die Zuschauerquote von 3sat merklich, nahezu bis aufs Dreifache. Wobei die Aufzeichnungsgeräte, die an diesen Tagen in großer Zahl im Einsatz sind, noch gar nicht zu Buche schlagen. Die Anbieter der Konzertvideos erleiden dadurch keinen Schaden. Im Gegenteil: Am Tag nach der Sendung schnellen bei den Internetanbietern die Verkaufszahlen der Konzert-DVDs nach oben. Der Grund ist einfach: Dank der Fernsehausstrahlung wissen die Kunden, was sie erwartet, während Blindkäufe von DVDs schon mal zu bitteren Enttäuschungen führen können.

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          Robert Reiter, der das Projekt seit Anbeginn betreut, beginnt bereits im Sommer mit den Vorbereitungen. Er sichtet das Vierfache dessen, was er zur Gestaltung seines Thementages benötigt. Inzwischen bezieht er die Konzertmitschnitte hauptsächlich von Platten- und von einschlägig spezialisierten Produktionsfirmen oder auch von den Managements der Künstler. Auch besonders gelungene Senderproduktionen zieht er in Betracht, so wie in diesem Jahr die MTV-Unplugged-Session „Wettsingen in Schwetzingen“ der Söhne Mannheims und Xavier Naidoos.

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