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Olli Dittrich im F.A.Z.-Gespräch : Deutschland ist wieder wer

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Ma' sagn: Dittsche, ein Deutscher von Welt Bild: WDR/Mathias Bothor

An diesem Sonntag geht die Serie „Dittsche - das wirklich wahre Leben“ in die zwölfte Staffel. Den Macher Olli Dittrich haben wir gefragt, welchen Einfluss die Wirtschaftskrise auf das wirklich wahre Leben im Fernsehen hat.

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          An diesem Sonntag geht die Serie „Dittsche - das wirklich wahre Leben“ in die zwölfte Staffel. Den Macher Olli Dittrich haben wir gefragt, welchen Einfluss die Wirtschaftskrise auf das wirklich wahre Leben im Fernsehen hat.

          Wie würden Sie selbst den langzeitarbeitslosen Bademantelträger Dittsche beschreiben, der in einer Hamburger Imbissbude den Laden mit unhaltbaren Thesen zur Lage der Nation aufmischt?

          Dittsche ist ein im besten Sinne einfacher Geist, allerdings ganz und gar nicht unintelligent. Nur ist er in seinem Leben irgendwann falsch abgebogen. Er ist einer, der immer scheitert, aber das Herz auf dem rechten Fleck trägt. Bei seinen waghalsigen Ideen, Erfindungen, Basteleien und Verschwörungstheorien schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen, und doch ruft er so etwas wie Rührung hervor, weil er sich so arglos begeistern kann. Dittsche ist einer von der Straße.

          Außer sonntags geöffnet, dann wird gedreht in der Eppendorfer Grill-Station

          Was unterscheidet ihn von anderen Menschen?

          Dort, wo Fragen offen bleiben - bei Katastrophen, Krankheiten und bei allen Bedrohungen, deren Ausmaße und Lösungen unklar sind, weiß Dittsche eine Antwort. Die ist allerdings meist sehr skurril.

          Auf dem Arbeitsmarkt sehen wir ihn wohl nicht wieder?

          Dittsche hat es immer wieder mal versucht zu arbeiten und dann kommt er auch mit stolzgeschwellter Brust in den Imbiss und erzählt davon. Es waren dann immer Freunde oder Bekannte, wie Giovanni oder Herr Ohnuseit, die ihm den Job verschafft haben. Doch er scheitert jedesmal, weil er sich einfach nicht einordnen kann, Unsinn treibt und am Ende immer die anderen die Schuld haben. Wie im Gartencenter, wo er Torfsäcke ungefragt öffnet und in den Schubkarren Reisegärten anlegt.

          Was ist so „wirklich wahr“ an dem Leben, das Sie zeigen?

          Der Imbiss als Ort des Geschehens ist ein sehr wahrer Ort. Alle möglichen Menschen treffen sich dort. In dieser Art von Imbiss habe ich in jungen Jahren in Hamburg Wandsbek jeden Tag gegessen, da kamen alle rein: Trucker, Kurierfahrer, Arbeitslose, Handwerker. Gemischtes Volk sozusagen. Ich habe immer schon ein Faible dafür gehabt, diesen Leuten zuzuhören, wie sie über das einfache Leben reden, was für Sprüche sie klopfen. Ich sympathisiere zutiefst mit Menschen, deren Wünsche nicht in den Himmel wachsen. Oft dachte ich: unglaublich, was sie zu erzählen haben und wie! Aus diesen Beobachtungen habe ich den Dittsche als Stand-up-Nummer zunächst für die Bühne entwickelt. Die Grillstation, in der wir jetzt drehen und die wir lange gesucht haben, ist im Grunde nur spiegelverkehrt angeordnet zu dem Wandsbeker Vorbild. Und dieser Dittsche, den ich darstelle: er lebt, er marschiert am Sonntag live in diesen Imbiss hinein und improvisiert eine halbe Stunde vor festinstallierten Kameras. Das ist kaum noch fiktional.

          Bekämen Sie sicher mit, wenn die Wirtschaftskrise die Dittsche-Welt der einfachen Leute plötzlich stärker erreichte?

          Wie jeder andere Mensch auch. Ich habe eine gute Bodenhaftung und würde mich ja schämen, so ein Format wie Dittsche zu machen, wenn das nicht so wäre.

          Was hat Dittsche eigentlich gewählt?

          SPD. Er ist großer Fan von Helmut Schmidt, dem großen Hanseaten.

          Was würde er zur neuen Regierung sagen?

          Das war doch klar, dass die Merkel wieder gewinnt. Merkel ist Deutschland. Sie ist ja auch in Amerika gut bekannt. Der George W. Bush hat ihr noch von hinten in die Schulter gekniffen und dämlich gelacht dabei, aber Obama gibt ihr ein Küsschen rechts und links, das ist 'n ganz anderer Schnack. Deutschland ist wieder wer.

          Soziale Kälte ist das Stichwort ...

          Solange er den Imbisswirt Ingo und Schildkröte hat, seinen Freund Giovanni und Frau Karger im Haus, ist für ihn die Welt in Ordnung.

          Sie laden regelmäßig Gäste in den Fernsehimbiss, die dann mit Ihnen zusammen improvisieren. Wäre Guido Westerwelle nicht ein großartiger Kandidat? Wie würde Dittsche reagieren, wenn der Anwalt der Leistungswilligen plötzlich die Grillstation beträte?

          Erstmal wäre er sprachlos und klein mit Hut. Wenn Westerwelle wieder draußen wäre, würde Dittsche zu Ingo sagen: Der wollte mich bestimmt in seine Mannschaft holen, hat sich aber nicht getraut zu fragen.

          Was würde ohne Dittsche fehlen?

          Mir oder dem deutschen Fernsehen allgemein?

          Beiden.

          (überlegt) Anarchie?

          Subversion?

          Ja, absolut. Dittsche ist komplett nicht regelkonform in seiner Welterklärung. Ihm kann ja nichts mehr passieren. Er weiß ja, dass - auf Deutsch gesagt - der Arsch ab ist bei ihm, da unten ist ja nicht mehr viel Platz.

          Haben Sie schon eine Idee davon, was in der Sendung am Sonntag vorkommen wird?

          Nein. Das wird drei Stunden vor Beginn in groben Zügen beim Italiener entschieden.

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