https://www.faz.net/-gqz-11ojr

Ohne „Schmidt und Pocher“ : Pure Verachtung genügt nicht

  • -Aktualisiert am

Handshake bald nur noch abseits der Bühne: Schmidt und Pocher Bild: ddp

Oliver Pocher ist exakt, was er scheint. Harald Schmidt ist eine Projektionsfläche, auf der immer noch die Erinnerung an die Zeiten durchschimmert, als er gut war. Wenn Stefan Niggemeier „Schmidt und Pocher“-Gucker wäre, würde er ab April Pocher vermissen.

          Wenn ich „Schmidt und Pocher“ gucken würde, würde ich Oliver Pocher vermissen. Als er in dieser Woche Katharina Wagner, die künftige Leiterin der Bayreuther Festspiele, ankündigte, sagte er: „Sie wird uns darüber berichten, wie sie damals die Pizza erfunden hat.“ Ein schlichter kleiner Witz, an dem das Schöne ist, dass er nicht tut, als sei er etwas anderes. Wenn Schmidt so einen Witz macht, bekommt er schon dadurch Fallhöhe, dass er, der große, kluge Schmidt, ihn macht, was die Schlichtheit wahlweise zu einer Scheinschlichtheit oder einer Superschlichtheit macht - da lobe ich mir den unangestrengt schlichten Witz an sich.

          Pocher ist exakt, was er scheint. Schmidt ist eine Projektionsfläche, auf der immer noch die Erinnerung an die Zeiten durchschimmert, als er gut war, und die grundlose Hoffnung, dass er wieder so werden könnte. Und die Menschen fallen immer wieder auf dieses Versprechen herein. Dass es besser wird, wenn er häufiger kommt, seltener, länger, kürzer, nach einer Pause, ohne Pause, mit Pocher, ohne Pocher. Schmidts Geschäftspartner Fred Kogel hat gerade den Phantomschmerz noch einmal aufklingen lassen, als er versprach, im Wahljahr „die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt“, dabei spricht nichts dafür, dass es Pocher ist, der sie reißen würde.

          Man muss die Dinge ernst nehmen

          Natürlich fehlt jemand, der den politischen Wahnwitz mit Gewicht und Leichtigkeit entlarvt, und Kogel hat auch die Referenz genannt: den Amerikaner Jon Stewart mit seiner „Daily Show“. Aber Stewarts Humor ist sichtbar getrieben von eigener Amüsiertheit und eigener Wut, und Voraussetzung für beides ist: Interesse. Die Haltung von Harald Schmidt zu all dem, was in den Niederungen der Politik und des Lebens passiert, ist pure Verachtung. Überhaupt ernsthaft und genau zu verfolgen, was im Wahlkampf passiert, wäre da schon eine unangemessene Adelung des Geschehens.

          Es wäre ein Fehler, darauf zu hoffen, dass Harald Schmidt das Wahljahr mit „Anspruch und Intellekt“ begleiten würde. Er hat keinen Standpunkt mehr, von dem aus die Dinge nicht winzig klein aussehen. Man muss die Dinge ernst nehmen, um sich gut über sie lustig machen zu können.

          Weitere Themen

          Das Ende der Metapher

          Amanda Palmers Tour : Das Ende der Metapher

          Amanda Palmer, einst Sängerin der Dresden Dolls, tourt mit einem therapeutischen Sitzkonzert. Es geht um tote Babys und um Mitgefühl. Und alles hat mit Trump zu tun.

          „Ich hatte viel Bekümmernis“ Video-Seite öffnen

          Gaechinger Cantorey : „Ich hatte viel Bekümmernis“

          Die Gaechinger Cantorey führt bei ihrer Bach-Pilgerreise in der Stadtkirche zu Weimar mit dem Schlusschor die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ BWV 21 von Johann Sebastian Bach auf.

          Topmeldungen

          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.