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Obamas Amtseinführung im Fernsehen : Ein freies Volk auf freiem Grund

Die Welt schaut Obama Bild: AP

Von den Morgenhelden in den Menschenmassen bei CNN, einem von den Gefühlen übermannten Steffen Seibert im ZDF, einer staubtrockenen ARD und einem Beinahe-Fauxpas auf Phoenix: Wie die Fernsehsender über Baracks Amtseinführung berichteten.

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          Barack Obama hielt seine erste Rede als vierundvierzigster Präsident der Vereinigten Staaten vollkommen frei - und er begann sie nach der Anrede an seine Mitbürger selbstbewusst mit dem Wort „Ich“, dem dann sofort die alle betreffende Bemerkung folgte, er sei „demütig“ angesichts der Aufgabe, die vor „uns“ liege.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Hatten bei der wenigen Minuten zuvor erfolgten offiziellen Vereidigung zwischen ihm und dem Obersten Richter John G. Roberts ein paar Missverständnisse und wohl auch die wechselseitige Nervosität zu kleineren Versprechern geführt, so war der neupräsidiale Gefühls- und Verstandesrhetoriker nun wieder ganz in seinem Element und führte sein freies Volk auf dem freien Grund von Washingtons National Mall kraftvoll und zuversichtlich in die unmittelbare Zukunft - die Lasten der Vergangenheit wie der Gegenwart, die dieser Aufbruch mit im Gepäck führt, vergaß er dabei ebenso wenig wie das konkrete Benennen der ersten Schritte ins Futur. All denjenigen „die Hand zu reichen, die bereit sind, ihre Faust zu lockern“: Das war einer der Schlüsselsätze. Ein anderer bezog sich auf den Glauben, dem zufolge „ein Mann, dessen Vater vor weniger als sechzig Jahren in einem hiesigen Restaurant nicht bedient worden wäre“, nun hier vor allen „den heiligsten Eid ablegen“ könne. Es war in der Tat, was man einen „ historischen Moment“ nennen darf.

          Nur eine einzige Einstellung

          Und wir waren den ganzen deutschen Tag über dabei. Der amerikanische Nachrichtensender CNN hatte sich von fünf Uhr amerikanischer, also von elf Uhr deutscher Zeit an entschlossen, mal in Nahaufnahmen und mal in der Totale nur eine einzige Einstellung zu zeigen - die von den in die Mall hineinströmenden Massen aus allen Teilen des Landes. Es war bitterkalt an diesem Morgen in Washington, aber das hielt keinen auf, der dabeisein wollte. Schon um sieben Uhr hatten mehr als hunderttausend Zeugen des Ereignisses den Ort ihres Begehrens erreicht.

          Vereinigte Staaten : Szenen eines Amtsantritts

          Carol Costello und Jim Acosta waren die Morgenhelden von CNN - sie interviewten die Herbeiströmenden und erhielten variierend eine so beseelte wie immergleiche Antwort: Man sei gekommen, um jetzt „Teil der Geschichte“ zu sein und dies dann den Kindern und Enkeln erzählen zu können. Als sie diese Antwort gefühlte vier Dutzend Male gehört hatte, ergänzte sie Carol Costello so gutgelaunt wie treffend: „Teil der Geschichte, gewiss. Aber gewiss auch Teil des Fernsehens.“ In jedem Fall: Der amerikanische Fernsehmorgen gehörte dem Volk, das sich - ganz im Sinn von Elias Canettis Hauptwerk „Masse und Macht“ aus dem Jahr 1959 - als eine lebensbejahende „Fest-Masse“ konstituierte und dabei Minute um Minute rapide anwuchs.

          Zwei auratische Momente

          Es gab zudem zwei besonders auratische Momente in diesen frühen Stunden. Zunächst das grüne Tuch des Vorhangs am Ausgang des Blair-Hauses, in dem Obama und seine Familie übernachtet hatten: Da sich der neue Präsident erst ein wenig verspätet auf den Weg zum Gottesdienst machte, durfte es sich wohl fast eine halbe Stunde lang nahezu konkurrenzlos den Kameras stellen. Wir werden es ebenso wenig vergessen wie den zweiten denkwürdigen Augenblick: Bereits zwei Stunden vor Beginn der Inauguration betrat der von Krankheit schwer gezeichnete Muhammad Ali voller Würde das Capitol.

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