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Neuverfilmung : Der schnellste Ben Hur aller Zeiten

Die Ruhe vor dem Wagenrennen: Ben Hur (Joseph Morgan) wird gleich mit seinem Rivalen Messala um die Wette brettern Bild: Pontius Pilate Productions (Muse)/Toni Salabasev

Wiederbegegnung mit einem Klassiker: Fünfzig Jahre nach William Wylers Sandalenfilm wird „Ben Hur“ jetzt fürs Fernsehen gedreht. Zu Ostern 2010 wird die Produktion bei Pro Sieben gesendet - Wagenrennen inklusive.

          Für diese Dreharbeiten ist kein Aufwand zu groß. Am einzigen Gewässer weit und breit wird eine römische Prachtvilla errichtet, in die man umstandslos einziehen wollte. Der Marmorfußboden ist echt. In Ghassate, einem winzigen Flecken inmitten der marokkanischen Wüste, hat das Team die ganze Ernte aufgekauft. Denn auf den kargen Feldern wird ein Wagenrennen gedreht, das Filmgeschichte geschrieben hat: Das Rennen von Ben Hur und seinem Widersacher Messala. Sechzehn Millionen Dollar hat der Kinofilm gekostet, den William Wyler 1959 nach der Romanvorlage von Lew Wallace gedreht hat. Mit elf Oscars wurde das Werk prämiert, für das marode Filmstudio MGM war der Film die Rettung. Charlton Heston war für die Titelrolle zwar nicht erste Wahl, doch prägte er sich mit seinem steinernen Spiel ein. Auf dreieinhalb Stunden kam das Epos, 50.000 Komparsen waren am Set.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Fünfzig Jahre später kehrt die Geschichte des jüdischen Fürsten Judah Ben Hur zurück. Es ist alles eine Nummer kleiner als zu William Wylers Zeiten, doch sind die Dimensionen gleichwohl beachtlich. 22,5 Millionen Dollar soll der Mehrteiler kosten, der nun fürs Fernsehen entsteht, das amerikanische Network ABC, das kanadische Fernsehen CBC, die spanische Antenna 3 und Pro Sieben schultern das für heutige Verhältnisse immer noch monumentale Vorhaben gemeinsam.

          Der Produzent von heute ist der Sohn des Regisseurs von damals

          Die Geschichte von Ben Hur ist Familiensache. Nicht nur, weil es darin um die familiären Bande des Titelhelden und seines Ziehbruders, des römischen Tribuns Messala, geht, der in der Familie seines späteren Todfeindes aufwächst. Der Produzent von heute ist der Sohn des Regisseurs von damals. Als Junge schaute David Wyler seinem Vater William bei der Arbeit am Set über die Schulter, so wie es der kleine Sohn des Regisseurs Steve Shill jetzt tut. William Wyler senior wiederum war als Regieassistent an der vorhergehenden Ben-Hur-Inszenierung beteiligt, dem Stummfilm, den Frederico Nobile 1925 drehte. Bleibt alles in der Familie.

          Der Stein des Anstoßes, gleich wird er fallen: Ben Hur, seine Schwester, seine Freundin und seine Mutter Ruth (Alex Kingston) sehen es kommen

          David Wyler trug sich, wie er sagt, gemeinsam mit seinem Kompagnon Frank Konigsberg seit langem mit dem Gedanken, Ben Hur wiederauferstehen zu lassen, schreckte aber zugleich davor zurück. An einem Script war schon gearbeitet, als ihm der deutsche Produzent Dirk Beinhold vor anderthalb Jahren eine Nachricht mit dem Vorschlag schickte, Ben Hur fürs Fernsehen zu gestalten. Die Produzenten kamen schnell zusammen, fehlten nur noch die Finanziers, die Beinhold dank seiner Kontakte in Hollywood und Deutschland beibrachte. Mitte der neunziger Jahre war er stellvertretender Chef der Eigenproduktionssparte von Pro Sieben, zudem hat Beinhold für verschiedene amerikanische Studios gearbeitet und an Filmen wie „L.A. Confidential“, „Die Jury“ oder „Tin Cup“ mitgewirkt. So kamen ein Produzent und dann ein Sender zusammen.

          Wer Wüste, Berge und Oasen will, landet in Marokko

          Nach dem Drehort wurde nicht lange gefahndet. Die Atlas-Studios in Ouarzazate, im Südosten Marokkos, am Fuße des Hohen Atlas, sind als Werkplatz monumentaler Sandalenfilme ausgewiesen. Die Filmographie Ouarzazates reicht von „Lawrence von Arabien“ bis zu „Gladiator“, dessen Regisseur Ridley Scott hier auch „Black Hawk Down“ drehte, in den Weiten des Studiogeländes verlieren sich die Kulissen der Asterix-Filme, von Martin Scorseses „Kundun“ und schließlich eine kilometerlange mittelalterliche Burg, in welcher „Königreich der Himmel“ (wiederum von Ridley Scott) spielte. An routinierten Komparsen und Set-Handwerkern herrscht kein Mangel. Wenn Amerikaner oder Europäer Geschichten aus römischer Zeit oder dem Mittelalter drehen und Wüste, Berge und Oasen haben wollen, landen sie unweigerlich in Marokko.

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