https://www.faz.net/-gqz-136wm

Neues ZDF-Nachrichtenstudio : Captain Future ist beleidigt

  • -Aktualisiert am

Das neue Studio-Design stößt beim Publikum nur auf wenig Gegenliebe Bild: dpa

Schlechte Akustik, blässliche Farben, zu kleine Schrift: Mit Hähme wird im Online-Forum zum neuen ZDF-Nachrichtenstudio nicht gespart. Jetzt hat der Sender es kurzerhand geschlossen - gelobt aber zuschauerfreundliche Nachbesserungen.

          Alles hat ein Ende, nur dieser Tischdarm nicht. Und so wird wohl nichts übrigbleiben, als sich an das neue „Studio N“ des ZDF zu gewöhnen, in dem seit einer Woche die grundlos auf den Nachrichtenmond geschossene „heute“-Familie haust. Man hat sich aber auch wirklich bemüht, die Sendung bis ins kleinste Detail zu verulken. Warum zum Beispiel muss Claus Kleber nun am Ende jedes „heute journals“ vor dem arabesken Tresen Platz nehmen, als säße er in einer Astro-Kneipe?

          Am irrsinnigsten aber ist natürlich die weithin verspottete Sache mit der Dreidimensionalität. Auch nach sieben Tagen noch wirkt es schlicht hilflos, wie die gestikulierenden Moderatoren vor überflüssigen Großanimationen stehen und stets leicht in die falsche Richtung deuten. Gleich zweimal haben sich beispielsweise die Programmierer am Donnerstag verausgabt, um sowohl Steffen Seibert in „heute“ als auch Claus Kleber im „heute journal“ vor den Simpelgrafiken „Großer Beetle schluckt kleinen Porsche“ lächerlich aussehen zu lassen. Wohltuend intelligent nahm sich dazwischen das „heute spezial“ mit Michael Opoczynski aus, das aus einem konventionellen Studio gesendet werden durfte.

          Blasse Farben, schlechte Akustik

          Wenn man schon in jeder Sendung penetrant auf die eigene Homepage hinweist, so dachte man wohl beim ZDF, dann wäre doch ein Online-Forum zu der televisionären Schönheits-OP nicht verkehrt. Und man dachte richtig: Viertausend Einträge in wenigen Tagen sind ein voller Erfolg. Aber welche Einträge! Zwar ist es nicht neu, dass eher die Unzufriedenen zum Kommentieren neigen, mit einem solchen Entrüstungssturm aber dürfte der Sender kaum gerechnet haben. Freilich findet sich hier und da ein kleines Lob, doch dem steht ein Hundertfaches an härtester, hämischer Kritik gegenüber. Und immer wieder dieser Nadelstich: Wir machen rüber, zu den „Tagesthemen“.

          Schöne virtuelle Hightech-Welt?

          Moniert wird vom Publikum neben der 3D-Spielerei vor allem die Blässe der Farben, die schlechte Akustik, die zu kleine Schrift, die Unruhe des Hintergrunds, das Herumrennen der Moderatoren und die Staffelung der illustrierenden Fenster („Ist Ihnen eigentlich bewusst, wie dämlich das aussieht?!“). Sollte die Meinung in diesem Forum auch nur annähernd repräsentativ sein, dann dürfte das neue Konzept als völlig gescheitert gelten. Der gemeinsame Nenner sehr vieler Kommentare: Das ZDF habe dreißig Millionen Euro Gebührengelder verschleudert, um eine dem Privatfernsehen angemessene News-Show zu kreieren. Man warte darauf, dass endlich eingelenkt werde.

          Festhalten am Modell „Erklärräume“

          Eingelenkt wurde nun am Donnerstagabend, allerdings anders als erwartet. Das ZDF hatte der Nörgelei genug und schloss kurzerhand das Forum. Der stellvertretende Chefredakteur, Elmar Theveßen, bedankte sich für die Kritik und versprach Nachbesserungen bei der Lesbarkeit der Schriften, der Verständlichkeit des Tons und der Bildqualität von Einblendungen. Das allein klingt wahrlich ruinös. Doch mit dem Zweiten spaßt man nicht, wenn es ums Digitale geht: „Es bleibt dabei: Erklärräume sollen zur besseren Verständlichkeit der Nachricht beitragen.“ Ob das heute nötig ist, weil das Publikum dümmer oder weil die Welt komplizierter geworden ist, lässt Theveßen offen. Hätte sonst auch wirklich niemand verstanden, dass VW (groß und blau) Porsche (klein und orange) gefressen hat.

          Weitere Themen

          Wettstreit der Romantiker

          Ausstellungen in Paris : Wettstreit der Romantiker

          Victor Hugo, Notre-Dame und die Folgen: Zwei Pariser Ausstellungen im Petit Palais beschäftigen sich mit einer Zeit, die ihre Liebe für „ihr“ Retro entdeckte und auch vielfältig auslebte.

          Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

          Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

          Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

          Topmeldungen

          Wollen beide die Nachfolge von Theresa May als britischer Premierminister antreten: der amtierende Außenminister Jeremy Hunt (rechts) und sein Vorgänger Boris Johnson

          Warnung an Trump : Johnson würde Krieg gegen Iran nicht unterstützen

          Militärische Aktionen gegen Teheran seien keine „sinnvolle Option”, sagt der Favorit auf die Nachfolge von Theresa May. Obwohl er damit Trumps Politik untergräbt, glaubt Boris Johnson an einen schnellen Handelsdeal mit Amerika nach dem Brexit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.