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Neue Talkshow mit Christiansen und Aust : Achtung, jetzt kommt eine Webcam!

Eine Polittalkshow ganz neuen Zuschnitts soll „Ihre Wahl! Die Sat.1 Arena“ sein. Zum Auftakt sahen die Moderatoren Sabine Christiansen und Stefan Aust und ihr Stargast Karl-Theodor zu Guttenberg aber ziemlich alt aus.

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          Etwas Konkurrenz könnte „Anne Will“ am Sonntagabend gar nicht schaden. Auf eingefahrenen Gleisen zieht sie ihre Bahn, der Schlagabtausch im Ersten schlägt einen an vielen Sonntagen nur in Maßen in Bann.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wie verheißungsvoll klang es da, dass Sat.1, der Sender, der mit dem „Talk im Turm“ einst den Maßstab setzte, einen neuen Polittalk ankündigte - mit ganz neuen Elementen der Zuschauerbeteiligung, zwei Altmeistern ihres Fachs und einem Medien-Shootingstar als erstem Gast: Sabine Christiansen, Stefan Aust und Karl-Theodor zu Guttenberg. Und als zweitem Gast dann auch noch einen Provokateur par excellence: Oskar Lafontaine. Das konnte doch nur gut werden. Dachte man. Wurde es aber nicht.

          Ein fades Potpourri

          Es wurde das Gegenteil: ein fahriges, ein fades Potpourri, ein sechzig Minuten langer Vorlauf ohne Finale. Als es gerade spannend zu werden versprach, war die Sendung schon vorbei, davor hatte der Bundeswirtschaftsminister - der es immerhin geschafft hat, als CSU-Politiker von der CDU landesweit plakatiert zu werden - so wenig geglänzt wie lange nicht. Und das hatte etwas mit ihm selbst, mit seinem Kontrahenten, vor allem aber mit dem Zuschnitt der Sendung zu tun.

          Aus der Nähe - als Gast im Studio in Berlin-Adlershof betrachtet - war noch am spannendsten, was die Zuschauer nicht zu sehen bekamen. Das einstündige Warmlaufen mit Publikumsbefragung zum Beispiel, in dem sich ein Gast als Nichtwähler, ein anderer als hartnäckiger CDU-Parteigänger zu erkennen gab - und das zu begründen wusste. Von Oskar Lafontaine erwarte er nicht viel, sagte der nächste, denn der habe als Superminister nach neun Monaten die Flinte ins Korn geworfen und klopfe seither nur Sprüche.

          Vom Superminister zum Supersprüchemacher - solch provozierende Einschätzungen hätte man gerne in der Sendung gehört, ja man hatte sie erwartet, doch sie kamen nicht. Stefan Aust erzählte den Studiogästen, wie lange er gebraucht habe, seine Krawatte zu binden, frohgelaunt schien er vor Beginn, genauso wie seine Mitstreiterin Sabine Christiansen. In der Sendung selbst war von ihm dann nichts mehr zu sehen.

          Wild, fahrig, oberflächlich

          Es war schon seltsam: Ein Talkshow-Zehnkampf sollte das wohl sein, bei all den Elementen, die eingesetzt wurden, und doch versagte die Wahl-Arena in der Kardinaldisziplin - dem politischen Streitgespräch, dem Widerstreit der Argumente. Es ging noch wilder, noch fahriger und noch oberflächlicher zu, als wir es von den Talkshows gewohnt sind. Entweder dräute die Werbeunterbrechung oder es wollte eine Twitter-Botschaft eingeblendet oder ein Webfilmchen eingespielt werden. „Wir haben jetzt eine Webcam“, sagte Sabine Christiansen. Sie meinte damit, dass nun eine Zuschauerwortmeldung mit Bild käme. Die kam dann auch und unterbrach den mühsam in Gang gehaltenen Redefluss. Sebastian Krumbiegel, der Sänger der „Prinzen“, musste auch noch gehört werden. Der saß in einem erstaunlich altdeutsch eingerichteten (um nicht zu sagen: spießigen) Wohnzimmer und wiederholte ein um das andere Mal, dass die Leute doch bitteschön wählen gehen und ihr Kreuzchen „an der richtigen Stelle“ machen sollten. Es war eine einzige Unterbrechersendung.

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