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Neue Show auf Pro Sieben : Über siebzehn Meter musst du geh'n

  • -Aktualisiert am

Sie wollten „das Fernsehen von innen heraus schöner machen”, sagt Klaas Heufer-Umlauf. Die Haltungsnoten verteilt er (links) zusammen mit Joko Winterscheidt Bild: Pro Sieben

MTV ließ sie ziehen, jetzt moderieren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt für Pro Sieben ihre erste Spielshow: „17 Meter“. Wenn alles klappt, hätte Stefan Raab endlich würdige Nachfolger gefunden.

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          Für erfolgreiche Paare ist das deutsche Fernsehen eine geradezu feindliche Umgebung. Marianne und Michael hat das ZDF im vergangenen Jahr die letzte Sendung weggenommen; Kurt und Paola Felix müssen aus der Schweiz mitansehen, wie Guido Cantz ihr Fernsehvermächtnis „Verstehen Sie Spaß?“ an den Abgrund moderiert; und die Maus und der Elefant müssen sich ihren im ARD-Kinderprogramm erarbeiteten Ruhm längst mit einer frechen Ente teilen. Es liegt ein Fluch über den Doppelmoderationen.

          Umso erstaunlicher ist es, dass gerade ein Paar den Bildschirm erobert, das gar keines ist: Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt sind weder miteinander verheiratet, noch führen sie einen gemeinsamen Volksmusikverlag. Trotzdem sind sie permanent zusammen im Fernsehen. Zumindest hat man das Gefühl.

          Dabei ist es gerade zwei Jahre her, dass die beiden erstmals für „MTV Home“ vor der Kamera standen, sich zu absurden Wettstreiten herausforderten und in einer Al-Bundy-Kulisse ihre Gäste zuquatschten. Der eine nannte den anderen „wandelnder Meter mit Napoleonkomplex“, woraufhin sich der über den altmodischen Vornamen seines Kollegen lustig machte - in einem selbstgedrehten Rapvideo. Im Abspann stand „Unsere Moderatoren werden eingekleidet von: Flohmarkt“, in der Sendung war alles erlaubt, was sich im durchformatierten deutschen Fernsehen sonst keiner mehr traut.

          Wettkämpfe untereinander sind Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt schon gewohnt. Bei „17 Meter” kommentieren sie erstmals, wie sich andere ins Zeug legen

          Verachtung bei Youtube

          Inhaltlich schwankte das zwischen total bescheuert und zum Totlachen. Das Publikum war begeistert, dass es bei MTV doch noch Leben gab, das nicht in Dokusoapform gepresst aus den Vereinigten Staaten stammte. Und deshalb passierte Anfang des Jahres, was MTV seit Jahren mit allen beliebten Shows macht: „MTV Home“ wurde eingestellt. Grundlos. Gleichwohl reagieren die beiden furchtbar diplomatisch, wenn man sie darauf anspricht: „Ich fand's großartig, dass MTV überhaupt so mutig war, diese Sendung zu machen“, sagt Klaas Heufer-Umlauf. „Wenn mir damals einer gesagt hätte, das geht zwei Jahre, hätte ich mich auch gefreut. Da jetzt beleidigt zu sein wäre auch unprofessionell.“

          Und es ist nicht so, dass die beiden nichts zu tun hätten. Nur sind sie jetzt nicht so oft zwischen den Werbepausen zu sehen, sondern darin. Während ihr einstiger Arbeitgeber seine letzten Stars ziehen ließ, hat die Werbeindustrie Joko und Klaas als perfektes Team entdeckt, um jüngere Kunden anzusprechen. Seit ein paar Wochen laufen im Fernsehen Spots der Sparkasse, in denen die Zuschauer direkt ins Netz geleitet werden, um dort Wettstreite zwischen Joko und Klaas anzusehen, wie sie früher bei MTV gelaufen wären - nur ohne Girokonto-Empfehlung zum Schluss und mit deutlich weniger Budget. Joko hat zudem einen Vertrag mit einem Rasierklingenhersteller unterschrieben und schleicht durch einen biederen Werbefilm, für den er in den Kommentarspalten auf Youtube ordentlich Verachtung erntet. Der Zweiunddreißigjährige nimmt es locker: „Das ist ja nicht unbedingt das Umfeld, aus dem mich die Leute bisher gekannt haben. Also kann ich nachvollziehen, wenn das ein paar Leute irritiert.“

          Als hätten sie sich verkleidet

          Spannender ist die Frage, wie irritiert die Leute sind, wenn die MTV-Fuzzis plötzlich im echten Fernsehprogramm auftauchen. Die Antwort folgt am Samstagabend, dann zeigt Pro Sieben die Premiere der Spielshow „17 Meter“, bei der Heufer-Umlauf und Winterscheidt ausnahmsweise nicht selbst gegeneinander antreten, sondern jeweils ein Kandidaten-Team um die Wette quizzen lassen. Dabei darf nur eine Antwort geben, wer einen Hindernisparcours von siebzehn Metern Länge überwunden hat. Der Kandidat, der nach der letzten Runde übrig bleibt, gewinnt 25.000 Euro - und beschert „seinem“ Mentor die Genugtuung, über den Kollegen gesiegt zu haben.

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