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Münchner Filmfest : Kein Preis für die Favoriten der Sponsoren

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Die Schauspieler Elisa Schlott und Max Kidd sowie die Regisseurin Katharina Schöde (von links nach rechts) dürfen ihre Preise tatsächlich empfangen Bild: dpa

Eklat beim Münchner Filmfest: Die Jury verweigert die Preisvergabe in den Fächern Regie und Drehbuch und düpiert die Vorauswahl der Sponsoren. Ansonsten lässt man sich von wirtschaftlichen Sorgen nicht die Laune verderben und zelebriert sich als Zuschauerfestival.

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          Am Ende kam es zum Eklat. Die Juroren beim Münchner Filmfest hatten bereits in der Vergangenheit manches Mal geklagt über die von den Sponsoren getroffene Vorauswahl zu dem mit 60.000 Euro dotierten Förderpreis Deutscher Film. Ulrich Noethen etwa, der vor zwei Jahren Filme auf seiner Rechnung hatte, die es nach dem Votum von Hypo-Vereinsbank, Bayerischem Rundfunk oder Bavaria Film nicht in die Endausscheidung geschafft hatten.

          Auch dieses Jahr herrschte hierüber Unzufriedenheit, und so setzte die Jury, bestehend aus der Regisseurin Caroline Link, dem Schauspieler Maximilian Brückner und dem Produzenten Uli Aselmann, am Ende ein deutliches Zeichen: sie verweigerte die Preisvergabe in den Fächern Regie und Drehbuch. Die eingesparten 30.000 Euro gehen statt dessen an die Hochschule für Fernsehen und Film München.

          Die Begründung fiel streng aus: „Die Auswahl ist nicht repräsentativ für den jungen deutschen Film, der seine Qualität vielfach bewiesen hat.“ Der Produzentenpreis immerhin wurde verliehen und ging an Katharina Schöde für den Film „Draußen am See“. Dessen Hauptdarstellerin Elisa Schlott wurde als beste Schauspielerin geehrt, während der Preis für die beste Leistung bei den Männern an Max Kidd ging für seine Rolle in Wolfgang Groos‘ „Hangtime. Kein leichtes Spiel“. Groos selbst glaubte die Jury nicht prämieren zu dürfen, weil er mit 37 Jahren zu alt sei. Groos zeigte sich enttäuscht: „In den Statuten steht: ,sollte nicht älter als 35 sein‘, aber nichts von ,darf nicht‘. So war das nicht fair.“

          Zu Tode gecastet

          Nach dem verlorenen Punkte- und Glamour-Wettlauf mit Berlin scheint das Münchner Filmfest seine Rolle als heiteres Zuschauerfestival mit extrem großem Fernsehangebot erfolgreich angenommen zu haben. Das ZDF zum Beispiel schickte so viele Filme wie noch nie ins Rennen. „Das ist ein Rekord, 15 Filme“, sagte der neue Fernsehspielchef Reinhold Elschot über die „Leistungsshow des Qualitätsfernsehens“.

          Während Elschot in seiner neuen Rolle aufging und sich glücklich mit allerlei anderen Besuchern ablichten ließ, wurde auf den Foren die alte Zeit beschworen. Bernd Eichinger wünschte sich beim CSU-Filmgespräch, die Bavaria-Studios möchten wieder als Dienstleister für seine Filme zur Verfügung stehen und nicht in Seifenopern baden; auf dem Casting-Podium beklagten Schauspieler, neue Gesichter hätten kaum eine Chance. Viele Caster würden sogar überhaupt nicht mehr zum Casting laden. Stattdessen zähle eine möglichst perfekte Präsentations-DVD - und eine starke Seilschaft.

          München feierte trotzdem, auch wenn die Häppchen beim Bavaria-Empfang deutlich frugaler ausfielen als zuvor und der Schauspieler Rufus Beck rhetorisch fragte: „Wer dreht? Ich kenne keinen, der gerade dreht. Alle, die hier sind, drehen gerade nicht.“ Auch der Produzent Hofmann machte sich Sorgen: „Wenn selbst erfolgreiche Filme bei den Privaten nicht mehr genug Werbezeit verkaufen - wo soll das alles enden?“

          Wirtschaftliche Sorgen

          Natürlich ist die wirtschaftliche Lage ein Thema beim Empfang des FilmFernsehFonds Bayern. Dessen Geschäftsführer Klaus Schaefer verkündete die Einrichtung eines vom Bayerischen Rundfunk unterstützten Bürgschaftsmodells in Höhe von 300.000 Euro für junge Filmproduzenten. Womöglich aber bleiben solche Initiativen bloße Tropfen auf den heißen Stein, denn die Folgen der Branchenmisere sind, so meinte WDR-Filmchef Gebhard Henke, noch überhaupt nicht sichtbar. Bei den 13 Produktionen, mit denen sein Sender vertreten war, sei die Krise noch gar nicht angekommen, „weil sie vor ein, zwei Jahren entstanden sind. Die Auswirkungen werden wir 2010/2011 erleben.“

          Festival-Chef Andreas Ströhl hatte allerdings schon in dieser Saison mit Problemen im Vorfeld zu kämpfen: „Wichtige Sponsoren wie Tele 5 und Lufthansa sind abgesprungen, aber wir konnten das nahezu kompensieren. Jetzt sind Estee Lauder und Audi dabei. Und wir steuern auf einen neuen Besucherrekord zu.“

          Zu diesen zählte auch die Schauspielerin Sophie Schütt. Und sie konnte dem Geschehen an der Isar einiges abgewinnen: „Ich liebe das Münchner Filmfest. Es ist nicht so grässlich grau und grippig wie Berlin. Hier kann man Film richtig genießen.“ Preisverleihungen dagegen nicht unbedingt.

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