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Mitteldeutscher Rundfunk : Fristlose Kündigung

Steht unter Anklage: Der frühere MDR-Unterhaltungschef Udo Foht. Bild: dpa

Auf einer Sondersitzung des Rundfunkrats hat der Mitteldeutsche Rundfunk die fristlose Kündigung seines Unterhaltungschefs Udo Foht wegen des groben Verstoßes gegen Dienstanweisungen bekannt gegeben.

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          Der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks hat am Mittwoch eine Marathonsitzung absolviert. Ein Thema stand auf der Agenda: Die Affäre um den suspendierten Unterhaltungschef Udo Foht. Dieser war am 27. Juli seines Amtes enthoben worden, nachdem es von Produzenten deutliche Hinweise auf seltsame Geldgeschäfte des MDR-Abteilungschefs gab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Untreue. Inzwischen ist bekannt, dass Foht sich mehrfach bei Produzenten, die mit dem Sender zusammenarbeiten, Geld geliehen und dieses nur zum Teil und wenn, verspätet zurückgezahlt hat. Um Ausreden war Foht seinen Gläubigern gegenüber nicht verlegen, in einem Fall ging es angeblich darum, dass eine Produktionsfirma einer anderen, die knapp bei Kasse gewesen sei, aushelfen sollte. Die Summen, mit denen Foht jonglierte, liegen zwischen 10 000 und 180 000 Euro.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Um 10 000 Euro war er im Herbst 2009 einen Manager angegangen, der diese Summe dann an die Firma "Just for Fun" überwies. Dem MDR-Intendanten Udo Reiter wurde davon berichtet, er gab die Sache an seinen Fernsehdirektor weiter, der wenig später, wie Reiter zwischenzeitlich mitteilte, signalisierte, die Sache sei erledigt. Um welchen Produzenten es sich bei dem Geldgeber handelte, hat jetzt die "Welt" benannt. Es ist Werner Kimmig, der zahlreiche Unterhaltungsshows produziert und unter anderem die Fernsehübertragung der "Bambi"-Verleihung des Burda-Verlags managt. Über diesen Fall hatte der Intendant seine Gremien und die Öffentlichkeit allerdings inzwischen informiert.

          Weiterer Klärungsbedarf

          Warum das Finanzgeflecht des Udo Foht allerdings erst jetzt aufflog, da eine interne Ermittlergruppe des MDR unter Führung Ingmar Weitemeiers, des früheren Chefs des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern, die Bücher durchgeht, ist damit noch nicht hinreichend erklärt. Der Rundfunkrat des MDR ließ sich jedoch, nach den Worten des Vorsitzenden Johannes Jenichen, davon überzeugen, "dass der MDR die Probleme in eigener Regie bewältigen wird." Der Sender habe "die Aufklärung der zweifelhaften Vorfälle schon bisher selbst betrieben", man erwarte, "dass dieser Prozess weiter mit voller Kraft und ohne Rücksichten auf Ansehen und Personen fortgesetzt wird."

          Gleichwohl lässt der Rundfunkrat, dem der Intendant Reiter, die Justitiarin Karola Wille und der Ermittler Weitemeier berichteten, Kritik durchblicken und hält fest, "dass bei Feststellung struktureller beziehungsweise organisatorischer Schwächen in der Auftragsvergabe durch die Untersuchungskommission diese Schwächen sofort abgestellt werden müssen." Der Intendant habe verdeutlicht, dass die von Udo Foht betriebene Verfahrensweise der "Vorfinanzierung" nicht den Abläufen im MDR entspreche und dies einen groben Verstoß gegen Dienstanweisungen bedeute. Der MDR hat die fristlose Kündigung des suspendierten Unterhaltungschefs eingeleitet.

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