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Margot Käßmann bei Peter Hahne im ZDF : Sie sind ja Margot und nicht Lena!

Margot Käßmann zu Gast bei Peter Hahne Bild: REUTERS

Die neue Talkshow von Peter Hahne im ZDF ist keine Offenbarung. Weil er niemanden ausreden lässt. Margot Käßmann war sein erster Gast. Sie zeigte sich souverän, erzählte von ihrer Alkoholfahrt und hatte auch schon wieder einen Spruch zu Afghanistan parat.

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          Peter Hahne ist tief gefallen. Das hat er mit dem ersten Gast seiner neuen, nach ihm benannten Talkshow gemeinsam, der ehemaligen Bischöfin Margot Käßmann. Sie fiel tief, weil sie volltrunken durch Hannover fuhr, von der Polizei erwischt und in der Öffentlichkeit hart kritisiert wurde. Sie gab ihr Amt ab. Er fiel tief, weil im ZDF bei der Neubestellung des Chefredakteurs nach Parteifarben durchsortiert wurde. Weil die Unionsvertreter im Verwaltungsrat den früheren Chefredakteur Nikolaus Brender weg mobbten - der ganz und gar nicht ein Linksaußen war -, und statt dessen den vermeintlich „roten“ Peter Frey ins Amt hievten, die zweitwichtigste Stelle dann wieder vermeintlich konservativ zu besetzen war - mit der neuen Hautstadtstudiochefin Bettina Schausten, Peter Hahne als bisheriger Stellvertreter also nicht aufrücken konnte, durfte er seitlich ausweichen: raus aus der Hierarchie, rein in die Talkshow.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wie die wohl ausfiele, war für diejenigen, die Peter Hahne über die Jahre beobachtet haben, etwa bei „Berlin direkt“, keine Überraschung. Der gelernte Theologe ist ein klassischer Nichtausredenlasser. Scheint ihm die Antwort seines Gegenüber langweilig zu werden, drängelt er sich schon vor dem ersten Satzende vor. Oder er brummelt, was, je nach Tonlage, sowohl Ungeduld und Missvergnügen als auch Zustimmung bedeuten kann. Es ist jedenfalls nicht ohne Penetranz, Hahne geht auf unangenehme Weise auf Tuchfühlung, auch wenn er sich vor einem Gesprächspartner in den Staub wirft.

          Ich habe Sie auch schon durch Hannover gefahren!

          Der Pastorin Käßmann begegnete er „auf Augenhöhe“. Er fragte sie nach ihrer Alkoholfahrt aus, wie es Johannes B. Kerner zu seinen besten ZDF-Zeiten nicht peinsamer hätte tun können (Frage: „Wem haben Sie das als erstes gebeichtet?“ Antwort: „Meinen Töchtern.“), nudelte die Geschichte eine Viertelstunde lang durch und fragte auch nach dem ominösen Beifahrer Käßmanns, dessen Namen wir ja leider immer noch nicht kennen und den sie auch dem evangelischen Bruder im Geiste Peter Hahne nicht nennen wollte. Privatsache. Und abgesehen davon, „Herr Hahne, ich habe Sie auch schon mal mitgenommen durch Hannover.“

          TV-Moderator Peter Hahne und sein erster Gast Margot Käßmann

          Das war wenigstens eine kleine Enthüllung, vielleicht könnte die „Bild“-Zeitung daraus ja etwas machen nach dem Motto: „Saß Hahne neben Käßmann?“ Es war auf jeden Fall ein Schnelldurchlauf jener Prüfung auf ihr Durchhaltevermögen, die Margot Käßmann seinerzeit nach vier Tagen beendete, mit ihrem Rücktritt. Ihrer Beliebtheit hat das nicht geschadet, was Peter Hahne („die Massen jubeln Ihnen zu“) etwas befremdet: „Sie sind ja Margot und nicht Lena!“

          Teetrinken mit den Taliban

          Doch da fiel uns und Peter Hahne natürlich auch, ein, das ja gerade jemand anders zurückgetreten ist, der sich bei den Leuten im Land großer Beliebtheit erfreut: Horst Köhler, der ehemalige Bundespräsident. Ob es ihm wohl an der „Einsamkeitsfähigkeit“ mangelte, von der Margot Käßmann sprach, die ihrem Naturell nicht entspricht, aber über die man wohl doch verfügen müsse? Wir fragten uns an dieser Stelle eher, wie es mit der Fähigkeit wäre, Kritik zu ertragen. Kritik wie etwa jener, die aufbrandete, als Margot Käßmann in einer Predigt den Satz gesagt hatte, dass in Afghanistan „nichts gut“ sei. Das war natürlich aus dem Zusammenhang gerissen und ganz anders gemeint, nämlich als Aufforderung, sich mit dem Thema Afghanistan und der Rolle der deutschen Soldaten dort überhaupt zu befassen. Kam aber in der Hitze des damaligen Gefechts ganz anders rüber. Und das könnte es auch jetzt wieder, sprach Margot Käßmann, einen intellektuell tief fliegenden Kritiker von damals zitierend, der da meinte, sie solle vielleicht besser einmal mit den Taliban bei Kerzenlicht beten gehen, den Satz - dass es vielleicht eine besser Idee sei, mit den Taliban bei Kerzenlicht zu beten als Tanklastwagen zu bombardieren.

          Das war ein Knaller, aber natürlich nicht so gemeint. Und vorhalten wird es Margot Käßmann jetzt auch niemand, denn sie ist erstmal weg, vier Monate in den Vereinigten Staaten. Sagt vorher noch Tschüss, in einer Titelstory im „Spiegel“, jetzt bei Peter Hahne. Sie kommt danach aber ganz bestimmt zurück. Den Boden für eine Rückkehr nicht nur als Pastorin hat sie bereitet. Ihr Tipp für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen England? Die junge deutsche Mulitkultitruppe gewinnt, wird aber leider nicht Weltmeister.

          Zum Thema tiefer Fall, bei dem ja sowohl Margot Käßmann und Peter Hahne mitreden können und mit dem wir heute begonnen haben, hatte die Pastorin schon zu ihrem Rücktritt als Bischöfin alles gesagt: Niemand kann tiefer fallen als in die Hand Gottes. Ein Schelm, wer dabei an Diego Maradonas „Hand Gottes“ denkt.

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