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Leihmütter : Gebären als Geschäft

  • -Aktualisiert am

Und das Herz blutet ihnen doch: indische Leihmütter in ihrer Unterkunft Bild: SWR

Im Dilemma zwischen Lebenstraumerfüllung und Ausbeutung: Der Arte-Film „Google Baby“ von Zippi Brand Frank führt alle Facetten der industriellen Kinderproduktion im Internetzeitalter vor.

          „Nicht weinen. Warum weinst du denn?“ Wie die geschäftstüchtige indische Ärztin Nayna Patel eher genervt als mitfühlend auf ihre Patientin einredet, das ist vielleicht der bedrückendste Moment in diesem israelischen Dokumentarfilm über das Leihmüttergewerbe: „Wir tun eine Menge für euch, geben viel Geld für eure Behandlung aus.“ Medizinisch notwendig ist die Behandlung aber keineswegs: Der weinenden Frau nämlich werden fremde Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt, die sie - eine gemietete Gebärmaschine - für Menschen aus den Industrienationen austragen wird.

          Die Leihmutter erhält dafür ungefähr 6500 Dollar, sechshundert davon nach drei Monaten Schwangerschaft, den Rest bei erfolgreicher Kaiserschnitt-Geburt (Fehlgeburten bringen nichts ein): Prostitution 2.0, denn um Kunden werben solche Etablissements per Youtube.

          Viele schwule Paare bestellen sich die passenden Eizellen

          Die jungen indischen Frauen werden nicht selten von ihren Männern in die Babyfabrik geschickt, weil sich damit ein Haus oder die Ausbildung der eigenen Kinder finanzieren lässt. Der Film „Google Baby“ von Zippi Brand Frank führt alle Facetten der industriellen Kinderproduktion im Internetzeitalter vor, enthält sich der expliziten Wertung, zeigt aber ausführlich, was die Auftraggeber nicht sehen sollen: die apathisch und gedrängt in der Gebärfabrik liegenden indischen Frauen, denen die Tränen nicht nur zu Beginn der Behandlung kommen: „Wenn ich das Kind abgebe, lasse ich mir nichts anmerken. Die Leute werden nie erfahren, dass mir das Herz blutet.“

          Die Auftraggeber sind meist Paare, die selbst keine Kinder bekommen können, auch ältere Frauen, insbesondere aber schwule Paare: Letztere bedienen sich ein weiteres Mal des Internets und bestellen etwa bei „EggDonation“ die passenden Eizellen. Die Befruchtung findet im Labor statt, und die tiefgekühlten Embryonen werden dann nach Indien transportiert. Das Dilemma zwischen Lebenstraumerfüllung und Ausbeutung bildet der Film gut durch seine Doppelperspektive ab, denn neben der windigen indischen Klinik steht der selbstgefällige israelische Leihmutter-Unternehmer Doron im Mittelpunkt, in dem kinderlose Paare ihren Retter sehen. Als Triumph aber erscheint der Sieg über die Natur hier nicht, sondern als menschliche Tragödie.

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