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Kostenlose Inhalte : Jetzt geht's App beim ZDF

Die ARD hat's vorgemacht, das ZDF zieht jetzt nach: Die kostenlose, weil vorab von den Rundfunkgebühren abgedeckte App Bild: dapd

Nach der ARD startet nun das ZDF seine Offensive, geht mit Apps aufs iPhone und aufs iPad. Alle Grenzen fallen. Der Wettbewerb zwischen Verlagen, privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern wird weiter verschärft. Die Politik macht es möglich.

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          Der Wettbewerb zwischen Verlagen, privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern wird weiter verschärft. Nach der ARD, die ihr Nachrichtenangebot als Applikation für iPhone und iPad anbietet, geht nun auch das ZDF mit allem, was die Bestände hergeben, auf Smartphones und Tablet-Computer. Alles „kostenlos“ selbstverständlich, was eigentlich heißt: „von allen bezahlt“ - ob sie es nutzen oder nicht -, nämlich durch die Rundfunkgebühren.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Noch im März will das ZDF seine Mediathek als mobile Anwendung einführen, hinzu kommen im Sommer die Nachrichtensendung „heute“, die Onlineausspielung „heute.de“ und die „tivi-Videothek“. Anfang des nächsten Jahres soll eine eigene Sport-App „sport.zdf.de“ folgen. Was das für die Verlage und für private Sender bedeutet, ist klar: Es wird noch schwerer, Inhalte gegen Bezahlung zu vermarkten, da ARD und ZDF mit ihren Bild- und vor allem Textmengen der Kostenloskultur im Internet Vorschub leisten und den Wettbewerb verzerren. Die „Tagesschau“-App ist schon mehr als eine Million Mal geladen worden.

          Nach Ansicht des ZDF-Intendanten Markus Schächter wäre es seinem Sender, wie er den Mitgliedern seines Aufsichtsgremiums, des Fernsehrats, vortrug, sogar gar nicht erlaubt, für Apps einen Beitrag zu fordern. Der Rundfunkstaatsvertrag und das Telemedienkonzept des ZDF bestimmten, dass die Apps kostenlos sein müssten. Das ist insofern richtig, als die Bundesländer - angeführt vom SPD-regierten Rheinland-Pfalz - ARD und ZDF gesetzlich einen Blankoscheck für die Betätigung im Internet und auf mobilen Endgeräten ausgestellt haben.

          Von „Sendungsbezug“ ist schon lange keine Rede mehr; die Sender betexten online frei. Inkonsequent ist Schächters Haltung aber insofern, als es kostenpflichtige Angebote der Öffentlich-Rechtlichen auch gibt - der Intendant verweist etwa auf die App „Lanz kocht“, die von der kommerziellen Tochterfirma des Zweiten, ZDF Enterprises, für 1,59 Euro vertrieben wird.

          Die Verlage werden auf diese Weise zweifach angegriffen: durch kostenlose Angebote, die sie im Kern, nämlich bei der Information, treffen, und durch kommerzielle Apps, die jedoch auf Inhalten beruhen, für die der Gebührenzahler schon berappt hat: Lanzens Löffelsendung im ZDF wird aus Gebühren finanziert und dann noch einmal gegen Entgelt als App aufgebrutzelt. So interpretiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Regeln, wie es gerade passt, und nimmt nicht einen Teil des Kuchens, er verschlingt ihn ganz. Die Medienpolitiker sitzen wie stets mit am Tisch.

          Die Verlegerverbände haben gegen die Entwicklung wiederholt protestiert, vor allem der Verband der Zeitschriftenverleger. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel nährte zwischenzeitlich die Hoffnung, die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich zurückhalten. Ihre Offerte, die ARD könne für Apps auch Geld nehmen, war jedoch nichts wert, weil es an die Bedingung geknüpft war, dass dann auch alle Verlagsangebote kostenpflichtig sein müssten - man wird jedoch immer jemanden finden, der auch ohne Gebühren sein Heil im Verschleudern von Inhalten sucht.

          Die Schlacht um Beschränkungen im Internet und bei den Apps ist längst geschlagen. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sie gewonnen, die Bundesländer, vor allem die SPD-regierten unter Führung von Rheinland-Pfalz, haben dafür gesorgt. Die freie Presse ist ihnen eben ferner als der „staatsferne“ öffentlich-rechtliche Rundfunk, in dessen Aufsichtsgremien diejenigen sitzen, die die Mediengesetze machen: Ministerpräsidenten, Landes- und Parteipolitiker. So schließt sich der Kreis und alles ist - App.

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